Der neue Juden-Boykott tarnt sich heute als Israelkritik

Das Feinberg‘s in Berlin serviert köstliche israelische Speisen, trotz antisemitischer Anfeindungen. © BIRGIT GÄRTNER
Es klingt wie ein Echo aus einer dunklen Vergangenheit: Hotels weisen Juden ab, Vermieter verlangen politische Unterwerfungserklärungen gegenüber Israel, jüdische Restaurants werden boykottiert, beschmiert, schlecht bewertet und wirtschaftlich unter Druck gesetzt. Der alte Bäder-Antisemitismus, der einst mit „judenfreien“ Kurorten warb, kehrt im Gewand des modernen Anti-Israel-Aktivismus zurück. Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 zeigt sich wieder, wie dünn der zivilisatorische Firnis in Europa geworden ist, wenn es um Juden oder den jüdischen Staat geht. Wer verhindern will, dass Juden in Europa erneut verdrängt, ruiniert und eingeschüchtert werden, darf nicht feige schweigen, sondern muss mutig und sichtbar an ihrer Seite stehen. (JR)
Angeblich hatte das „Hotel zum Hirschen“ in Lam im Landkreis Cham mit Fake-Buchungen zu kämpfen, also Buchungen, die getätigt wurden, aber keine Gäste erschienen. Das wäre ein massiver ökonomischer Schaden für das Hotel. Außerdem sei laut Besitzer versucht worden, auf diese Weise, „vertrauliche Daten des Hotels zu erschleichen“.
Als dann eine Anfrage eines Israelis über das Buchungsportal „Booking.com“ kam, wurde die Anfrage in die Kategorie „Fake“ einsortiert. Doch statt sie zu ignorieren, wurde sie mit den Worten „Sorry, there are no jews allowed in our hotel“ beantwortet. Talya Lador, die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, erfuhr davon und machte den Fall auf der Plattform „X“ publik. Darauf reagieren das israelische Nachrichtenportal „ynet Global“ sowie der israelische Influencer Hen Mazzig und die „Times of Israel“ berichtete darüber. Mit anderen Worten: Die Geschichte war rum, das Hotel war durch. „Booking.com“ reagierte sofort und entfernt das Hotel aus der Angebotsliste. Dem „Bayerischen Rundfunk“ (BR) gegenüber erklärte der Anbieter:
"Unsere Mission bei Booking.com ist es, es für alle einfacher zu machen, die Welt zu entdecken – wir dulden keinerlei Diskriminierung. Wenn wir auf diskriminierendes Verhalten eines Unterkunftspartners aufmerksam gemacht werden, gehen wir dem immer umgehend nach und können Unterkünfte von unserer Plattform entfernen – so wie wir es auch in diesem Fall getan haben."
Von der Geschichte bekam schließlich auch die zuständige Polizei Wind und das „Fachkommissariat Staatsschutz der Kriminalpolizei Regensburg“ nahm im engen Austausch mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf. Laut BR „wurde geprüft, ob und was für Delikte vorliegen“.
In den sozialen Medien wurde der Fall ebenfalls diskutiert und es wurde erwartet, dass das Hotel den zuständigen Mitarbeiter zur Verantwortung ziehen und entlassen würde. Schließlich stellte sich indes heraus, dass die Antwort an den Israeli vom Juniorchef geschrieben wurde. Dieser versuchte dem BR gegenüber, den Vorfall mit dem hohen Stresslevel zu bagatellisieren und redete sich damit raus, dass er viel zu tun gehabt und nebenbei geantwortet habe. Der Juniorchef konnte schlecht entlassen werden.
Doch welcher Stress sollte derartige antisemitische Entgleisungen legitimieren? Solche Sätze schreibt wer solche Sätze denkt.
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