Wege zurück ins jüdische Görlitz

Die in Deutschland lebende Amerikanerin Lauren Leiderman bringt jüdische Ex-Görlitzer aus aller Welt per Facebook zusammen. Selbst Anne Frank hatte eine besondere Verbindung zu der Stadt an der Neiße.

Lauren Leiderman zeigt vor dem Familiengrab der Kaufhausunternehmerfamilie Totschek aus der Steinstraße ein historisches Foto und Überlebende der Familie in ihrer Internetgruppe.© www.youtube.com

Von Till Scholtz-Knobloch

Die US-Amerikanerin und ausgebildete Opernsängerin Lauren Leiderman lebt seit einem Jahr mit ihrem jüdischen Ehemann in Görlitz und ist mittlerweile tief in die Geschichte der Juden in der Stadt eingetaucht. Sie hat im Internet Überlebende des Holocausts zusammengebracht und stieß bei ihren Recherchen nun sogar auf eine Verbindung einer Görlitzer Familie zu Anne Frank, deren Tagebuch zum literarischen Symbol der Judenverfolgung schlechthin wurde.

Lauren Leiderman führt in englischer Sprache Touristen und kennt die Geschichte der Stadt immer besser. „Meine Passion ist Geschichte, das habe ich auch von meiner Mutter, die Geschichtslehrerin war“, sagt sie in erstaunlich gutem Deutsch nach gerade einem Jahr des Lernens. Der jüdische Familienhintergrund ihres Ehemannes, der als Chirurg am Klinikum arbeitet, hat sie speziell zur Geschichte der Juden in der Stadt geführt. „Die Großeltern von meinem Mann waren Holocaustüberlebende. So, dieses Interesse beginnt mit unserer Story“, sagt sie mit ausgeprägter amerikanischer Sprachmelodie.

„Ich habe hier so viel zur jüdischen Geschichte gefunden und ich finde mehr und mehr. Es ist unglaublich und ich fragte mich, wo sind diese Menschen geblieben?“, fasst sie die Faszination der Fragestellung zusammen. Damit kam der Stein ins Rollen. Durch ihren privaten, englischsprachigen Blog baute sie Querverbindungen und brachte auf einmal Nachkommen von jüdischen Görlitzern in aller Welt zusammen, die so wieder auf die Spuren ihrer Vorfahren aufmerksam wurden. „Nicht alle wollten an die Vergangenheit erinnert werden“, stellt die junge Frau fest und erinnert sich an eine Dame, eine Urenkelin von Ludwig Korn, die ihr sagte: „Ich will keinen Kontakt mehr mit Görlitz herstellen. Ich habe Respekt für das, was sie machen, aber ich will bestimmt nicht mehr nach Görlitz kommen“. Lauren Leiderman sandte ihr ein Foto, auf dem ihr 19 Monate alter Sohn auf dem Jüdischen Friedhof zu sehen ist. „Als sie meinen Sohn auf dem Bild sah, wurde alles anders.

Ein Kind auf dem Jüdischen Friedhof war für die Dame ein Symbol des Fortbestehens und neuen Lebens von Juden in Görlitz. Ich denke, mit der Urenkelgeneration ist es dennoch einfacher, in der Erlebnisgeneration ist das noch viel schwieriger“, meint Lauren Leiderman.

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