Wer mit Teheran Waffenruhen schließt, bereitet den nächsten Krieg vor

Zwei Kriege und drei zerbrochene Waffenruhen in nur vierzehn Monaten. Selbst die Tötung des Obersten Führers Chamenei hat keine Ruhe gebracht: Das System krönte binnen Tagen einen Nachfolger und kämpft weiter. Ein Lagebericht über ein Regime, das Feuerpausen nicht als Frieden versteht, sondern als Rüstungszeit. (JR)

Von der Redaktion Jüdische Rundschau

Zwei Kriege. Drei gescheiterte Waffenruhen in vierzehn Monaten. Wer jetzt noch glaubt, das iranische Mullah-Regime lasse sich mit einer weiteren Feuerpause befrieden, verwechselt Diplomatie mit Selbsttäuschung.

Die Chronologie ist vernichtend. Im Juni 2025 endete der Zwölf-Tage-Krieg mit einem Waffenstillstand. Politiker feierten ihn als Erfolg, Kommentatoren sprachen von Deeskalation. Acht Monate später begann der nächste Krieg. Am 28. Februar 2026 eröffneten Israel und die Vereinigten Staaten mit der Operation „Epic Fury" eine neue Offensive: Ali Chamenei wurde getötet, führende Kommandeure der Revolutionsgarden kamen ums Leben, das Atomprogramm erlitt schwere Rückschläge, und als Teheran zur Vergeltung die Straße von Hormus dichtmachte, kam das Nadelöhr der Weltwirtschaft wochenlang praktisch zum Erliegen.

Und dennoch ging der Krieg weiter. Binnen weniger Tage stand mit Mojtaba Chamenei ein neuer Oberster Führer bereit – die Diktatur ging nahtlos in die Erbfolge. Die Revolutionsgarden kämpften weiter. Die Machtstrukturen blieben bestehen. Die Waffenruhen vom April und vom Juni zerbrachen, noch während verhandelt wurde.

Ideologisches Herrschaftssystem

Damit wurde offensichtlich, worum es in diesem Krieg tatsächlich geht: Nicht einzelne Machthaber sind das Problem. Das Problem ist ein ideologisches Herrschaftssystem, das seit Jahrzehnten die eigene Bevölkerung unterdrückt – von den bis zu 30.000 politischen Gefangenen, die Khomeinis „Todeskomitees" im Sommer 1988 an die Galgen schickten, bis zu den Rekord-Hinrichtungszahlen unserer Tage; ein Regime, das einen der Todesrichter von 1988 später zum Staatspräsidenten kürte, das Terrororganisationen in der gesamten Region unterhält und die Vernichtung Israels zum festen Bestandteil seiner Staatsideologie gemacht hat.

Ein solches System legt seine Ziele nicht ab, weil irgendwo ein Waffenstillstand unterschrieben wird. Eine Feuerpause verändert keine Ideologie. Sie verändert keine strategischen Ziele. Sie verändert keine Diktatur. Sie verschafft ihr lediglich Zeit. Zeit zur Neuorganisation. Zeit zur Wiederbewaffnung. Zeit für den nächsten Krieg. Genau das ist zwischen 2025 und 2026 geschehen: drei Waffenstillstände, drei Zusammenbrüche, drei Beweise.

Die Geschichte kennt hierfür eine unübersehbare Lehre. 1945 schlossen die Alliierten mit Hitler richtigerweise keinen Waffenstillstand – niemand kam ernsthaft auf die Idee, dem NS-Regime eine Feuerpause zur Erholung und Wiederbewaffnung einzuräumen. Der Krieg endete erst mit der bedingungslosen Kapitulation; anschließend wurde das Herrschaftssystem zerschlagen und Deutschland entnazifiziert. Erst dadurch wurde aus einer mörderischen Diktatur ein demokratischer Staat. Und so wie auf die Kapitulation die Entnazifizierung folgte, müsste auf den Sturz des Teheraner Systems die Entmullahisierung folgen – man darf sagen: die Wiederpersifizierung des Iran, die Rückgabe dieses großen Landes an sein stolzes persisches Erbe und an seine geschundenen Menschen.

 

Iran bedroht gesamten Nahen Osten

Israel kämpft dabei nicht aus Eroberungslust. Es kämpft, weil ein Regime, das seine Vernichtung propagiert und zugleich nach Kernwaffen strebt, keine normale sicherheitspolitische Herausforderung ist. Ein nuklear bewaffneter Iran bedrohte nicht nur den jüdischen Staat – er setzte den gesamten Nahen Osten unter atomaren Druck und zwänge die Welt in ein Wettrüsten. Seine Verhinderung ist kein israelisches, sondern ein internationales Sicherheitsinteresse.

Wer heute erneut einen Waffenstillstand fordert, muss eine einfache Frage beantworten: Was soll danach anders sein als nach den Waffenruhen von 2025 und 2026? Hat das Regime seine Ideologie aufgegeben? Nein. Seine Vernichtungsdrohungen gegen Israel beendet? Nein. Seine Unterstützung für Hamas, Hisbollah und die übrigen bewaffneten Stellvertreter eingestellt? Nein. Warum also sollte die vierte Waffenruhe erfolgreicher sein als die ersten drei? Es gibt auf diese Frage keine überzeugende Antwort.

Stattdessen erleben wir etwas anderes: Kaum wird ein Waffenstillstand verkündet, steigen die Börsen, fällt der Ölpreis, sprechen Wirtschaftsverbände von Stabilität. Doch Börsenkurse dürfen nicht darüber entscheiden, ob ein Vernichtungsregime weiterbestehen darf. Lenin wird das Diktum zugeschrieben, die Kapitalisten würden noch den Strick verkaufen, an dem man sie später aufhängt – ob wörtlich gefallen oder nicht, beschreibt es zeitlos die Gefahr, kurzfristigen Gewinn über das existenzielle Risiko zu stellen. Kurse erholen sich. Ermordete Menschen nicht.

Frieden entsteht nicht dadurch, dass der Krieg für einige Wochen unterbrochen wird. Frieden entsteht erst, wenn von diesem Regime keine existenzielle Bedrohung mehr ausgeht – und das heißt: nicht vor der totalen Kapitulation des Systems. Alles andere ist kein Friedensplan. Es ist die Vorbereitung des nächsten Krieges.

Bildtext: Frieden wird es erst geben, wenn die Mullahs kapitulieren.

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