Nachttaxi: Eine israelisch-persische Begegnung

© KI-generiert
Eine nächtliche Taxifahrt durch Berlin wird zur unerwarteten Begegnung zweier Welten – und zu einem Gespräch über Herkunft, Verlust und Hoffnung. Zwischen persönlicher Trauer und politischer Realität entfaltet sich ein Dialog mit einer iranischen Exilantin und einem Israeli, der weit über das Alltägliche hinausweist. Es geht um das Scheitern eines radikal-islamischen Regimes, den verzweifelten Mut einer jungen iranischen Generation und die Vorstellung einer Zukunft, in der islamisch-ideologische Feindschaften überwunden sein könnten. Inmitten von winterlicher Kälte und Erschöpfung entsteht so ein Moment, der die Perspektive auf den Nahen Osten in ein neues Licht rückt. (JR)
Anfang Februar, wenige Wochen, bevor der neue Krieg ausbrach, hatte ich eine unvergessliche Begegnung. Gegen Mitternacht, in Berlin. Ich kam von Hamburg, mit dem letzten Intercity Express dieses Tages, und ging am Berliner Hauptbahnhof zum Taxistand, um in die Wohnung meiner Freunde zu fahren, bei denen ich übernachten sollte. Ich war in trauriger privater Mission in Berlin, Todesfall, Auflösung und Verkauf meines Elternhauses, und hatte, auch um mich ein wenig zu zerstreuen, eine spontane Einladung nach Hamburg angenommen, wo ich aus einem meiner Bücher las und anschließend mit dem Publikum über Israel diskutierte.
Ich stieg Berlin Hauptbahnhof ins nächste freie Taxi und nahm die Kapuze ab, die ich in dieser eiskalten Nacht über den Kopf gezogen hatte. Vorn saß eine ältere Frau, etwa sechzig Jahre alt, mit dunklem Teint und grauem, lockigen Haar. Sie drehte sich halb zu mir um und sagte etwas Verblüffendes: „Guten Abend. Ich mache Ihnen die Heizung im Sitz an. Sie sehen aus, als ob sie nicht an solche Kälte gewöhnt sind.“
„Danke“, sagte ich. „ich friere schrecklich. Ich war seit zwanzig Jahren nicht mehr um diese Jahreszeit in Deutschland. Diesmal hatte ich keine Wahl.“
Sie lachte leise. „Wer reist schon freiwillig im Januar nach Berlin? Sie sehen aus, als ob Sie aus unserer Gegend kommen.“
Ihr Deutsch war fehlerlos, doch sie sprach mit hörbarem Akzent. Meine Neugier erwachte.
„Was meinen Sie mit ‚unsere Gegend?“, fragte ich. Und dann, geradezu: „Aus welchem Land kommen Sie?“
„Iran. Persien. Und Sie?“
„Israel.“
„Willkommen in Berlin. Wir lieben Israel. Aber Ihr Deutsch klingt wie Muttersprache.“
„Ich bin hier geboren. Hier in Berlin. Und Sie?“
„Teheran. Aber ich lebe hier seit 1980. Meine Eltern mussten fliehen, als ich vierzehn war.“
Sie können diesen Artikel vollständig in der gedruckten oder elektronischen Ausgabe der Zeitung «Jüdische Rundschau» lesen.
Vollversion des Artikels
Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Hier können Sie
die Zeitung abonnieren,
die aktuelle Ausgabe oder frühere Ausgaben kaufen
oder eine Probeausgabe der Zeitung bestellen,

in gedruckter oder elektronischer Form.
Sehr geehrte Leser!
Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:
alte Website der Zeitung.
Und hier können Sie:
unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen
in der Druck- oder Onlineform

Werbung














