Reiche erschießen, Juden ins Meer? Hat die Linke ihr Geschäftsmodell gefunden?

© wikipedia/ F. Schäffer - Eigenes Werk

Die Partei, die 28 Jahre lang an der Mauer schießen ließ, hat die Branche gewechselt: Wo früher der eigene Bürger am Verlassen des Landes gehindert wurde, holt man heute die künftigen Wähler ins Land, und der Kitt zwischen den Genossen vom Prenzlauer Berg und der neuen Klientel in Neukölln heißt Judenhass. 25,7 Prozent in Berlin, 51 Prozent der muslimischen Wähler, ein Rapper, der auf einer Wahlkampfbühne „Death to the IDF" singt, während die Genossen dazu tanzen. In Neukölln wird Ahmed Abed Bezirksbürgermeister – jener Mann, der den Bürgermeister der Partnerstadt Bat Yam, einen Enkel von Holocaust-Überlebenden, vor laufender Sitzung einen „Völkermörder" nannte und schwieg, als der ihn fragte, ob man sich wenigstens darauf einigen könne, dass es falsch sei, Babys zu töten. Es bedurfte der AfD, damit über all das im Bundestag überhaupt gesprochen wurde – die anderen hielten Wache an der Brandmauer, das Gesicht tapfer nach rechts, und schützten die Juden vor der falschen Gefahr. JR-Herausgeber Dr. Rafael Korenzecher zeichnet nach, wie aus der SED über vier Namenswechsel dieselbe juristische Person wurde, die nun nach dem Roten Rathaus greift — und wie SPD und Grüne ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp die Tür aufhalten. Beide sind soeben abgewählt worden, zusammen gut zehn Prozentpunkte verloren, und beide wollen trotzdem in den Senat: In jeder anderen Branche hieße das Insolvenzverschleppung, in Berlin heißt es Verantwortung. Für einen Dienstwagen und ein paar Senatorenposten hält man auch der Partei die Tür auf, deren Wahlsieg der israelische Botschafter eine Existenzgefahr für die Juden dieser Stadt nennt. Geprüft wird vorher noch in einem „Vorgespräch" über den Schutz jüdischen Lebens; bestehen wird die Linke es, darauf kann man wetten — sie besteht es immer, wenn die anderen an die Macht wollen. Sein Befund: Der alte deutsche Antisemitismus flüsterte am Stammtisch und schämte sich. Der neue tanzt auf der Bühne, gewinnt Wahlen und wird als Regierende Bürgermeisterin ins Rote Rathaus getragen. (JR)

Von Dr. Rafael Korenzecher

Flüchtlinge an der Mauer erschießen zu lassen, ist aus der Mode gekommen. Also hat die Partei, die es einmal tat, die Branche gewechselt.

Drei Tage nach der Berlin-Wahl, bei der die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft wurde, ein Ergebnis, das niemanden überrascht hat, außer die Parteien, die es hätten verhindern sollen, beriet der Bundestag am 23. September auf Antrag der AfD in einer Aktuellen Stunde über den Antisemitismus der Berliner Linken. Dort hielt Beatrix von Storch die Rede, die der Kanzler hätte halten müssen, und jeder Grüne, der das Wort Haltung im Mund führt. Gehalten hat sie eine Frau, deren Partei man verbieten wollte. Man muss die AfD weder wählen noch mögen, um festzustellen, dass an dieser Rede in der Sache nichts zu widerlegen ist. In fünfzig Jahren wird man sie in den Schulbüchern finden, falls es dann noch Schulbücher gibt, in denen man so etwas lesen darf. Gleich zu Beginn sagte sie: „Noch nie seit dem Krieg hat eine Partei den Hass auf Juden zur Wählermobilisierung eingesetzt, so wie jetzt die Linke in Berlin.“ Und dann: Die Linke sei nicht trotz ihres Antisemitismus gewählt worden, sondern wegen. Damit war alles gesagt. Der Rest war Beweisaufnahme.

Es brauchte die AfD. Nicht weil sie die Wahrheit gepachtet hätte, sondern weil die anderen ihr dieses Thema kampflos überlassen haben. Den Satz muss man zweimal lesen, um seine ganze Obszönität zu erfassen. Jahrelang hat man den Deutschen erklärt, die Juden seien in Gefahr, sobald die AfD auch nur in die Nähe der Macht gerät. Dann musste die AfD eine Aktuelle Stunde beantragen, damit überhaupt einmal über die Partei gesprochen wird, die die Juden dieser Stadt tatsächlich bedroht. Die CDU stand derweil Posten an ihrer Brandmauer, das Gesicht nach rechts, und schützte die Juden hingebungsvoll vor der falschen Gefahr. Berlin war die Hauptstadt des Reichs, das die Juden Europas ermordete. Achtzig Jahre später fürchten Juden hier wieder um ihr Leben, und die Partei, die mit dieser Angst Wahlkampf gemacht hat, hat die Wahl gewonnen.

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