Migrationswelle auf Ceuta: Natürlich ist der Jude schuld

Als rund 60.000 Migranten vor wenigen Wochen versuchten, gewaltsam über die spanische Exklave Ceuta nach Europa zu gelangen, stand für Israels Feinde der angebliche Schuldige bereits fest: der jüdische Staat. Vom Verschwörungsideologen Alex Jones über den kolumbianischen Ex-Präsidenten Gustavo Petro bis zum ARD-Journalisten Georg Restle verbreiteten oder beförderten prominente Stimmen die haltlose Erzählung einer israelischen Beteiligung an der Migrationskrise. Belastbare Beweise gibt es nicht, dafür umso mehr altbekannte antisemitische Fantasien über jüdische Drahtzieher und geheime Machtbündnisse, die im Verborgenen an der jüdischen Weltverschwörung arbeiten. Der Fall zeigt einmal mehr: Wenn politische Verantwortung verschleiert werden soll, ist der Jude für seine Feinde noch immer der bequemste Sündenbock. (JR)
Wenn ein vor 40 Jahren erschienenes Buch mit dem Titel „Der ewige Antisemit“ im Jahr 2026 neu aufgelegt werden muss, lässt das tief blicken. Warum hat die wohl hartnäckigste menschenfeindliche Obsession, der Hass auf Juden, weder nach 40 noch nach 400 Jahren ihre Anziehungskraft verloren?
So hatte der Journalist Ralf Schuler eben genau diese Frage formuliert, als Henryk Broder, der Autor des wieder aufgelegten Buches „Der ewige Antisemit“, beim Medium NIUS zu Gast war. Die Frage ist so einfach wie banal zu beantworten: Weil es um Juden geht. Doch der gar nicht mal so neue Chic nennt sich nicht mehr „Antisemitismus“, ein Wort, welches so verbrannt ist, dass man seinen Ursprungskern kaum mehr erkennt. Er heißt: Antizionismus oder Israelkritik. Die Tatsache, dass hier nur Wörter ausgetauscht wurden, um politisch korrekte Befindlichkeiten zu wahren, erscheint für den Otto-Normal-Konsumenten von „der“ Zeitung, also die Provinzgazette, und „die“ Nachrichten, also die Tagesschau, ein intellektuell völlig unbekanntes Terrain. Und morgen geht es dann wieder in den risikolosen Kampf gegen rechts, bei dem es um alles geht, was nicht links ist, und vor allem niemals um echten Judenhass geht, der jenseits von rechts, auch von links und in den letzten Jahren erschwerend von islamischer Seite kommt.
Doch manchmal gibt sich der Judenhass immer noch in der altbekannten Plumpheit, was man in der Diskussion rund um Ceuta, in der widerrechtlich Zehntausende Marokkaner versuchten, Europa zu erreichen. Innerhalb kürzester Zeit war der Drahtzieher vermeintlich ausgemacht: Israel. Besonders drastisch wurde die Verschwörung auf X durch einen Account namens „Forbidden HQ“ dargestellt. Eine dort verbreitete Grafik zeigte Benjamin Netanjahu in einer Weise, die suggerierte, der israelische Ministerpräsident steuere persönlich einen Strom von Migranten nach Spanien. Nach Angaben des Combat Antisemitism Movement beziehungsweise der Times of Israel erreichte die entsprechende Darstellung rund 5,3 Millionen Aufrufe, also eine ganze Menge.
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