ESC: Europas Kulturszene im Bann des Israel-Hasses

Noam Bettan erzielte mit dem Lied „Michelle“ trotz massiver Anfeindungen den zweiten Platz beim ESC in Wien.© TOBIAS SCHWARZ / AFP
Der Eurovision Song Contest galt einst als Symbol europäischer Verständigung nach den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs. Heute jedoch wird die Bühne immer häufiger zum Schauplatz judenfeindlicher Agitation und ideologischer Boykottkampagnen. Spanien, Irland, die Niederlande und Slowenien boykottierten den ESC 2026 in Wien, weil Israel teilnehmen durfte. Künstler aus Israel werden ausgepfiffen, diffamiert und unter Generalverdacht des Völkermords gestellt. Das Publikum weltweit sah das anders: Israels Vertreter Noam Bettan gewann das Televoting mit Abstand — doch die bewusst gegen Israel voreingenommenen Jurys, abhängig von jenen Staaten, die Israelhass zur Kulturpolitik erhoben haben, werteten gegensätzlich genug, um Israel den Sieg zu verwehren. Die ehrliche Entscheidung traf das Publikum — die unehrliche die Jurys. Selbst der Terror der Hamas vom 7. Oktober änderte nichts daran, dass große Teile der europäischen grün-linken Kulturszene weiterhin lieber Israel anklagen als islamischen Judenmord zu verurteilen. Führend bei den Boykott-Rufen trat auch in diesem Jahr Spanien in Erscheinung. Dabei ist gerade dieses Land zum europäischen Zentrum des linken Antisemitismus mutiert. Ausgerechnet jenes Land, das 1492 mit dem Alhambra-Edikt die Vertreibung der Juden einleitete, das unter Franco als Hitlerverbündeter und Hitlerfreund agierte, und über die Inquisition jahrhundertelang religiöse Verfolgung betrieb, stilisiert sich heute erneut zur moralischen Instanz gegen den jüdischen Staat. (JR)
Ein zweiter Platz für Noam Bettan und seine „Michelle“ beim ESC in Wien - wäre es nach dem Publikum vor den Fernsehern gegangen, hätte es gar für den ersten Platz gereicht. Das Lied ist populär: Im Netz liegt inzwischen eine von Chabad mit Augenzwinkern gestaltete „koschere“ Variante auf Jiddisch vor und sogar auf Arabisch wird der Dame nun Noams Liebe erklärt. Auch Yuval Raphael – die das Lied komponiert hat – lag mit ihrem Song „A New Day will Rise“ in der Publikumsgunst 2025 bei ESC ganz vorn. Wie kann das sein? Gibt es etwa in Europa eine schweigende Minderheit, die Israel nicht hasst oder einfach gute Musik zu schätzen weiß? Oder ist – wie man im Netz munkelt – üble zionistische Manipulation am Werke? Von gekauften Stimmen ist die Rede oder programmierten Bots.
Die „TAZ“ schimpfte über das Abstimmungssystem, das Israel angeblich begünstige, gab aber zähneknirschend zu, auch die Qualität des Beitrags sei mitverantwortlich für den Erfolg. Gar trainierte Mossad-Hunde brachten Satiriker ins Spiel – in Anspielung auf eine von Israel-Hasserin Francesca Albanese verbreitete Horrorgeschichte – , die für Noam Bettan beim Publikums-Voting aus ganz Europa angerufen hätten. Es durfte wieder einmal nicht wahr sein, was den „Palästina“-Aktivisten nicht gefiel, nämlich die zumindest schweigende Zustimmung für den jüdischen Staat. Die Künstler aus dem mehrheitlich muslimischen Albanien jedoch schwiegen vor Ort nicht, sondern erklärten sich mit den israelischen Musikern solidarisch. Ein kleiner Lichtblick.
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