Klaus Härös Film „Nie allein“ und Finnlands Pakt mit Hitler-Deutschland

Helsinki wurde für österreichische Juden zur Todesfalle. Die Dreharbeiten fanden in der Bulevardi in der finnischen Hauptstadt Helsinki statt.© WIKIPRDIA/Annette Helander - https://finna.fi/Record/hkm.f9e69797-1c49-4c93-8389-90fa9330e0c3?sid=4231529232

Finnland pflegt bis heute gern das Bild eines tapferen kleinen Landes, das im Zweiten Weltkrieg zwischen den Mühlsteinen der Großmächte nur um sein Überleben kämpfte. Klaus Härös Film „Nie allein“ reißt diese bequeme Selbstlegende auf und erinnert an eines der beschämendsten Kapitel finnischer Kriegsgeschichte: die Auslieferung jüdischer Flüchtlinge an die Gestapo im Jahr 1942. Im Mittelpunkt steht der jüdische Textilhändler Abraham Stiller, der Juden helfen wollte und erleben musste, wie sein Vertrauen von der eigenen Bürokratie zur tödlichen Falle für Juden gemacht wurde. Besondere Wucht gewinnt der Film durch den österreichisch-israelischen Schauspieler Rony Herman als Georg Kollmann, jenen Mann, der als Einziger der Deportierten überlebte. „Nie allein“ ist kein gefälliges Historiendrama, sondern ein notwendiger Film über Verrat, Schuld und die Frage, wie schnell auch kleine Staaten zu Komplizen des Bösen werden können. (JR)

Von Klaus Jessenitschnig

In den finsteren Annalen des Zweiten Weltkrieges gibt es Kapitel, die selbst dem aufmerksamsten Historiker nur als Fußnote erscheinen – bis ein Film wie „Nie allein“ (Original: Ei koskaan yksin, 2024) sie mit schonungsloser Klarheit ans Licht zerrt. Regisseur Klaus Härö, dieser finnlandschwedische Meister der stillen Erschütterungen, hat hier kein gewöhnliches Historiendrama geschaffen, sondern ein Mahnmal, das unter der Haut brennt. Und im Zentrum dieser Tragödie, neben dem untadeligen Abraham Stiller (grandios verkörpert von Ville Virtanen), steht ein österreichischer Schauspieler, dessen Präsenz dem Ganzen erst die rechte Wucht verleiht: Rony Herman als Georg Kollmann. Ein Mann, der das Unfassbare überlebte – und den man in dieser Darstellung nicht mehr vergisst.

 

Die historische Klippe, auf der Finnland tanzte

Man stelle sich vor: Ein Land, das tapfer gegen den sowjetischen Koloss kämpft, sich dabei aber dem Dritten Reich an die Brust wirft. Finnland im Sommer 1942 – verbündet mit Hitlerdeutschland, doch offiziell nie ganz unter dessen Joch. Acht österreichische Juden, darunter Familien, wurden dennoch an die Gestapo ausgeliefert. Drei Familienangehörige folgten freiwillig. Nur einer kehrte zurück: Georg Kollmann. Die anderen starben in den Lagern. Eine Zahl, so klein und doch so vernichtend, dass sie die finnische Selbstwahrnehmung als „anständige“ Kriegspartei bis heute wie Säure ätzt.

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