David Ben-Gurion: „In Israel muss man an Wunder glauben, um Realist zu sein“

David Ben-Gurion © WIKIPEDIA

Vor 140 Jahren wurde David Ben-Gurion geboren, der wie kein anderer die Gründung und die ersten Jahrzehnte des Staates Israel prägte. Aus dem zionistisch gesinnten David Grün aus dem polnischen Płońsk wurde jener entschlossene Staatsmann, der am 14. Mai 1948 die israelische Unabhängigkeit ausrief und das jüdische Volk nach Jahrhunderten der Verfolgung und drei Jahre nach Auschwitz zurück in die staatliche Selbstbestimmung führte — einen Tag später marschierten fünf arabische Armeen ein, um den neuen Staat sogleich wieder auszulöschen. Ben-Gurion war Visionär und Pragmatiker zugleich, ein streitbarer Machtpolitiker und unerschütterlicher Zionist, der Israels Überleben durch militärische Stärke, Einwanderung, Bildung und den Aufbau eigener Institutionen sichern wollte. Aus 600.000 Juden sind über neun Millionen Israelis geworden, aus einem kargen Landstrich eine Wirtschafts- und Technologiemacht. Rund zwei Millionen dieser Israelis sind Araber — ganz im Gegensatz zu den islamischen Staaten mit ihren über anderthalb Milliarden Menschen die einzigen Araber der Welt, die frei und unterdrückungsfrei in einer Demokratie leben, die wählen und gewählt werden, die in der Knesset sitzen und als Richter am Obersten Gerichtshof Recht sprechen. Was zu Ben-Gurions Zeiten Wunderglaube hieß, ist heute schlicht Realität — und Israel wird stärker daraus hervorgehen, als es je war. (JR)

Von David Shimanowski

Der weithin bekannte, Ben-Gurion zugeschriebene Ausspruch des Staatsmannes und Gründervaters Israels, „In Israel muss man an Wunder glauben, um Realist zu sein“, spiegelt seinen nüchternen Pragmatismus, seine zionistische Überzeugung und seinen unerschütterlichen Glauben an die Zukunft wider. Mit seinem Namen sind die entscheidenden Etappen des Kampfes um die Wiedererrichtung jüdischer Selbstbestimmung im historischen Land Israel im 20. Jahrhundert untrennbar verbunden.

 

Im zionistischen Elternhaus

David Josef Grün wurde am 16. Oktober 1886 in Płońsk im damals zum Russischen Reich gehörenden Kongresspolen geboren. Er wuchs in einer angesehenen bürgerlichen jüdischen Familie auf. Sein Vater Avigdor war Rechtsberater, engagierte sich führend in der örtlichen Hovevei-Zion-Bewegung, den „Liebhabern Zions“, und machte sein Haus zu einem Treffpunkt der Zionisten. Davids Mutter Scheindel starb 1897 nach einer Totgeburt. Der Elfjährige litt schwer unter ihrem Tod.

In der Familie wurde großer Wert auf jüdische Bildung und die hebräische Sprache gelegt. Der junge David besuchte mehrere Chedarim; zwei dieser jüdischen Elementarschulen galten als modern, weil dort Hebräisch statt Jiddisch gesprochen wurde. Die zionistischen Debatten im Elternhaus prägten ihn früh. Später erinnerte er sich, er habe die „Träume von Zion“ aufgesogen, noch bevor er ihren Inhalt ganz verstehen konnte.

Mit 14 Jahren gründete er gemeinsam mit Freunden den Jugendverein „Ezra“. Dessen Mitglieder verpflichteten sich, Hebräisch zu sprechen, und unterrichteten unentgeltlich Kinder aus armen jüdischen Familien. Nach dem Pogrom von Kischinjow 1903 sammelte der Verein Spenden für die Opfer. 1905 schloss sich Grün der zionistisch-sozialistischen Partei Poale Zion, den „Arbeitern Zions“, an. Für ihn brauchte der Zionismus nicht nur Politiker und Theoretiker, sondern vor allem Landwirte, Arbeiter und Bauleute.

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