Von Kanton zu Kanton unterschiedlich

Interview der JÜDISCHEN RUNDSCHAU mit Dr. Paul Seger, dem Botschafter der Schweiz in Deutschland, zum Judentum in der Eidgenossenschaft und schweizerisch-israelischen Beziehungen.

Dr. Paul Seger ist an guten Beziehungen zu Israel sehr interessiert.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Herr Botschafter, herzlichen Dank für Ihr Interesse, mit uns über das Verhältnis der Schweiz zur dortigen jüdischen Gemeinde und zu Israel zu sprechen. Wie ist das staatliche Verhältnis in der Schweiz zu den Religionsgemeinschaften geregelt? Welche Rolle spielt die jüdische Gemeinde dort?

Dr. Paul Seger: Ausgangspunkt ist die schweizerische Bundesverfassung, welche in Artikel 15 die Glaubens- und Gewissensfreiheit verankert und in Artikel 72 die Ausgestaltung der Beziehungen zu den Religionsgemeinschaften als föderale Aufgabe der Kantone definiert. Der Bund verhält sich religiös und konfessionell neutral. Es ist den Kantonen überlassen, Religionsgemeinschaften öffentlich anzuerkennen. In sechs Kantonen ist die jüdische Gemeinschaft öffentlich-rechtlich anerkannt, in den übrigen 20 Kantonen sind die jüdischen Gemeinden als privatrechtliche Vereine oder Stiftungen organisiert.

In der Schweiz leben heute circa 18.000 Menschen jüdischen Glaubens, die Hälfte davon in Zürich und am Genfer See. Dies entspricht 0,3 % der Gesamtbevölkerung. Seit der Ratifikation des Europäischen Rahmenabkommens zum Schutz nationaler Minderheiten im Jahr 1989 spricht die Schweiz den dort lebenden Juden diesen Status zu.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Wird die Praktizierung des jüdischen Glaubens in der Schweiz von staatlicher Seite, beispielsweise durch Förderprogramme, unterstützt?

Dr. Paul Seger: Die öffentliche Anerkennung ist ein symbolisch bedeutender Akt und ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichbehandlung aller religiösen Minderheiten, aber keinesfalls eine Voraussetzung des in Artikel 15 der Bundesverfassung garantierten Rechts. Die religiöse Freiheit der staatlich anerkannten Gemeinschaften unterscheidet sich nicht von derjenigen anderer Religionen. Die öffentliche Anerkennung der Gemeinden bietet die Möglichkeit, bestimmte öffentliche Einrichtungen zu nutzen und erleichtert die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben, insbesondere im seelsorgerischen Bereich. In gewissen Fällen bekommen jüdische Gemeinden dank dieses Status auch finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand. Die Gemeindestrukturen werden jedoch zumeist durch die Beiträge und Spenden ihrer Mitglieder finanziert.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Wo sehen Sie die Grenzen der staatlich garantierten Religionsfreiheit?

Spannungsverhältnisse zwischen Säkularen und dem Islam

Dr. Paul Seger: Wie alle Grundrechte, so untersteht auch die Religionsfreiheit den verfassungsmäßigen Schranken. Die schweizerische Geschichte ist stark durch die konfessionellen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten geprägt. Heute sehen wir uns primär mit dem Spannungsverhältnis zwischen einer zunehmend säkularisierten christlichen Bevölkerung und gewissen Erscheinungsformen des Islam in der Schweiz konfrontiert. Die Muslime machen mit 5 % inzwischen die drittgrößte Religionsgruppe aus. Wie oftmals bei Fragen des interreligiösen Zusammenlebens geht es auch bei uns um die Ausgestaltung von Toleranz, gegenseitigem Respekt und gemeinsamen Werten.

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