The Handmaid’s Tale: Westliche Feministinnen blenden den Iran aus

Das Schicksal der Frauen in „The Handmaid’s Tale“ wird von linken Aktivisten gerne im Protest gegen die Trump-Regierung in Stellung gebracht.© MANDEL NGAN/ AFP
Bei Protesten gegen Donald Trump werfen sich westliche Aktivistinnen gern in die roten Gewänder aus „The Handmaid’s Tale“ und inszenieren sich als Kämpferinnen gegen Unterdrückung. Doch angesichts der realen Dystopie im Iran bleiben diese Roben im Schrank – und der Protest gleich mit. Margaret Atwoods Roman entwirft einen totalitären Gottesstaat, in dem Frauen entrechtet und zu bloßen Gebärmaschinen degradiert werden. In der fiktiven Republik Gilead stehen sie unter der totalen Kontrolle eines religiös-autoritären Regimes. Die roten Gewänder sind zum Symbol dieser Unterdrückung geworden – im Westen jedoch vor allem zu einem bequemen Accessoire politischer Selbstinszenierung. Denn während man sich hierzulande medienwirksam empört, herrscht im Iran seit 1979 genau jene Realität, die Atwood beschreibt: Zwangsverschleierung, systematische Entrechtung, Verfolgung und staatlich organisierte Gewalt gegen Frauen. Doch dazu bleibt es auffällig still. Diese selektive Empörung ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer tief verwurzelten Doppelmoral. Es geht vielen dieser grünen, linken und woken Protagonisten offenkundig nicht um die Rechte von Frauen an sich, sondern um ideologisch opportunen Protest gegen den eigenen Westen. Wo es unbequem wird – etwa gegenüber islamischen Regimen –, verstummt der vermeintliche Feminismus. Wer Frauenrechte ernst meint, darf nicht dort laut sein, wo es risikolos ist, und schweigen, wo Frauen tatsächlich leiden. Alles andere ist keine Solidarität, sondern Heuchelei. (JR)
Immer wieder, wenn in den letzten Jahren Demonstrationen im Westen, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika, stattgefunden haben, bei denen vermeintliche oder tatsächliche sexistische Politik angeprangert wurde, bedienen sich Demonstrantinnen oft einer Symbolik aus der Serie „The Handmaid’s Tale“, basierend auf dem Roman von Margaret Atwood („Der Report der Magd“). Besonders bei Protesten gegen Donald Trump wird dieses Bild häufig verwendet: Die Demonstrantinnen kleiden sich in rote Umhänge mit weißen Kopfbedeckungen, da dies die Darstellung von Unterdrückung und Kontrolle in der Serie ist. In der dystopischen Welt der Serie symbolisiert diese Kleidung die vollständige Kontrolle eines religiös-autoritären Staates über den Körper und das Leben von Frauen.
Warum eigentlich nutzen diese Demonstrantinnen immer wieder ein Bild aus der Fiktion, obwohl es doch seit Jahren reale Reportagen von Frauen gibt? Seit 1979 existiert im Iran ein Regime, in dem viele der dystopischen Elemente von „Handmaid’s Tale“ Realität sind: rechtliche Diskriminierung und strukturelle Unterdrückung von Frauen, inklusive der Umhänge und Kopfbedeckungen. Allerdings sind diese im Iran schwarz und nicht rot und weiß. Im Iran braucht es keine Kostümierung oder fiktionale Serie, um auf das Ausmaß der Unterdrückung hinzuweisen; die Realität ist dort täglich erlebbar, und das seit mittlerweile über 45 Jahren. Die Kleiderordnung ist Teil eines umfassenden Systems religiöser Vorschriften, die durch staatliche Institutionen und Sicherheitskräfte kontrolliert und durchgesetzt werden.
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