Sammy Woodhouse: Vom Opfer zur Anklägerin der Grooming-Gangs in Großbritannien

Sammy Woodhouse bietet den Grooming-Gangs standhaft die Stirn.


Im Juni veröffentlichte der britische Abgeordnete Rupert Lowe, Vorsitzender der Partei „Restore Britain“, einen 219 Seiten starken Bericht zu organisierten Vergewaltigungsgangs in Großbritannien. Danach wurden seit den 1950er Jahren mindestens 250.000 Mädchen an 149 Orten in UK vornehmlich von muslimischen Männern missbraucht und vergewaltigt. Die Jüdische Rundschau sprach mit der Chefautorin dieses Berichtes, die Überlebende Sammy Woodhouse, die 2013 als Erste den Rotherham-Skandal öffentlich machte, wo allein ca. 1400 Mädchen missbraucht worden sind. Sie beschreibt ein verbrecherisches System, in dem Polizei, Sozialdienste und Behörden systematisch wegsahen, um nicht als rassistisch oder islamophob zu gelten. (JR)

Von Collin McMahon

Sammy Woodhouse: Ich wurde 1985 in der Kleinstadt Rotherham geboren, in Nordengland, als jüngste von drei Töchtern. Als Kind war ich sehr selbstbewusst, beliebt und sportlich. Ab 4 Jahren war ich Tänzerin. Ich war in einem Team und bin mit ihnen im ganzen Land herumgereist.

Jüdische Rundschau: Die Mutter ist mitgereist?

Ja, meine Schwestern und meine Oma auch. Ich wollte die beste Tänzerin der Welt werden. Ich habe jeden Tag geübt, bis ich etwa 12 war, dann hat sich das Tanzteam aufgelöst. Danach habe ich nur noch mit Freundinnen auf der Straße abgehangen. Kurz nach meinem 14. Geburtstag war ich mit einer Freundin am Laden an der Ecke, als ein silberner Astra die Straße hochfuhr. Meine Freundin kannte ihn. Er hieß Arshid Hussain. Er war 24 und gerade aus dem Gefängnis gekommen. Meine Freundin kannte einige seiner Brüder und Schwestern, ich kannte einen seiner Brüder. Er fragte uns, ob wir mitfahren wollten. Wir sagten ja. Das war der Moment, der mein Leben für immer verändert hat.

Ab 1999 wurde ich mehrere Jahre lang psychisch, körperlich und sexuell missbraucht. Ich war monatelang von zu Hause weg. Meine Eltern haben die Polizei gerufen, weil ich spät nach Hause kam und immer wieder verschwand.

JR: Wie ist das genau abgelaufen? Er hat Sie im Auto mitgenommen, und dann?

Ja, wir sind zu einer Wohnung in Masbrough gefahren, nicht weit von meinem Wohnort. Mein Dad hatte dort früher ein Geschäft, deshalb kannte ich die Gegend. Von dieser Nacht an war ich sechs Jahre lang fast jede Nacht bei ihm.

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