Israel: Kein Jude mit zitternden Knien

Schon Theodor Herzl erkannte, dass die Assimilation den europäischen Juden keinen dauerhaften Schutz vor Verfolgung bot.© © COLLECTION ROGER-VIOLLET / ROGER-VIOLLET VIA AFP
Zum ersten Mal in der Geschichte leben mehr Juden in Israel als in der Diaspora. Was manchem wie eine statistische Randnotiz erscheinen mag, ist in Wahrheit eine historische Zäsur von epochaler Bedeutung. Zwei Jahrtausende der Zerstreuung, der Verfolgung, der Abhängigkeit von der Gnade anderer Völker — und nun dies: eine jüdische Mehrheit im jüdischen Staat. Israel ist nicht mehr das Land, in das Juden fliehen. Es ist das Land, in dem Juden leben wollen. Und während jüdisches Leben in der Diaspora — in Europa, in Amerika — zunehmend unter Druck gerät, wächst Israel. Demografisch, militärisch, wirtschaftlich. Ein Volk, das gelernt hat, sich zu behaupten. (JR)
In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts erkannte Theodor Herzl eine Wahrheit, gegen die sich viele seiner Zeitgenossen noch immer sträubten: Die Emanzipation in Europa hatte die Notlage der Juden nicht behoben. Die Pogrome, die Demütigungen und die periodischen Ausbrüche von Hass waren keine Ausnahmen; sie waren strukturell bedingt. Herzl kam zu dem Schluss, dass die einzige dauerhafte Antwort auf zwei Jahrtausende der Verletzlichkeit die Souveränität in der jüdischen Heimat sei, gestützt durch die Fähigkeit zur Selbstverteidigung.
Diese Idee – einst als utopisch, radikal oder undurchführbar abgetan – wurde zur Grundlage des modernen Staates Israel.
Etwa zur gleichen Zeit reagierte der Dichter Haim Nachman Bialik auf das Pogrom von Kischinew 1903 mit einer vernichtenden Anklage: „In der Stadt des Gemetzels“. Seine Zurechtweisung richtete sich nicht nur gegen die Mörder. Sie richtete sich nach innen. Er geißelte eine jüdische Kultur der Passivität, die durch Jahrhunderte des Exils geprägt worden war: Juden, die sich versteckten, flehten, ertrugen, überlebten, aber keinen Widerstand leisteten. Seine Worte waren nicht sanft. Sie sollten ein Volk aus Gewohnheiten aufrütteln, die existenzbedrohend geworden waren.
Herzl bot eine politische Lösung an. Bialik stellte eine moralische und kulturelle Herausforderung.
Was sie damals sahen, kommt uns heute beunruhigend vertraut vor.
Sie können diesen Artikel vollständig in der gedruckten oder elektronischen Ausgabe der Zeitung «Jüdische Rundschau» lesen.
Vollversion des Artikels
Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Hier können Sie
die Zeitung abonnieren,
die aktuelle Ausgabe oder frühere Ausgaben kaufen
oder eine Probeausgabe der Zeitung bestellen,

in gedruckter oder elektronischer Form.
Sehr geehrte Leser!
Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:
alte Website der Zeitung.
Und hier können Sie:
unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen
in der Druck- oder Onlineform

Werbung










.jpg)



