Leonard Cohen – Dichter, Suchender und jüdische Stimme der Popmusik

Leonard Cohen war Dichter, Sänger und Jude.
© WIKIPEDIA/ Takahiro Kyono

Am 7. November jährt sich der Tod des großen jüdisch-kanadischen Sängers, Dichters und Schriftstellers Leonard Cohen zum zehnten Mal. Mit seiner unverwechselbar tiefen Stimme und Welterfolgen wie „Suzanne“, „Hallelujah“, “ You Want It Darker”, und „Dance Me to the End of Love“ hat er Musikgeschichte geschrieben – und mit „First We Take Manhattan, Then We Take Berlin“ die Zeile, die sich diese Ausgabe für Berlins Linke geliehen hat; Cohen selbst nannte das Lied ein Terroristen-Lied. Weniger bekannt ist, wie tief sein künstlerisches Schaffen in der jüdischen Religion, der Tora und der jahrtausendealten Tradition seines Volkes verwurzelt war: „Who by Fire“ ist das Unetaneh Tokef der Jom-Kippur-Liturgie, und „Dance Me to the End of Love“ ist kein Liebeslied – Cohen schrieb es aus dem Bild der Häftlingsorchester, die neben den Krematorien aufspielen mussten; das wissen die wenigsten, die dazu auf Hochzeiten tanzen. Als 1973 der Jom-Kippur-Krieg ausbrach, ließ Cohen Hydra und Familie stehen und flog in den Krieg – „um meinen Brüdern zu helfen“, wie er in einer später gestrichenen Strophe sang –, um den jüdischen Soldaten im Sinai auf Munitionskisten Mut und Zuversicht zuzusingen, Matti Caspi an der Gitarre, General Scharon daneben; „Lover Lover Lover“ entstand dort. Israel war für ihn nie bloß ein Tourneeziel, sondern eine Herzenssache: 2009 wollte ihn die Boykott-Bewegung zum Absagen seines Konzerts in Ramat Gan zwingen; er kam, 50.000 Karten waren an einem Tag verkauft, und am Ende hob der Kohen Leonard Cohen die Hände und sprach auf Hebräisch den Priestersegen über das Stadion. Die 4.000 Hollywood-Unterzeichner, die heute den jüdischen Staat boykottieren, haben nicht einmal den Mut zu einem Konzert, geschweige denn zu einem Segen. Trotz seiner lebenslangen spirituellen Suche und seiner Hinwendung zum Zen-Buddhismus blieb er seiner jüdischen Identität bis zuletzt eng verbunden – er wolle keine neue Religion, sagte er, mit der alten sei er ganz zufrieden: Mönch war er fünf Jahre, Kohen sein Leben lang. Sein letztes Album „You Want It Darker“, zweieinhalb Wochen vor seinem Tod erschienen, nahm er mit Kantor und Chor seiner Montrealer Synagoge Schaar Haschomajim auf; „Hineni – hier bin ich“, Abrahams Antwort an G’tt, war Cohens Kaddisch auf sich selbst. Sein musikalisches Vermächtnis ist weit mehr als große Unterhaltung: Es ist das Lebenswerk eines außergewöhnlichen jüdischen Künstlers, der Liebe, Leid, Glauben und die menschliche Vergänglichkeit in unsterbliche Poesie verwandelte – und den Herausgeber dieser Zeitung seit seiner Jugend begleitet und nie enttäuscht hat. (JR)

Von Redaktion Jüdische Rundschau

Am 7. November 2026 jährt sich Leonard Cohens Tod zum zehnten Mal. Der kanadische Sänger, Schriftsteller und Poet gehört längst zu jenen Künstlern, deren Werk sich einer einfachen Einordnung entzieht. Cohen war nie nur Musiker. Er schrieb Romane und Gedichte, zeichnete und malte, führte über Jahrzehnte Notizbücher und verwandelte religiöse Überlieferungen, Liebe, Schuld, Begehren und Todesbewusstsein in eine unverwechselbare Form moderner Poesie.

Als sein Tod im November 2016 bekannt wurde, setzte seine Heimatstadt Montreal die Flaggen zu seinen Ehren auf halbmast. Die Geste passte zu einem Mann, der weit über Kanada hinaus zu einer kulturellen Institution geworden war.

Im Zentrum seines Lebens stand jedoch stets das geschriebene Wort. Sein Sohn Adam Cohen hat seinen Vater als jemanden beschrieben, der trotz aller künstlerischen Umwege im Kern immer Schriftsteller geblieben sei. Davon zeugt auch der nach seinem Tod veröffentlichte Band „Die Flamme“, der Gedichte, Texte, Notizen und Zeichnungen aus Cohens Nachlass versammelt. Schon als Jugendlicher hatte Cohen begonnen, Gedanken und Entwürfe festzuhalten; noch in seinen letzten Lebensjahren schrieb er nahezu unablässig.

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