Deal mit Signalwirkung: Volkswagen vor Rüstungsdeal mit Rafael

Zwischen Volkswagen und dem israelischen Rüstungskonzern Rafael bahnt sich derzeit ein historischer Industrieauftrag an: Ein deutsches Traditionsunternehmen könnte sich damit an der Fertigung von Komponenten für jenes Abwehrsystem beteiligen, das Israels Menschen tagtäglich vor Raketenangriffen der Mörder-Mullahs und der Terror-Banden Hamas und Hisbollah schützt. Die Teile für das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ würden im Werk Osnabrück produziert werden. Für den angeschlagenen VW-Konzern wäre es eine wirtschaftliche Chance, für Israel ein strategischer Zugewinn und für Deutschland die seltene Gelegenheit, seine vielbeschworene Staatsräson endlich praktisch unter Beweis zu stellen.

Von Chaim Noll

Volkswagen, Europas größter Automobilhersteller, so lautete im März die Meldung in mehreren israelischen Zeitungen, „befindet sich in Verhandlungen mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael“. Die israelischen Zeitungen zitieren ihrerseits die Financial Times, die, „unter Berufung auf mit den Verhandlungen betrauten Quellen“, als erste über die Gespräche berichtet hatte. Die Gespräche betreffen die Herstellung von „Komponenten“ des Raketensystems Iron Dome, das als „Eckpfeiler des israelischen Zivilschutzes im aktuellen Konflikt“ bezeichnet wird.

Geplant ist die Produktion von Spezialfahrzeugen für den Transport von Abfangraketen. Iron Dome ist ein mobiles Raketenabwehr-System, das sich in speziellen Trucks schnell bewegen kann, neben dem eigentlichen Raketenwerfer gibt es noch eine Radareinheit und ein Kontrollzentrum, beide in besonderen Fahrzeugen, so dass für jede Einheit drei sehr spezielle Fahrzeuge gebaut werden müssen. Außerdem geht es um „Teile für Startrampen und Stromgeneratoren“. Sollte eine Einigung erzielt werden, würden die Iron-Dome-Komponenten im Werk des Unternehmens in Osnabrück gefertigt.

Es wäre für beide Seiten, wie man in der Geschäftssprache sagt, eine win win Situation. Der Volkswagen-Konzern hatte in jüngster Zeit schwere Gewinneinbrüche zu verzeichnen, musste Tausende Mitarbeiter entlassen und ganze Fabriken stilllegen. Auch das Werk Osnabrück steht offenbar zur Disposition, sonst würde man dort nicht auswärtige Aufträge avisieren. Und für den israelischen Rüstungsgiganten Rafael wäre es gleichfalls eine günstige Lösung, denn in Israel fehlt es an Platz für weiträumige Fertigungsstätten, so dass man immer bemüht ist, große Objekte im Ausland herstellen zu lassen. So werden zum Beispiel große israelische Drohnen in Indien produziert. Auch deutsche Firmen liefern schon seit einiger Zeit Bestandteile für israelische Waffen.

 

Volkswagens dunkle Vergangenheit

Es gibt natürlich auch Gegner solcher Projekte. Die Zeitung Yediot Acheronot erinnerte pflichtschuldig daran, dass die Firma Volkswagen „im Rahmen der Bemühungen zur Stabilisierung der deutschen Wirtschaft unter Adolf Hitler“ gegründet worden sei, also von Herkunft ein Nazi-Unternehmen, wie die ganze Stadt Wolfsburg. Doch ich bezweifle, dass solche Mitteilungen auf die eher pragmatische israelische Jugend – und diese Nation besteht zu zwei Dritteln aus unter 35jährigen – noch großen Eindruck machen.

Auch in Deutschland dürfte es Gegner geben, einmal unter deutschen Nationalisten, die es als Schmach betrachten, wenn ein deutscher Qualitätsbetrieb als Zulieferer israelischer Firmen fungiert (ja, solche Leute gibt es, man findet sie zum Beispiel im Leserforum liberaler Leitmedien) oder unter linken Kriegsgegnern und Antizionisten, die Israel für eine gewalttätige Besatzungsmacht halten, deren Rüstungsindustrie man auf keinen Fall unterstützen dürfe. Das nützt es nicht viel, zu betonen, dass es sich bei israelischen Raketensystemen um reine Verteidigungswaffen handelt (ganz anders als beim Iran, der nur Angriffswaffen produziert, so dass dieses hochgerüstete Land nicht mal seinen eigenen Luftraum verteidigen kann) und dass, wie die Zeitungsmeldungen vorsorglich betonen, im Fall einer Übereinkunft Volkswagen keinen Anteil an der eigentlichen Raketenproduktion haben würde.

 

Wirtschaftliche Kooperation hilft Wunden heilen

Die Macht der Gegner des Projekts, fürchte ich, dürfte auf der deutschen Seite weitaus größer sein als auf der israelischen, so dass ich vermute, dass, falls das Projekt scheitern sollte, es eher von deutscher Seite torpediert wurde als von israelischer. Solche Spekulationen sollte ich vielleicht besser für mich behalten. Vielleicht auch die ganze Mitteilung, dass ein solches Vorhaben überhaupt im Entstehen ist. In großen deutschen Medien kann man jedenfalls kaum etwas darüber lesen, als handle es sich um einen anrüchigen, wenn nicht sogar schändlichen Deal.

Ich befürworte solche Projekte aus einem besonderen Grund: Wirtschaftliche Kooperation hilft Wunden heilen. Ich spreche mich seit Jahren dafür aus, das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland von der Fixierung auf vergangene „Schuld“ zu befreien, zumal heute, da die Bürger beider Staaten die Enkel und Urenkel der „Täter“ respektive „Opfer“ sind und es Zeit wird, zwischen Deutschland und Israel ein neues, produktives und zukunftsorientiertes Verhältnis aufzubauen.

In zehn Jahren wird fast niemand mehr leben, der an den Verbrechen beteiligt, beziehungsweise von ihnen betroffen war. Israel hat es längst mit neuen Bedrohungen zu tun, auch Deutschland ist eher ein bedrohtes als ein bedrohliches Land. Wenn der Volkswagen-Konzern in Wolfsburg und die Firma Rafael in Haifa in der Produktion eines Raketensystems zur Landesverteidigung kooperieren wollen, halte ich das für ein hoffnungsvolles, positives Projekt.

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