Raphael Israeli über die Anatomie des islamischen Judenhasses

Buchcover „Blood Libel” von Raphael Israeli

Raphael Israeli gehört zu den profiliertesten israelischen Historikern und Islamwissenschaftlern. In seinem Buch „The Blood Libel and its Derivatives” analysiert er die tiefen Wurzeln des islamischen Judenhasses — von der koranischen Überlieferung über die mittelalterliche Ritualmordlegende bis hin zur modernen Hamas-Ideologie. Im Gespräch mit Stefan Beig macht Israeli deutlich: Die Hamas ist keine politische Bewegung, die auf Umstände reagiert — sie ist der organisierte Ausdruck einer Vernichtungsideologie, die im Islam tief verwurzelt ist und die sich durch keine Verhandlung, kein Zugeständnis und keine Roadmap beschwichtigen lässt. (JR)

Von Stefan Beig

Vor anderthalb Jahrzehnten hat der Jerusalemer Historiker Raphael Israeli ein Buch über die Ritualmordlegende geschrieben. Er zeigte darin, wie die Lüge in neue Worte gekleidet fortbesteht. Die Verleumdungen ändern sich, ihr Muster aber und ihre Funktion bleiben dieselben. Heute, nach dem 7. Oktober 2023, lesen sich seine Diagnosen wie eine Vorwegnahme des Gegenwärtigen.

Am 21. Mai 2026 veröffentlichte die israelische Botschaft in Washington eine 83-seitige Studie mit dem Titel „Die Herstellung einer modernen Blutbeschuldigung: Völkermord, Aushungern und die Sprache der Entmenschlichung“ (im englischen Original: Manufacturing a Modern Blood Libel). Ihre zentrale Schlussfolgerung: Die immer radikaleren Vorwürfe gegen Israel – bis hin zur ethnischen Säuberung – sind eine moderne Inkarnation der antisemitischen Ritualmordlegenden vergangener Jahrhunderte.

Das Datum war kein Zufall. Genau auf den Tag ein Jahr zuvor, am 21. Mai 2025, waren in Washington Yaron Lischinsky und Sarah Milgrim, zwei Mitarbeiter der israelischen Botschaft, vor dem Capital Jewish Museum erschossen worden. Der Täter rief „Free, free Palestine“. Israels Außenminister Gideon Sa'ar nannte schon damals die internationale Hetze, die solchen Taten den Weg bereite, eine „moderne Blutbeschuldigung“. Nun, ein Jahr später, hat die Botschaft die Anatomie dieser Lüge in eine Studie gegossen. Wenige Tage darauf setzte die UN Israel auf ihre „Schwarze Liste“ sexueller Kriegsgewalt – neben der Hamas, die auf derselben Liste für die Gräueltaten des 7. Oktober steht. Israel brach angesichts dieser Gleichsetzung alle Kontakte zu UN-Generalsekretär Guterres ab.

Was die Botschaft auf 83 Seiten in akribischer Materialdichte ausbreitet – die Mechanik, mit der verleumderische Vorwürfe gegen Israel in Umlauf gebracht werden –, hatte ein Historiker in Jerusalem schon vor anderthalb Jahrzehnten als systematische politische Operation beschrieben. In seinem 2012 erschienenen Buch Blood Libel and Its Derivatives („Die Blutbeschuldigung und ihre Derivate: Die Geißel des Antisemitismus“) nannte Raphael Israeli solche Anschuldigungen – „Apartheid, Brunnenvergiftung, den gezielten Tod palästinensischer Kinder, den Einsatz von Massenvernichtungswaffen, um ‚Völkermord‘ zu begehen“ – Derivate der mittelalterlichen Lüge, übernommen „von der arabisch-muslimischen Kriegsmaschinerie in ihrem Kampf gegen Israel“.

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