Immer mehr Antisemitismus- Beauftragte – und immer mehr Antisemitismus?

Auch bei tausend Antisemitismus-Beauftragten mehr wird das Problem des islamischen und linken Judenhasses nicht gelöst werden, wenn man immer nur einseitig nach „rechts“ schaut.

Von Henryk M. Broder

Es gibt im Land Brandenburg eine kleine „Gesetzestreue Jüdische Gemeinde“, die 1999 von Migranten aus Russland gegründet wurde. Da sie weder dem Zentralrat der Juden angehört, noch als Körperschaft des Öffentlichen Rechts anerkannt ist, gibt es auch keine verlässlichen Angaben darüber, wie viele Mitglieder sie zählt. Es dürfte eine Zahl zwischen 100 und 200 sein. Vielleicht mehr, vielleicht weniger.

Aber darauf kommt es nicht an. Die „gesetzestreuen Juden“ bekommen keine Staatsknete, weder vom Bund, noch vom Land Brandenburg und auch nicht vom Zentralrat. Dafür leisten sie sich unorthodoxe Gedanken. Zum Beispiel:

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Antisemitismus-Beauftragten – 14 von 16 Bundesländern haben einen, Berlin sogar drei – und der Zunahme der antisemitischen Zwischenfälle in den letzten Jahren?

In einer Pressemitteilung vom 12. März 2021 der GJG Brandenburg heißt es:

„Seitdem die regierenden Politikerinnen und Politiker bundesweit Personalstellen für Antisemitismusbeauftragte eingeführt haben, verzeichnet man in der Bundesrepublik Deutschland einen drastischen Anstieg des Antisemitismus auf allen Ebenen.

Die deutschen Steuerzahler bezahlen für die Antisemitismusbeauftragten jährlich mehrere Millionen Euro. Allein das Land Brandenburg hat im Jahr 2020 182.740 Euro für die Finanzierung der „Fachstelle Antisemitismus“ ausgegeben.

Gleichzeitig haben antisemitische Straftaten in Brandenburg auch im Jahr 2020 deutlich zugenommen. Laut Polizeistatistik gab es im Jahr 2020 147 antisemitische Straftaten, 48 mehr als im Jahr zuvor. 2018 wurden 95 Straftaten gemeldet, darunter drei Angriffe auf Objekte jüdischen Lebens.

Ähnlich sehen die Zahlen in den anderen Bundesländern aus.

Damit zeigt sich, dass die staatlich finanzierten Antisemitismus-Fachstellen für die Juden in Deutschland zumindest nichts bewirkt haben und das Projekt Antisemitismusbeauftragte eine rein politische und für die Sache völlig nutzlose Aktion ist.

Sinnvoller wäre es, das vergeudete Geld für Rabbinerstellen und für den Aufbau und die Aufrechterhaltung eines dringend notwendigen und auf Dauer unverzichtbaren Wachschutzdienstes bei der Gesetzestreuen Jüdischen Landesgemeinde Brandenburg einzusetzen.“

Vielleicht ist an dem Gedanken ja was dran. So wie es eine Korrelation zwischen der Anzahl der Sozialhilfeempfänger und der Anzahl der Sozialarbeiter gibt, die dafür bezahlt werden, dass sie Sozialhilfeempfänger betreuen. Ergebnisoffen nachdenken wird man ja noch dürfen. Seit dem Auszug aus Ägypten vor etwa dreieinhalbtausend Jahren ist Nachdenken der jüdische Nationalsport. Nicht, dass es jemals viel genützt hätte, aber Spaß gemacht hat es immer.

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