1. September 1939: Als aus der Judenverfolgung ein Vernichtungskrieg wurde

Auf Befehl Adolf Hitlers wurde Polen am 1. September 1939 überfallen. © - / AFP FILES / AFP
Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann nicht nur der Zweite Weltkrieg, sondern auch eine neue, mörderische Stufe der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Rund 3,3 Millionen Juden lebten 1939 in Polen. Das Land beherbergte damit die größte jüdische Bevölkerung Europas. Etwa 90 Prozent dieser Menschen, überlebten den Holocaust nicht. Der Krieg schuf den nahezu rechtsfreien Raum, in dem aus Vertreibung und Enteignung zunächst Ghettoisierung, Deportation und Massenerschießungen und schließlich die industriell organisierte Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden werden konnten. /JR)
Am frühen Morgen des 1. September 1939 überschritten deutsche Truppen die polnische Grenze. Kampfflugzeuge bombardierten Ziele, Panzerverbände rückten vor, die Wehrmacht begann einen Krieg, für den die nationalsozialistische Propaganda zuvor die passende Lüge geliefert hatte: Polen sei der Aggressor, Deutschland müsse sich lediglich verteidigen. Zwei Tage später erklärten Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Am 17. September marschierte auch die Sowjetunion von Osten in Polen ein. Ende des Monats teilten Hitler und Stalin das überfallene Land entsprechend dem geheimen Zusatzprotokoll ihres Nichtangriffspakts untereinander auf.
Damit begann der Zweite Weltkrieg in Europa. Doch der 1. September ist nicht nur ein Datum der Militärgeschichte. Für die Geschichte der Shoah bildet er eine entscheidende Zäsur.
Bis dahin hatte das NS-Regime die deutschen Juden sechs Jahre lang systematisch entrechtet, ausgegrenzt und beraubt. Es hatte ihnen Berufe genommen, ihre Unternehmen „arisiert“, ihre staatsbürgerlichen Rechte beseitigt, Ehen zwischen Juden und Nichtjuden verboten und sie mit einer Flut von Verordnungen aus dem gesellschaftlichen Leben gedrängt. Im November 1938 waren Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte zerstört und bis zu 30.000 jüdische Männer verhaftet worden. Das Ziel der nationalsozialistischen Politik bestand während der 1930er-Jahre vor allem darin, Juden aus Deutschland zu vertreiben und sich dabei möglichst ihres Vermögens zu bemächtigen.
Der Krieg veränderte die Dimension dieser Politik grundlegend.
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