Drohnen verändern Kriegsführung: Was Deutschland von Israel lernen kann

In dieser Mutter-Kind-Einrichtung in Stade wurden sechs Menschen kaltblütig erschossen.© BIRGIT GÄRTNER
Auf dem Flughafen Leipzig/Halle wird eine Drohne mit Sprengsatz aus der Luft geholt – auf einem Flughafen, über den zugleich Munitionsnachschub in Richtung Ukraine läuft. Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR meldeten unter Berufung auf einen vertraulichen Polizeibericht, die in der Nähe abgestellte ukrainische Frachtmaschine sei mit militärischer Munition beladen gewesen. Wenige Stunden später wussten es Innenministerium und Flughafenbetreiber besser: alles ein Irrtum, keine Munition, nirgends. Man mag das glauben oder auch nicht – die Frage bleibt dieselbe: Wer Kriegslogistik über einen zivilen Passagierflughafen abwickelt, macht Passagiere und Anwohner sehenden Auges zu Zielen und darf sich nicht wundern, wenn der Gegner das erkennt. Das Verfahren erinnert an anderes: Die Hamas lagert ihre Raketen in Schulen, Moscheen und unter Krankenhäusern, um sie hinter Zivilisten zu verstecken – wer sie angreift, trifft Kinder. In Leipzig tarnt man Waffentransporte an die Ukraine hinter dem zivilen Flugbetrieb. Kein Versehen, keine Nachlässigkeit, sondern eine Entscheidung – und anschließend zeigt man empört auf Moskau, wenn jemand das militärische Ziel als das behandelt, was es ist. Aus Berlin kommen sofort die sattsam bekannten Worthülsen: Man nehme den Vorfall „sehr ernst" – wohl ohne es zu meinen. Wirklich ernst nähme man ihn, wenn man damit aufhörte, Waffen und Militärgerät über einen zivilen Flughafen abzuwickeln. Stattdessen bedienen Politik und Medien ohne jeden Beleg für eine russische Urheberschaft das gewohnte Kriegsnarrativ und ersparen sich die eigentliche Frage: Wie schützt dieses Land seine Bürger – vor allem vor der Verantwortungslosigkeit der eigenen Regierung? Israel führt seit Jahrzehnten vor, wie Drohnenabwehr funktioniert. Deutschland könnte davon lernen – und damit beginnen, zivile Infrastruktur aus einem fremden Krieg herauszuhalten. (JR)
Seit dem 4. August ist Deutschland im Drohnenfieber. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über die Gefahr durch unbemannte Fluggeräte und eine mögliche russische Urheberschaft des Vorfalls in Leipzig spekuliert wird. Belege dafür gibt es bislang nicht. Doch offenbar passt die Russland-These zu gut in das kriegerische Narrativ mancher Bellizisten, als dass sie auf diese Gelegenheit zur politischen Instrumentalisierung verzichten würden. Dabei ist der Vorfall auch ohne voreilige Schuldzuweisungen ernst genug, wie die bisherigen Ermittlungsergebnisse zeigen.
An jenem Sommertag wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff präparierte Drohne im Sicherheitsbereich zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt. Das lässt die Formulierung im Raum. Die Bundesanwaltschaft übernahm nach einigem Hin und Her schließlich rasch die Ermittlungen. Aus einem zunächst lediglich ungewöhnlichen Drohnenvorfall war damit der Verdacht eines gezielten Anschlags auf einen für Deutschland wichtigen Logistikstandort geworden. Deutschland, also auch die Deutschen, sind im Visier.
Inzwischen ist das Bild wesentlich konkreter. Die Drohne war offenbar kein gewöhnliches handelsübliches Modell. Ermittler fanden Hinweise auf einen 5G-Router, zwei SIM-Karten und einen zusätzlichen Akku. Eine im Flughafenumfeld entdeckte Antenne könnte als Signalverstärker gedient haben. Nach bisherigen Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes könnte das Fluggerät deshalb über das Mobilfunknetz und aus größerer Entfernung gesteuert worden sein. Hinzu kommen DNA-Spuren an der Drohne und am Sprengsatz. Der Sprengsatz selbst soll nicht gezündet haben.
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