Das Olympia-Massaker von München 1972

Das Versagen der deutschen Einsatzkräfte hat den israelischen Geiseln beim Olympia-Attentat von 1972 das Leben gekostet. © AFP
Das verheerende Attentat der „palästinensischen“ Terrororganisation Schwarzer September im Jahr 1972, bei dem 11 Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft ermordet wurden, jährt sich nun zum 54. Mal. Am 5. September 1972 drangen acht arabische Terroristen in das Quartier der israelischen Olympiamannschaft ein, ermordeten zwei Sportler und nahmen neun weitere Israelis als Geiseln. Die Bundesrepublik, die sich bei den Spielen als friedliches Gegenbild zum nationalsozialistischen Deutschland präsentieren wollte, hatte trotz der bekannten Terrorgefahr auf ausreichende Sicherheitsvorkehrungen verzichtet und lehnte anschließend sogar israelische Hilfe bei der Befreiung ab. Auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck trafen falsch informierte, mangelhaft ausgerüstete und nicht einmal durchgehend per Funk verbundene deutsche Einsatzkräfte auf die Terroristen – ein vollständiges Staatsversagen, das alle neun Geiseln und ein deutscher Polizist mit dem Leben bezahlten. (JR)
Das Olympia-Attentat von München gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Nachkriegsgeschichte. Am 5. September 1972 drangen acht Mitglieder der „palästinensischen“ Terrororganisation „Schwarzer September“ in die Unterkunft der israelischen Mannschaft im Olympischen Dorf ein. Zwei Israelis wurden unmittelbar getötet, neun weitere als Geiseln genommen. Am Ende waren alle elf israelischen Opfer tot.
Die Bundesrepublik hatte sich mit den Olympischen Spielen als friedliches, demokratisches Gegenbild zu den Spielen von 1936 präsentieren wollen. Entsprechend zurückhaltend war das Sicherheitskonzept. Obwohl es bereits zuvor schwere palästinensische Terroranschläge auf israelische Ziele gegeben hatte, waren die Schutzvorkehrungen im Olympischen Dorf unzureichend.
Israel wollte nach Beginn der Geiselnahme seine militärische Spezialeinheit Sajeret Matkal einsetzen. Die Bundesregierung lehnte jedoch israelische Unterstützung für die Befreiungsaktion ab. Auch Mossad-Chef Zvi Zamir, der nach München geschickt worden war, konnte das deutsche Vorgehen lediglich beobachten.
Die geplante Befreiung auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck entwickelte sich zum Desaster. Die deutschen Einsatzkräfte hatten die Zahl der Terroristen falsch eingeschätzt, verfügten nicht über eine geeignete Spezialeinheit und waren teilweise nicht einmal per Funk miteinander verbunden. Hinzu kamen unzureichende Scharfschützenausrüstung und fehlende Erfahrung mit einer derartigen Geisellage.
Besonders schwer wog, dass deutsche Stellen während des laufenden Einsatzes zunächst einen Erfolg meldeten. International verbreitete sich die Nachricht, die Geiseln seien gerettet worden. Tatsächlich wurde auf dem Flugplatz noch gekämpft. Wenig später stand fest: Sämtliche neun Geiseln waren ermordet worden.
Zvi Zamir, während des Olympia-Attentats 1972 der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, schilderte der israelischen Regierung anschließend ein vernichtendes Bild des Einsatzes. Sein Urteil über die deutschen Verantwortlichen lautete: „haben nicht den geringsten Versuch unternommen, Leben zu retten. Sie sind nicht das geringste Risiko eingegangen, um Menschen zu retten, weder ihre noch unsere“. Israel kam in einer eigenen Untersuchung zu dem Ergebnis eines „totalen Versagen der Deutschen“.
Auch politisch hatte das Massaker erhebliche Folgen. Als im Oktober 1972 eine Lufthansa-Maschine entführt wurde und die Täter die Freilassung der drei überlebenden Münchner Terroristen verlangten, gab die Bundesregierung nach. Die Gefangenen wurden ausgeflogen. In Israel löste diese Entscheidung Empörung aus und führte zu einer schweren Belastung der deutsch-israelischen Beziehungen.
Das Münchner Attentat veränderte schließlich die Sicherheitsarchitektur beider Staaten. Israel baute den Schutz seiner Bürger im Ausland und seine Antiterrorstrukturen massiv aus. In Deutschland wurde als Konsequenz aus dem erkennbaren Versagen die Spezialeinheit GSG 9 geschaffen.
München 1972 blieb damit nicht nur ein Terroranschlag mit elf israelischen Todesopfern. Die Ereignisse offenbarten zugleich, wie verheerend mangelnde Vorbereitung, fehlende Spezialkräfte und gravierende operative Fehler in einer Geisellage sein können.
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