Es war einmal … – Die Brüder Grimm und der Judenhass ihrer Zeit

Weggefährten der Brüder Grimm, Teil der Ausstellung der GRIMMWELT Kassel.
© BIRGIT GÄRTNER

Jacob und Wilhelm Grimm gelten als Begründer der Germanistik und schufen mit ihren Märchensammlungen ein bis heute prägendes deutsches Kulturerbe. Wie fast alle Gebildeten ihrer Epoche — von Kant über Schiller bis Mörike — teilten sie dabei jene zeitüblichen Vorbehalte gegen das Judentum als vermeintlich fremdes Element der deutschen Identität; Vorkämpfer der Judenfreundschaft waren sie gewiss nicht. Mit den eigentlichen Wegbereitern des deutschen Judenhasses aber haben sie nichts gemein: Nicht sie forderten wie Luther den Brand der Synagogen, nicht sie schrieben wie Wagner den Juden aus der deutschen Kultur heraus, nicht von ihnen stammt Treitschkes Parole von den Juden als „unserem Unglück". Jacob Grimm stimmte in der Frankfurter Nationalversammlung im Gegenteil für die Gleichberechtigung der Juden, und beide Brüder pflegten freundschaftliche Beziehungen zu jüdischen Zeitgenossen. Doch mit Märchen wie „Der Jude im Dorn" und „Der gute Handel" trugen sie jahrhundertealte Hassbilder aus der Volksüberlieferung in die Kinderstuben — ein Erbe, das die Nationalsozialisten später dankbar zur Indoktrination von Kindern missbrauchten. Wilhelm Grimms Wiesbadener Kurtagebuch führt zugleich in die Geschichte des Bäderantisemitismus — jener gesellschaftlichen Ausgrenzung, die am Ende in Entrechtung, Enteignung und Mord mündete. Die GRIMMWELT Kassel widmet sich diesem Kapitel inzwischen mit Ausstellungen und Fachtagungen — ein Umgang mit der eigenen Kulturgeschichte, der weder verklärt noch zerreißt. (JR)

Von Birgit Gärtner

Über Märchen ist viel diskutiert und geschrieben worden: Zu romantisch, zu altbacken, zu grausam, oder zu polarisierend, all diese Argumente wurden und werden gegen Märchen vorgebracht. Trotzdem sind sie aus keinem Kinderzimmer wegzudenken. Insbesondere die Grimmschen Märchen sind weit verbreitet. Wir alle sind damit aufgewachsen, haben sie unseren Kindern vorgelesen, Märchenparks und Theatervorstellungen besucht, sind vielleicht die „Deutsche Märchenstraße“ entlang geradelt und freuen uns über Märchendarstellungen auf Weihnachtsmärkten.

Die „Deutsche Märchenstraße“ wurde 1975 eingeweiht; sie führt von Hanau, dem Geburtsort der Brüder Grimm, über 600 km bis nach Bremen. Wer sich auf die Märchenromantik einlässt, begegnet unterwegs Frau Holle, Dornröschen, dem Rattenfänger von Hameln, dem Brüderchen und dem Schwesterchen, Rotkäppchen, Schneewittchen, König Drosselbart, dem Wolf und den sieben Geißlein, Goldmarie und Pechmarie, Rapunzel, Baron Münchhausen, dem Hasen und dem Igel und den Bremer Stadtmusikanten. Die kamen zwar der Sage nach nie in Bremen an, ihre Skulptur ziert dennoch den Platz vor dem Rathaus. Seit 2017 ersetzen sie in der City der Wesermetropole die Ampelmännchen. Wer sich noch etwas weiter in den Norden begibt, wird in Buxtehude vom Hasen und Igel begrüßt.

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