Tuvia Tenenbom fragt in seinem neuen Buch: „Wie nennt ihr dieses Land hier?“

Tuvia Tenenbom ist kein Schreibtisch-Journalist. Acht Monate lebte er mit seiner Frau Miriam unter jüdischen Siedlern, sprach mit Religiösen, Säkularen, Politikern und Arabern – und tat damit genau das, was viele woke Nahost-Korrespondenten längst verlernt haben und wofür ihm die Jüdische Rundschau bereits 2016 den Preis für ehrlichen Journalismus verliehen hat: hingehen, zuhören und die Wirklichkeit zu Papier bringen. Sein neues Buch „Wie nennt ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“ zerlegt das bequeme und im Kern judenfeindliche Zerrbild vom fanatischen „Siedler“ und zeigt ein vielschichtiges, uraltes jüdisches Land, das Europa zwar permanent belehrt, aber kaum kennt. Wer diese Region nur durch NGO-Brillen betrachtet und antiisraelischen Schlagworten grün-linker Medien glaubt, versteht weder Judäa und Samaria noch den eigentlichen Konflikt. (JR)

Von Stefan Beig

Acht Monate lebte der Autor und Journalist Tuvia Tenenbom unter jüdischen Siedlern in Judäa und Samaria. Sein neues Buch „Wie nennt ihr dieses Land hier?" (Suhrkamp) steht bereits auf der Spiegel-Bestsellerliste und zerlegt dabei zahlreiche Klischees. Gegenüber der Jüdischen Rundschau erzählt er, was ihn selbst am meisten überrascht hat.

 

Der Streit beginnt schon beim Namen

Ein winziger Flecken Land, doppelt so groß wie das kleine Saarland, und dennoch: Über kaum ein Gebiet der Welt wird so viel geredet wie über das Westjordanland. Oder über Judäa und Samaria. Oder über die „besetzten Gebiete". Schon der Name ist ein Bekenntnis. Wer „Westbank“ sagt, der stellt diese Region in ein anderes Licht als jemand, der von „Judäa und Samaria" spricht. Wer „Siedler" sagt, meint oft schon den Angeklagten.

Tuvia Tenenbom beginnt sein Buch bei den Namen. Das Gebiet sei historisch betrachtet das „biblische Israel“, schreibt er. Fast alle Geschichten des Alten Testaments spielten sich dort ab: „Anders gesagt, dieses Westjordanland/Judäa und Samaria ist das biblische Israel.“

Die Reise durch das biblische Israel wird zu einem Wechselbad der Gefühle. Als Tenenbom in der Siedlung Elon Moreh ein Zimmer mieten will, zieren sich die Verantwortlichen. Bei einer eigens einberufenen Sitzung nehmen ihn die Siedler ins Kreuzverhör: Über sie werde fast ausnahmslos negativ berichtet, immer würden sie als „gnadenlose Kolonialisten“ gezeichnet, sagen sie ihm – von Journalisten, die ohnehin nur ein paar Stunden blieben. Warum sollten sie ausgerechnet ihn hereinlassen? Tenenbom überzeugt sie. Schon am nächsten Tag darf er einziehen, zuvor bewirtet ihn der Leiter der Regionalverwaltung, Jossi Dagan, sogar mit einer warmen Mahlzeit. Dieses Muster – anfängliches Misstrauen, das rasch in Offenheit umschlägt – wiederholt sich während seiner acht Monate immer wieder.

In Summe stößt Tenenbom bei den Siedlern auf sehr viel Gastfreundschaft, wird zu Mahlzeiten eingeladen, in Häuser und auf Weingüter gebeten, ausführlich befragt und ebenso ausführlich zu Wort kommen gelassen. Selbst der weit rechts stehende Minister Itamar Ben-Gvir empfängt ihn nach Mitternacht privat in seiner Wohnung und lässt ihn mit marokkanischer Suppe, Kubbeh und selbstgebackenem Kuchen verwöhnen.

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