Wenn Israelfeindlichkeit gekürt wird: Evangelischer Katharina-Zell-Preis an Sophie von der Tann

Sophie von der Tann.© Martin Kraft/WIKIPEDIA
Der Landesverband Evangelischer Frauen in Hessen und Nassau zeichnet mit Sophie von der Tann ausgerechnet eine Journalistin aus, deren Nahostberichterstattung über Jahre durch anti-israelische Schlagseite, doppelte Standards und die weitgehende Ausblendung der Mörder-Bande Hamas auffiel. Statt die Opfer des 7. Oktober, die verschleppten Geiseln und Israels Überlebenskampf angemessen sichtbar zu machen, rückte die frühere ARD-Korrespondentin vor allem die Dämonisierung des jüdischen Staates in den Mittelpunkt. Dass eine kirchliche Organisation diese Form öffentlich-rechtlicher Propaganda nun auch noch mit einem Preis adelt, ist vor dem historischen Antijudaismus des Protestantismus besonders beschämend. In diese Tradition stellt sich der Landesverband, wenn er nun ausgerechnet Sophie von der Tann auszeichnet. Der Katharina-Zell-Preis gerät damit zur Auszeichnung für jene, die Israel moralisch auf die Anklagebank setzen und den Judenhass seiner Feinde wissentlich aus dem Bild schneiden, damit das Zerrbild vom Täterstaat Israel unbeschädigt bleibt. (JR)
Der Schriftsteller Flaubert hatte völlig recht: Ehren entehren: “Titel werten ab, ein Amt verblödet”. Während Letzteres man in einer gruseligen Art und Weise bei der hiesigen Bundesregierung sehen kann, füllt Ersteres die Kommentarspalten mit atemberaubenden Preisen, die noch atemberaubendere Preisträger erhielten. So erhielt einst der Terrorist Jassir Arafat den Friedensnobelpreis. Das ist ungefähr so, als würde der Amokläufer Robert Steinhäuser postum den Aktenzeichen-XY-Preis für Zivilcourage verliehen bekommen.
In diese Kategorie fällt die Verleihung des Katharina-Zell-Preises des Landesverbandes der evangelischen Frauen in Hessen und Nassau an die Journalistin Sophie von der Tann. „Wir haben die Bilder im Kopf, wenn sie mutig mit Helm und Schutzweste in die Tunnel der Hamas absteigt. Wir sehen sie in israelischen Schutzbunkern, in die sie sich während der Liveschalte begeben muss“, erklärt Jurymitglied Anja Schwier-Weinrich, geschäftsführende Pfarrerin. Streng genommen müsste laut der Devise jeder Israeli diesen Preis erhalten, denn die Tatsache, dass die Bürger des jüdischen Staates seit Jahren immer wieder Schutzbunker aufgrund der Raketen der Hamas aufsuchen müssen, ist nicht mutig, sondern schlichter Alltag. Auch dass sie „mutig mit Helm und Schutzweste“ in die Tunnel der Hamas abgestiegen ist, ist nicht mutig, denn stets hat die israelische Armee das Terrain gesichert.
Sophie von der Tann war von 2021 bis Ende Juli 2026 Leiterin des ARD-Studios Tel Aviv und wurde für ihre Berichterstattung vielfach ausgezeichnet. 2024 erhielt sie den Blauen Panther und den Deutschen Fernsehpreis, 2025 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Die ARD bezeichnete sie als prägende Figur der Nahostberichterstattung. So kann man es natürlich auch sehen.
Besonders aufschlussreich ist der Kommentar, den von der Tann im Mai 2025 anlässlich des 60. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in den Tagesthemen veröffentlichte. In einer Schalte von rund 90 Sekunden kritisierte sie lautstark Israels Kriegsführung in Gaza, ohne die Hamas in diesem Kommentar zu erwähnen. Sowas nennt man auch „Lügen durch Weglassen“. Und hier beginnt das Problem. Journalismus besteht aus Auswahl von Bild, Text und Ton. Jeder Korrespondent entscheidet, welche Bilder gezeigt, welche Stimmen gehört, welche Begriffe verwendet und welche Hintergründe erklärt werden. Es gibt keine vollständige Berichterstattung. Schon die Sendezeit zwingt zur Auswahl.
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