Laschet, der Medwedew der Angela Merkel

Sieg für Merkel und ihren Platzhalter: Armin Laschet wird neuer CDU-Chef

Merkeliger als Merkel: Armin Laschet© Michael Sohn , AFP

Von Boris Reitschuster

Viel spricht dafür, dass es die wichtigste Wahlentscheidung im Jahr 2021 war, sogar noch vor der Bundestagswahl: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich auf dem CDU-Parteitag durchgesetzt und mit Armin Laschet ihren Wunschnachfolger durchgesetzt. Mit der Installation eines Platzhalters hat sie ihren Machtanspruch nach 15 Jahren nochmal zementiert. Und viele merken das nicht einmal oder wollen es nicht merken. Die geschickte Taktikerin der Macht agiert frei nach dem Motto von Franz Josef Strauß: Es ist mir egal, wer unter mir Kanzler ist. Jetzt kann sie selbst dann an der Macht bleiben, wenn sie offiziell gehen sollte.

In meinen Augen ist der 16. Januar 2021 damit ein weiterer schwarzer Tag in der Geschichte der Bundesrepublik: Mit Friedrich Merz hätte es eine klare Alternative zur Alternativlosigkeit der Kanzlerin und der weitgehenden Abschaffung der politischen Kontroverse gegeben. Eine Mehrheit der gut 1000 Delegierten auf dem virtuellen Parteitag lehnte diese Perspektive ab und entschied sich für ein „Weiter so“: Eine Fortsetzung des Kurses Richtung Abgrund. Aus Angst, aus den gut gepolsterten Sesseln mit der Sitzheizung auszusteigen. Denn die Parteitagsdelegierten sind vor allem Funktionäre. Hätte die Basis der CDU abstimmen können, wäre Merz ein Sieg wohl kaum zu nehmen gewesen. Und es hätte zumindest einen Reanimierungsversuch für die alte, noch nicht von Merkel auf rotgrünen Kurs gebrachte CDU gegeben. Mit offener Erfolgsaussicht.

Mit Laschet dagegen setzt sich das Prinzip Merkel nun fort: Die Kanzlerin, selbst die Verkörperung des Mittelmaßes, hat um sich herum alle Konkurrenten weggebissen, die auch nur etwas heller strahlten als sie selbst – wozu nicht viel gehört. Oft genug tauchte zum passenden Zeitpunkt kompromittierendes Material auf, etwa in Sachen Doktorarbeiten wie bei Karl-Theodor zu Guttenberg. Auch bei Merz bzw. dessen Konzern rückten schnell die Steuerbehörden an und es gab seltsame Schlagzeilen über angebliche Undankbarkeit gegenüber einem Obdachlosen, die von den Medien hochgebauscht wurde.

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