Die Freude des achten Tages

Warum Schmini Atzeret gefeiert wird und welche innere Verbindung dieses Fest mit Simchat Tora hat

Seit dem 14. Jahrhundert wird an Simchat Tora die Vorlesung der Tora, der fünf Bücher Moses, beendet und sogleich wieder mit dem ersten Abschnitt des ersten Buches von neuem begonnen.© JACK GUEZ , AFP

Von Rabbiner Elischa Portnoy

Ein israelischer Bekannter von mir pflegt in seiner Rede an Schmini Atzeret folgenden Witz zu erzählen: „Kinder in jüdischen Kitas basteln zu jedem jüdischen Fest etwas: Seder-Keara für Pessach, den Berg Sinai für Schawuot, einen Schofar für Rosch Haschana und eine Laubhütte für Sukkot. Was haben eure Kinder für euch zu Schmini Atzeret gebastelt?“

Dieser Witz kommt immer gut an, weil die Eltern dabei verlegen lachen müssen. Und tatsächlich werden wir zu diesem Fest von unseren Kindern wohl niemals etwas gebastelt bekommen. Und das nicht ohne Grund: Wenn man jemanden fragt, wofür Schmini Atzeret steht, würden sogar diejenigen, die sich im Judentum auskennen, nicht sofort eine Antwort parat haben.

Tatsächlich ist es nicht so einfach, die Bedeutung und den Sinn dieses Jom Tovs zu verstehen, wenn man allein den Text der Tora betrachtet. Denn er wird auf eine sehr „diskrete“ Weise beschrieben. Alle unsere Feiertage werden an mehreren Stellen in der Tora erwähnt, mit einer Ausnahme: Schmini Atzeret. Es ist nicht nur so, dass dieses Fest nur zwei Mal in der ganzen Tora erwähnt wird, sondern dass die Beschreibung des Festes ausgerechnet im Wochenabschnitt „Pinchas“ steht, wo die zu den Feiertagen zugehörigen Opfer aufgelistet sind!

Die ganze Beschreibung von Schmini Atzeret besteht aus insgesamt vier Versen. Zu den drei Versen, die Tier- und Wein-Opfer beschreiben, gibt es nur einen anleitenden Vers: „Am achten Tage sollt ihr Festversammlung haben, keine Arbeitsverrichtung sollt ihr tun“. Und das war’s eigentlich. Keine Begründung für das Feiern, keine dazugehörigen Gebote (wie zum Beispiel Matza an Pessach oder Laubhütte zu Sukkot). Es fehlt jegliche erklärende Information.

 

Der Achte oder der Einzige?

Schon der Name des Festes gibt uns das Rätsel auf. „Schmini Atzeret“ – „die Versammlung am achten Tag“. Am achten Tag vom was? Das vorangegangene Fest „Sukkot“ dauert insgesamt sieben Tage, deshalb sollte alles, was nach diesen sieben Tagen passiert, mit Sukkot nichts mehr zu tun haben. Jedoch deutet der Ausdruck „am achten Tag“ daraufhin, dass Schmini Atzeret doch eine Verbindung zu Sukkot besitzt. Trotzdem ist diese „Versammlung am achten Tag“ laut dem jüdischen Gesetz (Halacha) ein eigenständiger Feiertag und wird bei Eingang mit dem gleichem Kiddusch geheiligt wie alle anderen Feste.

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