65 Jahre bemannter Raumflug: Wie jüdische Weltraumpioniere inder UdSSR ausgegrenzt wurden

Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltraum (links) mit Boris Wolynow (rechts)© worldrusnews.ru
65 Jahre nach dem ersten bemannten Raumflug wird die sowjetische Raumfahrt noch immer als triumphale Erfolgsgeschichte erzählt, doch hinter der glatten Fassade verbirgt sich ein System aus ideologischer Kontrolle, politischer Selektion und offenem Antisemitismus. Während die UdSSR den Kosmos als Bühne ihres Machtanspruchs inszenierte, wurden selbst herausragende Kandidaten wie Boris Wolynow allein aufgrund ihrer jüdischen Herkunft systematisch ausgebremst. Der Fall zeigt exemplarisch, wie tief der staatlich verankerte Juden-Hass selbst in Prestigeprojekten wirkte, die eigentlich dem Fortschritt der Menschheit dienen sollten. Zugleich offenbart sich eine bittere Ironie: Ohne die Leistungen zahlreicher jüdischer Wissenschaftler und Ingenieure wäre der sowjetische Griff nach den Sternen kaum möglich gewesen. Die Geschichte der Raumfahrt ist damit auch eine Geschichte der Verdrängung und der verschwiegenen Beiträge jener, die im Schatten bleiben sollten. (JR)
In der ersten sowjetischen Raumfahrtgruppe war der Kosmonaut Boris Valentinowitsch Wolynow. Es ist erstaunlich, dass man ihn überhaupt „zu den Kosmonauten“ aufgenommen hat. Ja, Militärpilot, Oberleutnant, 24 Jahre alt, sehr gute Referenzen. Aber auch ein sehr schwerwiegender Nachteil: er war mütterlicherseits Jude. Zwar hat Boris einen russischen Nachnamen, und sein Vorname und Vatersname geben keinen Anlass zu Beanstandungen. Kein Hinweis auf jüdische Herkunft. Väterlicherseits ist er Russe, laut Pass Russe. Das milderte natürlich die „politischen Konsequenzen“. Mit einem jüdischen Nachnamen hätte man ihn sicher nicht aufgenommen.
Die Auswahl für die Truppe war sehr streng. Von den ursprünglich mehr als 3500 Kandidaten blieben nach medizinischen und psychologischen Kriterien sowie nach schweren Prüfungen in der Druckkammer nur 20 Personen übrig. Doch unter verschiedenen Vorwänden oder gar ohne solche wurde Wolynow jahrelang nicht zu den Flügen zugelassen, trotz seiner hervorragenden Vorbereitung. Und das ist natürlich nicht verwunderlich.
Nun, beim weltweit ersten Raumflug gibt es überhaupt keine Fragen. Eher würde es im Juli in Moskau schneien und im Januar sommerliche Hitze herrschen, als dass der erste sowjetische Kosmonaut Jude wäre. Aber man ließ ihn auch danach nicht fliegen.
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