Briefwechsel zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud: Warum Krieg?

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Als Europa im Sommer 1914 im Kriegsrausch versank und viele Völker sich bereitwillig dem nationalistischen Taumel hingaben, gehörte Albert Einstein zu den wenigen großen und besonnenen Stimmen, die dem Militarismus mit Abscheu, Spott und moralischer Klarheit entgegentraten. Fast zwei Jahrzehnte später suchte er im Briefwechsel mit Sigmund Freud nach einer Antwort auf die drängende Frage „Warum Krieg?“ – und damit nach einer Erklärung für jene dunkle Gewaltbereitschaft, die den Menschen immer wieder in Hass, Mord und Vernichtung treibt. Während Einstein als leidenschaftlicher Pazifist auf Vernunft, überstaatliches Recht und eine internationale Friedensordnung hoffte, blickte Freud mit der Nüchternheit des Psychoanalytikers auf den unbezähmbaren Aggressionstrieb des Menschen. Aus jüdischer Erfahrung, humanistischer Bildung und bitterer historischer Hellsicht entstand so ein Gespräch zweier Jahrhundertgeister, das schon 1933 von den Nationalsozialisten als „undeutsch“ verbrannt wurde. (JR)
Im Sommer 1914 waren die Völker Europas von einem allgemeinen Kriegsfieber infiziert, das sich im Juli/August 1914 Bahn brach. Dabei gab es 1914 auch Haltungen, selten zwar, die gar nicht kriegsbegeisternd waren. Eine – gewichtige jüdische – Stimme, pars pro toto, war vernehmbar, die dem um sich greifenden Chauvinismus jener Tage eine unmissverständliche Absage erteilte: „In solcher Zeit sieht man, welch trauriger Viehgattung man angehört […] und empfinde nur eine Mischung aus Mitleid und Abscheu“, schrieb Albert Einstein im August 1914 seinem Kollegen Paul Ehrenfest. Im Übrigen bevorzugte Einstein den Witz, um alle Formen von Militarismus lächerlich zu machen. Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren könne, machte er sich einmal lustig, dann habe er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.
Im kollektiven Bewusstsein der Juden verankert ist der Satz: „Gedenke, dass du ein Knecht warst im Lande Ägypten!“ Hier drückt sich ein kategorisches Pflichtgebot der jüdischen Religion aus. Von daher mag die Vernunfterwägung rühren, gegen jedwede Form von Krieg zu sein. Für das jüdische Volk ist Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg. Sich für Frieden einzusetzen, ist konstitutiv für das Judentum und im kollektiven Bewusstsein jüdischer Menschen verankert. Nicht selten findet sich das Wort „Frieden“ – Schalom/Scholem -bereits in jüdischen Vor- und Familiennamen.
Im Dekalog sind zentrale ethische und religiöse Regeln des Judentums und Christentums, die Moshe auf dem Berg Sinai von G‘‘tt erhielt, manifestiert. Während es nach der lutherischen und römisch-katholischen Tradition im 5. Gebot in 2. Buch Mose 20,13 heißt: „Du sollst nicht töten!“, besteht in der hebräischen Bibel das 6. Gebot aus zwei Wörtern: „lo tirzach“ - „Morde nicht!“ Prägnant, unmissverständlich, eindringlich. Eine kompromisslose Forderung, ein direkter Aufruf, ein eindeutiges Verbot. Es ist eines der 613 Mizwot (Gebote/Verbote) in der Tora. In der jüdischen Tradition jedenfalls meint Mord das ungerechtfertigte, unmoralische, ungesetzliche, also unrechtmäßige Auslöschen menschlichen Lebens. Mord ist damit das ultimative Verbrechen, welches gegenüber einem Mitmenschen begangen werden kann, und wird deshalb an mehreren Stellen im Schrifttum aufs Schärfste verurteilt.
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