90 Jahre nach der Berliner Olympiade: Die Welt zu Gast beim NS-Regime

Einmarsch über die Treppe am Marathontor zur Eröffnungsfeier: von links Henri de Baillet-Latour (IOC-Präsident), Adolf Hitler, Theodor Lewald (Präsident des Organisationskomitees)© Bundesarchiv, Bild 183-G00372 / CC-BY-SA 3.0
Die Olympischen Spiele von 1936 waren ein gigantisches Propagandaspektakel, mit dem das NS-Regime der Welt ein friedliches und weltoffenes Deutschland vorgaukeln wollte. Das Auswärtige Amt stellte seine Diplomaten bereitwillig in den Dienst dieser Täuschung und bekämpfte im Ausland jede Initiative, die Spiele wegen der systematischen Ausgrenzung und Verfolgung der Juden zu boykottieren. Während jüdische Spitzensportler aus Vereinen und der Nationalmannschaft vertrieben wurden, beschwichtigten deutsche Botschafter die Weltöffentlichkeit mit Lügen und leeren Zusicherungen. Nach 1945 pflegten viele dieser Diplomaten dennoch erfolgreich die Legende, sie seien lediglich widerwillige Mitläufer des Regimes gewesen. (JR)
In diesem Jahr jährt sich die „Nazi-Olympiade“ zum 90. Mal. Zu den in diesem Zusammenhang selten angesprochenen Fragen gehört die Beteiligung des deutschen Auswärtigen Amtes an deren Vorbereitung sowie der Grad der Einbindung des diplomatischen Dienstes in die Verwirklichung der strategischen Ziele, die von der politischen Führung des Reichs vorgegeben wurden.
Diplomatie im Dienst des Regimes
Wie der russische Historiker Alexander Watlin feststellt, beeilten sich die meisten deutschen Diplomaten nach 1945, sich als „gezwungene Anhänger“ des Regimes zu bezeichnen, die versucht hätten, Hitler von unüberlegten Entscheidungen abzuhalten. Diese Selbstentlastungslegende des diplomatischen Korps wurde erst sechs Jahrzehnte später umfassend untersucht, nachdem der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer im Jahr 2005 die Einsetzung der Unabhängigen Historikerkommission – Auswärtiges Amt veranlasst hatte. Sie sollte die Rolle des Auswärtigen Amtes während der NS-Zeit und den Umgang mit dieser Vergangenheit nach 1945 untersuchen. Zu ihr gehörte auch der israelische Historiker Moshe Zimmermann von der Hebräischen Universität Jerusalem. Im Jahr 2010 wurde die fast 900 Seiten umfassende Studie „Das Amt und die Vergangenheit“ über die Ergebnisse der Arbeit dieser Kommission veröffentlicht.
Mehrere Seiten der Studie sind der Beteiligung des Auswärtigen Amtes an der Vorbereitung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin gewidmet, die wesentlich zur außenpolitischen Absicherung des nationalsozialistischen Propagandaspektakels beitrug. Konkret äußerte sich dies in der Schaffung eines günstigen außenpolitischen Klimas. Deutsche Diplomaten ergriffen verschiedene Maßnahmen, um einen Boykott der Olympischen Spiele durch amerikanische Athleten und Arbeitersportorganisationen zu verhindern.
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