Jordanien – der eigentliche „palästinensische“ Staat
Wer über einen Staat für die Palästina-Araber spricht, sollte auch über Jordanien sprechen. Das gesamte Mandatsgebiet — Judäa, Samaria, Galiläa und das Ostjordanland — war historisch jüdisches Land, nie arabisches; jahrhundertelang hatten es lediglich die Osmanen besetzt gehalten. Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs bestimmten es 1920 auf der Konferenz von San Remo ausdrücklich als Territorium für die jüdische Heimstätte, und der Völkerbund bestätigte das 1922 völkerrechtlich verbindlich. Das Königreich ging aus Transjordanien hervor, dem östlichen Teil dieses Gebiets — rund achtzig Prozent des gesamten den Juden zugesagten Landes. London trennte es im selben Jahr 1922 widerrechtlich und gegen alle eigenen Zusagen ab, gegen die Balfour-Erklärung wie gegen den Mandatsauftrag, überließ es den Haschemiten und verbot Juden dort jede Ansiedlung. Dort entstand unter haschemitischer Herrschaft ein arabischer Staat; später erhielten Hunderttausende Palästina-Araber die jordanische Staatsbürgerschaft. Chaim Noll zeichnet nach, wie Großbritannien nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches die Landkarte der Region neu ordnete. Um vier Fünftel ihres historischen und ihnen erneut zugesagten Landes haben die Briten die Juden auf diese Weise gebracht — ein Raub, der sich nie wieder gutmachen lässt. Doch damit nicht genug: Heute streitet man ihnen auch noch das letzte Fünftel ab, indem man dem gesamten Staat Israel das Existenzrecht bestreitet, und Neukölln tanzt dazu, zusammen mit unseren Grünen, Linken und Woken. Der Grund für diesen Raub hat einen Namen: den britischen Antisemitismus, in Verwaltung, Regierung und Krone gleichermaßen zu Hause, der Teile des Hochadels bis hin zu einem abgedankten König in Hitlers Nähe trieb. Wie lange er nachwirkte, lässt sich an einer einzigen Zahl ablesen: Elisabeth II. saß siebzig Jahre auf dem Thron, bereiste nahezu jedes Land dieser Erde, manche ein halbes Dutzend Mal, ließ sich rote Teppiche in Diktaturen ausrollen — nach Israel kam sie in sieben Jahrzehnten kein einziges Mal. Nicht für einen Nachmittag. Dass Jordanien 1970 im Schwarzen September Tausende Palästinenser umbrachte und die PLO außer Landes jagte, hat in London wie im übrigen Europa nie jemanden bewegt; dass es vielen von ihnen später die Staatsbürgerschaft wieder entzog, ebenso wenig. Wer Israel eine künstliche Staatsgründung nennt, müsste konsequenterweise auch Jordanien, Syrien, den Libanon und den Irak so nennen — sie alle sind an demselben Tisch entstanden. Nur einen einzigen dieser Staaten hat man um den größten Teil seines Gebiets gebracht, und nur bei ihm stellt man heute die Frage nach dem kleinen Rest. In den anderen leben die Herrscher in Saus und Braus und haben missglückte Diktaturen hinterlassen. Aus dem kleinsten Stück wurde eine Demokratie — und ausgerechnet sie wird angegriffen, von den Islamisten ohnehin, aber eben nicht nur von ihnen, sondern auch vom Westen und dort vor allem von seinen grünen, linken und woken Antisemiten. (JR)
Das letzte der islamischen Großreiche, das türkisch-osmanische Reich, begann im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert rapide zu zerfallen. Zugleich gelang es den Engländern, sich in Ägypten festzusetzen, vor allem seit 1859 durch den Bau des Suez-Kanals und die dadurch entstehende finanzielle Abhängigkeit der herrschenden Dynastie Muhamad Ali Paschas und seiner Nachfahren. Noch gehörten Ägypten und das Herrscherhaus der Pascha nominell zum Osmanischen Reich, doch dessen zunehmende Schwäche begünstigte ägyptische Bestrebungen der Emanzipation von der unbeliebten türkischen Kolonialmacht und eigene Eroberungen, etwa in Darfur und Abessinien.
Doch durch solche Unternehmungen vertiefte sich die finanzielle Abhängigkeit der ägyptischen Khediven oder Vizekönige von europäischen Mächten. 1875 war Ägypten de facto bankrott und musste den Suez-Kanal an die Briten verkaufen. Sieben Jahre später, nach einem erfolglosen nationalistischen Aufbegehren gegen die zunehmende Bevormundung durch Londoner Beamte, wurden zur Sicherheit größere britische Truppenkontingente in Ägypten stationiert. Großbritannien kontrollierte das Land, ohne dessen formelle Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich zu beenden. Dennoch hatten die Briten 1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, so starke Kräfte in Ägypten massiert, dass sie von dort aus gegen die türkische Kolonialmacht in den Krieg ziehen konnten. Der britische Feldzug war dadurch legitimiert, dass die Türkei im Ersten Weltkrieg Deutschlands Verbündeter war und daher automatisch Kriegsgegner Großbritanniens.
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