„Wir spielen gegen den Völkermord“: Wenn der Fußball zum Tribunal gegen Israel wird

© Carolus Ludovicus/WIKIPEDIA

„Wir spielen gegen den Völkermord“ – mit diesem Satz machte Irlands Nationaltrainer, der isländische Zahnarzt Heimir Hallgrímsson, den Fußball zum Tribunal über den jüdischen Staat. Seine Mannschaft verweigerte Israel Handschlag und Wimpel und senkte bei der israelischen Nationalhymne die Köpfe; 1939 hatten Irlands Fußballer in Bremen noch den Arm zum Hitlergruß gehoben. Der Rasen ist nur Bühne der Dubliner Staatspolitik: Ein sogenannter „palästinensischer“ Staat wurde anerkannt, der Völkermord-Klage gegen Israel in Den Haag ist Irland eilfertig beigesprungen – das bestialische Massaker der Terror-Bande aus Gaza vom 7. Oktober 2023 spielt für Dublin allenfalls die vierte Geige, wenn überhaupt. Wie weit die Dämonisierung reicht, zeigt ein Dubliner Hotel: Es stornierte die Zimmer einer Antisemitismus-Konferenz, nachdem die Direktorin laut Veranstalter gefragt hatte, ob die israelische Armee teilnehme. 143 antisemitische Vorfälle in sieben Monaten, bei rund 2.200 Juden in Irland: Die Israelfeindschaft ist dort Regierungspolitik, der Israelhass Alltag – auf dem Rasen, an der Hotelrezeption und im ganzen Land. (JR)

Von Julian M. Plutz

„Wir spielen gegen den Völkermord.“ Mit diesem unfassbaren Satz hat der irische Nationaltrainer Heimir Hallgrímsson vor den Nations-League-Begegnungen gegen Israel den Fußballplatz verlassen, bevor der erste Ball überhaupt rollte. Seine Mannschaft sollte gegen Israel antreten, erklärte er, aber eben nicht mit Israel. Was wie eine rhetorische Unterscheidung klingt, ist tatsächlich eine politische Anklage von äußerster Schärfe. Der Gegner auf dem Rasen wird zum Repräsentanten eines der schwersten Verbrechen, das das Völkerrecht kennt. Aus einem Fußballspiel wird eine moralische Gerichtsverhandlung, in der das Urteil bereits festzustehen scheint. Kafka lässt grüßen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der israelische Fußballverband warf Hallgrímsson völlig zu Recht „Dummheit, Ignoranz und Heuchelei“ vor. Doch die eigentliche Frage geht tiefer: Was geschieht mit dem Sport, wenn die Begegnung mit israelischen Spielern bereits als moralisch anrüchig gilt? Und was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn der sportliche Gegner vor allem als Verkörperung eines politischen Feindbildes erscheint?

Die Spiele selbst lieferten reichlich Stoff für die Auseinandersetzung. Irland gewann die erste Begegnung in Debrecen mit 3:0. Das Rückspiel im serbischen Bačka Topola endete 1:1 und fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. So weit ist es also schon gekommen. Aus Sicherheitsgründen waren beide Partien auf neutralen Boden verlegt worden. Die irischen Spieler senkten während der israelischen Nationalhymne demonstrativ ihre Köpfe. Nach den Begegnungen blieben die üblichen Handschläge zwischen Spielern beziehungsweise Kapitänen aus. Beim Rückspiel kam es zudem im Kabinengang zu einem Zwischenfall: Ein Mitglied des irischen Betreuerstabs erhob den Vorwurf, von einem israelischen Spieler angespuckt worden zu sein. Die UEFA leitete eine Untersuchung ein. Solange deren Ergebnis aussteht, bleibt der Vorwurf ein Vorwurf.

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