Namen gegen das Vergessen: Wie die „Wolfsburger Buchen“ Geschichte bewahren

Ein Blick auf die Ausstellung der „Werkgruppe Konzern“ im Rahmen der Dokumentation über die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im städtischen „KulturWerk M2K“. © BIRGIT GÄRTNER
„Vergesst uns nicht“, ritzte der sowjetische Kriegsgefangene Wassilij in die Rinde einer Buche am Wolfsburger Klieversberg. Jahrzehnte später entdeckte der Pressefotograf Klaus Gottschick die kyrillischen Inschriften ehemaliger Zwangsarbeiter des Volkswagenwerks; der Bildhauer Andreas von Weizsäcker bewahrte sie durch Frottagen auf japanischem Washi-Papier vor dem Verschwinden. Seine seit 2008 in Wolfsburg ausgestellte Werkgruppe „Konzern“ erinnert an die Ausbeutung von rund 20.000 Zwangsarbeitern durch das NS-Regime. Den entscheidenden Anstoß zur Aufarbeitung der Stadt- und Konzerngeschichte gab jedoch die polnische Jüdin Sara Frenkel-Bass, die mit einer falschen katholischen Identität der Deportation entgangen war und das Elend in der sogenannten „Ausländerkinder-Pflegestätte“ aus nächster Nähe erlebt hatte. Als sie Anfang der 1980er Jahre nach Wolfsburg zurückkehrte und für eine würdige Grabstätte der dort verstorbenen Kinder kämpfte, setzte sie jene vorbildliche Erinnerungsarbeit in Gang, zu der heute auch die Frottagen der „Wolfsburger Buchen“ gehören.
Am Anfang stand ein beispielloses Menschheitsverbrechen: Der Hitler-Faschismus – und somit der Größenwahn des „Führers“ sowie dessen Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug.
Die als „Wolfsburger Buchen“ bekannt gewordene Baumgruppe war Teil eines bewaldeten Gebietes, das erst durch die als nationalsozialistischen Musterstadt „Stadt des KdF-Wagens“, dem heutigen Wolfsburg, Bedeutung erlangte. Der KdF-Wagen war eine von Adolf Hitlers größenwahnsinnigen Projekten, das in dem Niemandsland in der Nähe der niedersächsischen Stadt Fallersleben aus dem Nichts aus dem Boden gestampft wurde. Doch statt des angepriesenen kostengünstigen und familienfreundlichen „Volkswagens“, mit dem Vati mit Mutti, Kind und Kegel über die neu gebauten Autobahnen brausen sollte, wurde für den Krieg produziert. Dabei wurden insgesamt rund 20.000 Zwangsarbeiter und auch Zwangsarbeiterinnen eingesetzt, zu deren Unterbringung in der Umgebung der Fabrikhallen Lager gebaut wurden. Ihr Anteil betrug etwa 75% der damaligen Bevölkerung des heutigen Wolfsburgs sowie teilweise 80% der Beschäftigten des Werks.
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