Von Handelsbeziehungen zu Terrornetzwerken: Der lange Schatten deutscher Iran- und Afghanistan-Politik

Die Sehitlik-Moschee untersteht heute der DITIB und somit der türkischen Religionsbehörde DIYANET und letztlich dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.
© BIRGIT GÄRTNER

Die Geschichte des Islams in Europa ist eine Geschichte von terroristischer Macht, Blutvergießen und Unterwerfung, von Eroberungs- und Rückeroberungsfeldzügen, inklusive Kreuzzüge und Reconquista. Beide waren sicher keine Friedensmissionen, aber sie waren Reaktionen auf den muslimischen Weltherrschaftsanspruch. Statt daraus zu lernen, wurde dem Islam später der rote Teppich ausgerollt. Beziehungen wurden geknüpft und ausgebaut, statt Soldaten kamen Prediger und statt Schützengräben auszuheben, wurden Moscheen errichtet. Diese zogen wieder Soldaten an, Glücksritter im Auftrag Allahs im Feldzug gegen den Westen sowie gegen den aufgeklärten, freiheitlichen Lebensstil; und wieder herrscht Krieg: Gegen Frauen, gegen Juden, gegen Christen, gegen Apostaten, gegen Konfessionslose, gegen Homosexuelle, sogar gegen säkulare Muslime – vor allem Musliminnen. An den Beispielen Afghanistan und Iran lässt sich aufzeigen, wie politische und ökonomische Interessen gepaart mit Naivität zum gesellschaftlichen Desaster und zur existentiellen Bedrohung für die Gegner und Kritiker des Islams wurden. (JR)

Von Birgit Gärtner

Die Anfänge der Beziehungen zum Iran und Afghanistan reichen mehr als ein Jahrhundert zurück: 1868 wurde der Grundstein für eine Kooperation zwischen dem Technologiekonzern Siemens und dem Iran gelegt; 1915 reisten Gesandte des Deutschen Reichs in das damalige Königreich Afghanistan. Ziel war es, das damalige britische Protektorat gegen das Vereinigte Königreich aufzubringen und somit die Position Englands im Ersten Weltkrieg zu schwächen. Die Mission scheiterte, dennoch entstand reger Handel sowohl mit dem Iran als auch Afghanistan. Hamburg als Hafenstadt bot dafür beste Möglichkeiten. Das führte dazu, dass sich persische und afghanische Kaufleute in der Hansestadt niederließen, gefolgt von Studenten; heute beherbergt diese eine der größte iranischen als auch afghanischen Communities in Europa. Doch beim Handel blieb es nicht, mit den Kaufleuten kam auch der Islam – und unterdessen die Angst. Denn längst sind es nicht mehr nur hehre Absichten, die Afghanen, Iraner – und auch schiitische Iraker – nach Deutschland führen, wie in der vergangenen Ausgabe in dem Artikel „Die unsichtbaren Netzwerke der iranischen Revolutionsgarden in Europa“ geschildert. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Anfängen der Beziehungen zu beiden Ländern.

Doch die Geschichte des Islams in Europa, auch auf damaligem deutschem Staatsgebiet, begann viel früher: Als erste urkundlich belegte Begegnung zwischen dem „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ und der islamischen Welt gilt ein Besuch muslimischer Gesandter bei Kaiser Karl dem Großen im Jahr 788. Im 8. Jahrhundert eroberten islamische Truppen Frankreich und das zum „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ gehörige Frankenreich südlich der Loire. Die folgenden Jahrzehnte waren eine lange Phase islamischer Eroberung und fränkisch/deutscher Rückeroberung. Nichtsdestotrotz tauschten Karl der Große und der Kalif von Bagdad, Hārūn ar-Raschīd, Gesandtschaften und Geschenke aus.

Danach folgten Jahrhunderte blutiger Kämpfe, inklusive Kreuzzüge und Reconquista. 1529 kam es zur ersten und 1683 zur zweiten Belagerung Wiens durch Osmanische Truppen. Nach der zweiten Belagerung Wiens kamen muslimische Soldaten als Kriegsgefangene auch ins Deutsche Reich. Während die meisten Gefangenen zwangsgetauft wurden oder zurückkehrten, verblieben einige im Land. Die ältesten physischen Zeugnisse islamischen Lebens sind zwei erhaltene Grabsteine aus den Jahren 1689 (in Brake bei Lemgo) und 1691 (in Hannover).

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