Buchempfehlung: „Worüber Juden reden“ – Die Nicht-Normalität jüdischen Lebens in Deutschland

Jüdisches Leben in Deutschland wird von Politik und Medien gerne als sichtbar und selbstverständlich gefeiert – die Wirklichkeit der Betroffenen ist jedoch oftmals eine andere. Im Buch „Worüber Juden reden“ berichten Juden unterschiedlichster Herkunft, religiöser Prägung und Lebensweise über Identität, Zugehörigkeit, innere Konflikte und die immer drängendere Frage, ob ihre Zukunft noch in Deutschland liegen kann. Wie ein bedrückender roter Faden zieht sich der wachsende Antisemitismus durch nahezu alle Gespräche und entlarvt die vielbeschworene Normalität als wohlfeile politische Fassade. Das Buch „Worüber Juden reden“ zeichnet ein vielstimmiges und eindrückliches Bild jüdischer Existenz in einem Land, in dem sich Juden selbst in israelischen Schutzbunkern bisweilen sicherer fühlen als auf deutschen Straßen. (JR)

Von L. Joseph Heid

Mit ihren zwischen 125.000 und 200.000 in Deutschland lebenden Juden, von denen etwa 90.000 in den Gemeinden gemeldet sind, beherbergt die Bundesrepublik nach Frankreich und Großbritannien die drittgrößte jüdische Gemeinde und ist vielleicht die am stärksten wachsende in Europa.

Die Journalistin Mascha Malburg und der Redakteur Joshua Schultheis haben 40 Personen in Gesprächsrunden zu jeweils vier Personen eingeladen, um über ihre Befindlichkeiten als Jüdinnen und Juden in Deutschland zu reden. Das Ergebnis dieses Projekts waren Gespräche sprichwörtlich über G‘‘tt - und viel Welt. Die beiden Herausgeber lassen ihre Protagonisten ebenso ungezwungen wie ernst über Fragen diskutieren, die sie als jüdische Menschen berühren. Ja, es ist richtig, Jüdinnen und Juden, zumal Diasporajuden, haben andere Gesprächsthemen als nichtjüdische Menschen. Und das unterscheidet sie von der Umgebungsgesellschaft. Ihr Reden ist auch immer mitbestimmt von dem Wissen, dass die deutsche Mehrheit um sie herum, sie mit einer gewissen Befangenheit wahrnimmt. Das kann vor dem Hintergrund der deutsch-jüdischen Geschichte auch nicht weiter verwundern.

Allgemein lässt sich festhalten: Die von gegenseitigem Respekt und dem Willen, einander zuzuhören, geprägten Themen der Gesprächsteilnehmer kreisen um Fragen wie: jüdische Identität; patrilineare Juden; Israelis in Deutschland; verschwiegene Familiengeschichten; jüdisches Leben in Deutschland; Alija-Fragen: Bleiben oder Gehen; Kontingentflüchtlinge; homosexuelle Liebe; innerjüdischer Rassismus u.v.m.

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