Der 13. August – Datum der roten Schande

Der 9. November 1989 hat seinen festen Platz im deutschen Gedächtnis – der 13. August ist daraus nahezu verschwunden. Dabei verdichtet sich an diesem Datum wie an kaum einem anderen die Schande des roten Totalitarismus: In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1952 ließ Stalin im Moskauer Lubjanka-Gefängnis die bedeutendsten jiddischen Dichter der Sowjetunion erschießen. Auf den Tag genau neun Jahre später, am 13. August 1961, begann die SED, ihr eigenes Volk einzumauern – in diesem August vor genau 65 Jahren. Und derselbe August trägt mit dem Ribbentrop-Molotow-Pakt vom 23. August 1939 ein drittes rotes Schanddatum – Stalins Wegbereitung für Hitlers Krieg und die Auslieferung von über drei Millionen polnischen Juden an ihre deutschen Mörder. Und dieselbe Partei, die damals nicht genug Flüchtlinge an ihrer Grenze erschießen konnte, kann heute nicht genug ins Land lassen – und erklärt zugleich die Selbstverteidigung des jüdischen Staates zum „Genozid“. Eine Erinnerung an drei Verbrechen – und an eine Kontinuität, die bis in den Deutschen Bundestag reicht. (JR)
Es gibt Daten, die ein Volk feiert, und Daten, die es entsorgt. Der 9. November 1989, der Tag des Mauerfalls, gehört zur ersten Kategorie – er wird begangen, beschworen und bei jeder Gelegenheit zur deutschen Glücksstunde verklärt. Der 13. August dagegen, der Tag, an dem diese Mauer errichtet wurde, ist aus dem kollektiven Kalender beinahe verschwunden. Man feiert das Ende des Verbrechens und vergisst das Verbrechen selbst – und vor allem: seine Täter. Es ist ein bequemes Gedenken, das niemandem wehtut, am wenigsten jenen, die in der Tradition der Täterpartei SED bis heute als DIE LINKE in deutschen Parlamenten sitzen. Dem 17. Juni 1953, dem Tag, an dem sowjetische Panzer den Aufstand der ostdeutschen Arbeiter niederwalzten, ergeht es nicht besser: Einst bundesdeutscher Nationalfeiertag, ist er der jüngeren Generation heute so fern wie die Keilerei bei Issos.
Dabei trägt gerade der 13. August eine doppelte Last, von der die wenigsten wissen. Denn neun Jahre bevor sich an diesem Datum der Stacheldraht durch Berlin fraß, hatte es sich bereits mit Blut vollgesogen – mit jüdischem Blut.
„Nacht der ermordeten Dichter"
In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1952 wurden im Moskauer Lubjanka-Gefängnis dreizehn zum Tode Verurteilte erschossen – der Kern des Jüdischen Antifaschistischen Komitees, darunter die bedeutendsten jiddischen Literaten der Sowjetunion: die Dichter Perez Markisch, Leib Kwitko, Itzik Feffer und Dovid Hofshteyn sowie der Romancier Dovid Bergelson. Die Nacht ging als „Nacht der ermordeten Dichter" in die Geschichte ein. Eine ganze Literatur wurde in wenigen Stunden enthauptet.
Die besondere Perfidie dieses Verbrechens liegt in seiner Vorgeschichte. Das Jüdische Antifaschistische Komitee war keine Oppositionsgruppe – es war Stalins eigene Schöpfung. 1942 gegründet, sollte es im Westen Sympathie und Geld für den sowjetischen Krieg gegen Hitler mobilisieren, und es tat dies mit überwältigendem Erfolg: Der große Schauspieler Solomon Michoels, Vorsitzender des Komitees, sammelte auf seinen Reisen durch Amerika Millionen für die Rote Armee. Die jiddischen Dichter dienten dem Sowjetstaat loyal, manche aus Überzeugung, alle in der Hoffnung, ihre Loyalität werde sie schützen. Es war derselbe tragische Irrtum, dem deutsche Juden gegenüber ihrem deutschen Vaterland erlegen waren: Michoels wurde im Januar 1948 auf Stalins Befehl ermordet und der Mord als Autounfall getarnt. Ab September 1948 rollten die Verhaftungswellen. Es folgten Folter, drei Jahre Isolationshaft und ein Geheimprozess, dessen Protokolle – erst nach 1991 zugänglich – eine einzige Farce dokumentieren: fabrizierte Anklagen wegen „Spionage" und „bürgerlichen Nationalismus", erpresste Geständnisse, widerrufene Geständnisse, ein vorbestimmtes Urteil. Perez Markisch hatte das Wesen des Regimes längst durchschaut, als er einem Freund zuraunte: „Hitler wollte uns physisch zerstören – Stalin will es geistig tun." Am Ende tat Stalin beides. Die Rehabilitierung der Ermordeten erfolgte 1955 – unter strengem Ausschluss der Öffentlichkeit. Selbst das Eingeständnis des Mordes wurde zum Staatsgeheimnis: stille Kugeln, stille Gräber, stille Unschuldserklärungen.
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