Englands Juden zwischen Brexit und Corbyn

Zwei jüdische Politiker beleuchten den EU-Ausstieg Großbritanniens und die negative Entwicklung der Labour-Partei.

Der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn© AFP

Von Paula Slier (Redaktion Audiatur)

Was er unseren jüdischen Lesern mitteilen wolle, frage ich Lance Forman, einen jüdischen Politiker der Brexit-Partei und Eigentümer von Londons ältester Lachsräucherei. „Shana Tova!“, lacht er. „Sag ihnen, dass es ein glückliches und süßes neues Jahr werden wird. Der Brexit wird passiert sein, wir werden raus sein und wir werden frei und unabhängig sein. Wenn man genau darüber nachdenkt, dann sollte das eigentlich an Pessach passieren, dann könnten wir über den Brexodus statt über den Exodus reden“, sagt das ehemalige Mitglied der Konservativen mit einem Lachen.

Im Mai wurde Forman für die Brexit-Partei, die Anti-EU-Partei, ins Europäische Parlament gewählt. Das Schiff der Konservativen verließ er nach über 40 Jahren Parteimitgliedschaft, von denen er zwei Jahre lang als Sonderberater des Außenministers für Handel und Industrie tätig war. „Der Grund, warum ich mich der neugegründeten Brexit-Partei angeschlossen habe“, sagt er, „war, dass [die ehemalige Premierministerin] Theresa May Jeremy Corbyn [den Vorsitzenden der Labour-Partei] zu Gesprächen über unsere Zukunft einlud. Für mich war damit eine rote Linie überschritten. Dieser Mann sollte nirgends in der Nähe von Downing Street sein. Wir müssen alles tun, um Corbyn draußen zu halten. Sein Marxismus und Antisemitismus würden Großbritannien an einen sehr, sehr gefährlichen Platz bringen.“

Auf ihrem letzten Parteitag in Brighton beschlossen die Labour-Delegierten – erstmals überhaupt – mit überwältigender Mehrheit, den Boykott von in den Siedlungen hergestellten israelischen Gütern zu unterstützen. Sie stimmten auch für die Ablehnung eines Handelsabkommens mit Israel, wenn es „nicht die Rechte der Palästinenser anerkennt“. Die „Labour Friends of Israel“ nannten das Ergebnis in einem Tweet einen „weiteren schwarzen Tag in der Geschichte der Labour-Partei“. Doch die Co-Vorsitzende von „Jewish Voice for Labour“, Jenny Manson, seit 50 Jahren aktives Labour-Mitglied, widerspricht. Es gebe keinen Beleg dafür, dass in der Partei mehr antisemitische Ansichten gehegt würden als in anderen britischen Parteien. „Als Beschwerden über Antisemitismus untersucht wurden, haben sich nur sehr wenige davon bestätigt“, beteuert sie und weist darauf hin, dass Labour die einzige britische Partei sei, die das Thema sowohl intern als auch extern untersucht und dabei professionelle Unterstützung angeheuert habe. „Das Ergebnis des letzten periodischen Berichts war, dass es gegen 0,06 Prozent der Parteimitglieder Anschuldigungen des Antisemitismus gab. Heutzutage gibt es mehr Antisemitismus auf der Rechten als auf der Linken. Seit Corbyn gewählt wurde, haben wir die geballteste feindliche Kritik erlebt, die an einem Vorsitzenden einer britischen Partei geübt wurde. Ich bin keine Verschwörungstheoretikerin, doch ich glaube, das ist Teil eines größeren Schocks, den Leute gespürt haben, als er Vorsitzender wurde. Was ihnen wirklich Sorgen bereitet, ist, dass er die politische Welt durcheinanderbringt. Die Bezichtigung des Antisemitismus hat einen enormen Klang und vereint die Leute“, sagt sie.

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