6 Monate nach Soleimani – der Dritte Weltkrieg, der nicht kam.

Mit dem Schüren unberechtigter apokalyptischer Ängste wollen westliche Journalisten nicht nur Stimmung gegen die angeblich „irrationale“ Politik von Präsident Trump machen, sondern den Westen gegenüber seinen Feinden handlungsunfähig halten.

General Kasim Soleimani war Befehlshaber der iranischen Al-Kuds-Brigade, zu Deutsch "Jerusalem"-Brigade, die vor allem jenseits der iranischen Grenzen tätig war.© KHAMENEI.IR , AFP

Von Laila Mirzo

Nach der gezielten Tötung des iranischen Generals und Kriegsverbrechers Kasim Soleimani auf Befehl des US-Präsidenten Donald Trump im Januar dieses Jahres, versuchte man die Weltöffentlichkeit auf sämtlichen medialen Kanälen von einem apokalyptischen Zukunftsszenario zu überzeugen. Man stünde ganz knapp vor dem Dritten Weltkrieg, so die Prognose führender Redakteure, Politinstitute und Politiker. Der nukleare Overkill sei nur einen Knopfdruck entfernt, Flüchtlingsströme, Hunger und Chaos würden die Welt erschüttern. Die militärische Aktion gegen den „iranischen Rommel“ wäre ein „Attentat“ und eine „Kriegserklärung“, welche die gesamte Welt in den Abgrund reißen könne. Der Zeit-Journalist Michael Thuman glaubte gar Parallelen zum Sarajewo-Attentat von 1914 auf das österreichische Thronfolgerpaar erkannt zu haben, das den Ersten Weltkrieg auslöste.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat, Joe Biden, beschwor, Trump hätte „eine Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen“. Wer aber auf den großen Knall wartete, wurde enttäuscht: Der Dritte Weltkrieg wurde abgesagt. Weder der Iran noch die USA hatten ernsthaft Lust zu eskalieren. Washington hatte Konsequenz bewiesen und Teheran seine Lektion gelernt.

 

Bei einem offenen Krieg könnte die Schwäche des Iran offenbar werden

Die Weltuntergangshysterie war ein schlechtes Schauspiel – denn wer sich auf der weltpolitischen Bühne auch nur ein bisschen auskennt, der weiß, dass sich der Iran keine militärische Eskalation leisten kann. Das Mullah-Regime steht de facto mit dem Rücken zur Wand, innen- wie außenpolitisch. Ein militärischer Konflikt würde die schwelende Legitimitätskrise verschärfen und sehr schnell offenbaren, in welch desolatem Zustand die iranische Armee ist. Teheran würde nicht nur sein Gesicht verlieren, sondern seinen hegemonialen Führungsanspruch in der Region von heute auf morgen verspielen. Doch diese Einschätzung teilen Kritiker der USA nicht, schließlich muss das Image des amerikanischen Präsidenten als „Hassprediger“, wie ihn 2016 der damalige Außenminister und jetzige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier titulierte, gefüttert werden. Trump wäre zu impulsiv, gar unberechenbar, er könne die Folgen seiner politischen Entscheidungen nicht abschätzen, hieß es. Merkel und Macron mahnten zur Deeskalation, Außenminister Maas fürchtete, die „Folgen für die Region“ seien schwer absehbar. Was aber Untätigkeit angesichts der iranischen Umtriebe auch für Israel bedeutet hätte, war kaum Thema in den „Expertenrunden“.

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