Ethnische Säuberungen in Syrien: Die Drusen sind Israels Verbündete und Freunde

Drusen glauben an die Reinkarnation, an eine verborgene göttliche Wahrheit und verehren eine Reihe von Propheten und weisen Männern, darunter Jetro, den Schwiegervater von Mose.© JALAA MAREY / AFP
Die Drusen in Israel dienen in der IDF und zahlen auch wie ihre jüdischen Kameraden mit ihrem Leben im Kampf gegen die Terror-Bande Hamas – und ihre drusischen Brüder in Syrien werden zur gleichen Zeit von islamischen Milizen abgeschlachtet. In der syrischen Provinz as-Suwaida wüten sunnitische Extremisten, foltern, vergewaltigen, enthaupten – unter den Augen der untätigen internationalen Staatengemeinschaft. Weil die israelischen Drusen Schulter an Schulter mit jüdischen Soldaten gegen die islamischen Terrorgruppen kämpfen, ist Israels Verantwortung klar. Die Verteidigung der in Syrien lebensbedrohten Drusen ist nicht nur ein moralisches Gebot – sie ist Teil der israelischen Staatsraison. (JR)
Der moralische Auftrag ist eindeutig: Wir dürfen unsere Verbündeten nicht im Stich lassen. Die Drusen in as-Suwaida sind nicht allein – nicht, weil sie um Hilfe bitten, sondern weil ihre Brüder in Israel mit uns einen Lebensbund teilen. In den letzten Wochen stand die syrische Stadt as-Suwaida in Flammen. In Syrien erleben die Drusen derzeit grausame Verfolgung – von islamistischen Milizen ebenso wie vom eigenen Regime. In der Provinz as-Suwaida kommt es zu Entführungen, öffentlichen Hinrichtungen und systematischer Unterdrückung. Drusische Zivilisten werden von sunnitischen Extremisten ermordet, Frauen verschleppt, ganze Dörfer terrorisiert. Und während Mohammed al-Joulani vorgibt, das Land zu stabilisieren, lässt sein dschihadistisches Regime diese Angriffe oft geschehen oder arbeitet sogar mit den Tätern zusammen. Die Drusen werden ihrer Würde beraubt – vor den Augen einer Welt, die wegschaut. Es handelt sich hier nicht nur um einen weiteren inner-syrischen Konflikt. Für Israel ist dieser Moment ein moralischer, sicherheitspolitischer und strategischer Prüfstein. Die Drusen dort kämpfen nicht nur um ihre Ehre – sie kämpfen ums nackte Überleben. Und wenn Drusen in Gefahr sind, darf der Staat Israel nicht tatenlos zusehen.
Enge Verbindung beider Völker
Die Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und der drusischen Gemeinschaft ist tief verwurzelt. Drusische Soldaten dienen Schulter an Schulter mit jüdischen Kameraden in der IDF. Sie sind gefallen in Israels Kriegen, sie schützen mit ihrem Körper unsere Grenzdörfer, kämpfen in Khan Yunis und bewachen den Hermon. Sie sind ein integraler Teil unserer israelischen Identität. Und jetzt brauchen sie uns.
Und wir dürfen eines nicht vergessen: Auch in Israel zahlen Drusen den höchsten Preis. Oberst Ihsan Daksa, Oberstleutnant Alim Saad, Oberstleutnant Salman Habaka – alle fielen im Krieg im Gazastreifen, um uns zu verteidigen. Sie starben in Gaza, als stolze Drusen, als stolze Israelis. Ihr Opfer verpflichtet uns – nicht nur zum Gedenken, sondern zum Handeln.
Im Unterschied zu vielen anderen ethnischen Gruppen haben sich die drusischen Bürger Israels bewusst für Loyalität gegenüber dem jüdischen Staat entschieden. Viele dienen in der israelischen Armee, teilweise in Eliteeinheiten. Diese Partnerschaft ist einzigartig in der Region und beruht auf gegenseitigem Respekt, Bündnistreue und gemeinsamem Schicksal.
Gegenüber jedem Aggressor, jeder Entmenschlichung und jeder Schande müssen wir fest an der Seite unserer Verbündeten stehen. Die Drusen in as-Suwaida sind nicht allein – nicht, weil sie um Gunst bitten, sondern weil ihre Brüder in Israel mit uns einen Bund des Lebens teilen. Und wenn dieser Bund auf die Probe gestellt wird, darf Israel nicht zögern. Es muss handeln.
Religiöse Säuberungen in Syrien
Als junger Soldat und später als Reservist habe ich über die Jahre hinweg viele Drusen kennengelernt – einige der herausragendsten Kämpfer, die dieses Land kennt. Gemeinsam dienten wir im Südlibanon. Und weil die drusischen Gemeinden alle im Norden Israels liegen, kehrte ich nach Einsätzen oft über ihre Dörfer heim. Nicht selten saß ich auf dem Rückweg nach Jerusalem mit ihren Familien am Tisch. Heute erzählen mir meine drei Söhne dieselbe Geschichte – auch sie kämpfen Seite an Seite mit Drusen, so wie wir damals. Was Juden und Drusen verbindet, ist weit mehr als geografische Nähe. Es ist eine stille, tiefe Allianz, gewachsen aus gemeinsamen Wurzeln, einem geteilten Land, verwandten Werten und dem gegenseitigen Respekt zweier kleiner, stolzer Völker, die ihren Weg behaupten im Sturm des Nahen Ostens.
Die Angriffe auf die Drusen wurden von sunnitischen Dschihadisten unter dem Befehl von Abu Muhammad al-Julani ausgeführt, dem ehemaligen Rebellenführer, der heute als legitimer Staatschef im syrischen Machtvakuum agiert. Seine Organisation – ursprünglich eine jihadistische Terrorgruppe – hat sich äußerlich gewandelt, ihr Kern ist geblieben: religiöse Säuberung, öffentliche Enthauptungen und die Ermordung unschuldiger Zivilisten in grausamer Systematik.
Die Gräueltaten gegen ältere Drusen wie Erniedrigung, Vergewaltigung und Mord sind keine Zufallstaten. Laut Zahlen der Beobachtungsstelle beläuft sich die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Kämpfe Anfang der Woche auf Hunderte Menschen. Sie sind Methode islamistischer Dschihadisten wie al-Julani, der den Westen mit seinem neuen Anzug irritiert.
Doch jenseits des moralischen Auftrags steht auch eine unmittelbare Sicherheitsbedrohung. Al-Julani und seine Milizen haben sich längst entlang der israelischen Grenze festgesetzt, versuchten mehrfach, nach Israel einzudringen, Sprengsätze zu legen und auf den Golanhöhen zu feuern. Sollte es ihnen gelingen, in Südsyrien ein stabiles Machtzentrum zu errichten, wären nicht nur die Drusen in Gefahr – ganz Nordisrael wäre einem täglichen Terrorrisiko ausgesetzt. Der Fall von as-Suwaida an dschihadistische Kräfte wäre ein strategischer Albtraum für Israel.
Wer sind die Drusen?
Die Drusen sind eine religiöse Minderheit im Nahen Osten, deren Glaube im 11. Jahrhundert aus dem schiitischen Islam hervorging, sich aber stark von ihm unterscheidet. Sie glauben an die Reinkarnation, an eine verborgene göttliche Wahrheit und verehren eine Reihe von Propheten und weisen Männern, darunter Jetro, den Schwiegervater von Mose. In der drusischen Tradition gilt Jetro – auf Arabisch Nabi Shuayb – als zentrale prophetische Figur und geistlicher Ahnherr, der für Weisheit, Unabhängigkeit und Gerechtigkeit steht. Jetro war der weise midianitische Priester, der Mose rät, das Volk zu organisieren und Richter einzusetzen (2. Mose 18). Für Drusen wie Juden steht Jetro symbolisch für Weisheit, Rechtschaffenheit und göttliche Führung. Sein Grab wird in Israel bei Hittin verehrt und ist ein heiliger Wallfahrtsort für die Drusen.
Die Drusen sehen sich selbst nicht als Muslime, auch wenn ihr Glaube ursprünglich aus dem islamisch-schiitischen Ismailismus hervorgegangen ist. Sie glauben nicht an die fünf Säulen des Islam, beten nicht fünfmal täglich, fasten nicht im Ramadan und gehen nicht zur Pilgerfahrt nach Mekka.
Die Provinz as-Suwaida gilt als das Hauptsiedlungsgebiet der Drusen in Syrien. Dort leben etwa 500.000 Drusen, das heißt: mehr als die Hälfte aller Drusen des Landes. Kleinere drusische Gemeinden gibt es auch im Gebirge Jabal al-Druse – auch Jabal al-Arab genannt –, der die Region um Suwaida dominiert. Weitere kleine Gemeinschaften findet man in der Nähe von Damaskus – wie in Jaramana und Sahnaya – und auf den syrischen Golanhöhen. Gemäß Gesamtschätzung leben in Syrien etwa 900.000 Drusen. Die Drusen sind eine eigenständige religiöse und ethnische Gruppe mit enger Verbindung zu den Drusen in Israel (150.000), im Libanon (300.000) und in Jordanien (20.000).
Wegschauen aus geopolitischem Kalkül
Aber nicht nur das – hinzukommt die internationale Dimension. Katar finanziert al-Julani mit Geld, Ausrüstung und Medienunterstützung – mit dem Ziel, ihn als „gemäßigten“ Staatsführer zu präsentieren. Auch gewisse US-Kreise schauen stillschweigend weg – aus geopolitischem Kalkül gegen die Türkei. Doch die Realität zeigt jetzt allen, die glaubten, Terrorismus ließe sich gestalten, das hässliche Gesicht der Wahrheit. Auch wenn aktuell eine Waffenruhe herrscht, muss Israel vorbereitet sein, denn die Kämpfe im Drusengebiet hören nicht auf. Es gibt verschiedene Handlungsoptionen: Geheimdienstkooperation mit drusischen Kommandeuren vor Ort, gezielte humanitäre und medizinische Hilfe, punktuelle Luftschläge auf Kräfte, die Drusen angreifen, und eine gezielte internationale Öffentlichkeitsarbeit.
Dies ist nicht nur ein außenpolitischer Test – es ist ein Loyalitätstest nach innen, für uns selbst. Die Luftangriffe auf das syrische Verteidigungsministerium in Damaskus senden ein klares Signal: Die Drusen stehen nicht allein – und das gilt auch für die drusische Minderheit im Libanon. Sie haben Brüder, auf die sie sich verlassen können. Die Drusen sind bekannt für ihre Loyalität gegenüber dem Staat, in dem sie leben – aber nun werden sie von ihrer dschihadistischen Staatsführung in Syrien verfolgt. Doch wer eilt ihnen zu Hilfe? Nicht der vielbeschworene humane Westen, sondern der Staat Israel. Kein Volk versteht das Schicksal der Drusen besser als das jüdische Volk. Beide wurden in ihrer Geschichte verfolgt – die Juden in der Diaspora, die Drusen inmitten einer oft feindlich gesinnten islamischen Welt. Diese leidvollen Erfahrungen haben in beiden Völkern ein tiefes Bedürfnis nach Sicherheit, Zusammenhalt und Selbstbehauptung hervorgebracht – und eine starke Verbundenheit.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Israel Heute.
Sehr geehrte Leser!
Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:
alte Website der Zeitung.
Und hier können Sie:
unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen
in der Druck- oder Onlineform

Werbung











