Das kürzliche Gipfeltreffen in Kuala Lumpur offenbart den desolaten Zustand der islamischen Welt

Die viel beschworene Einheit der islamischen Welt existiert nicht – stattdessen gab es jede Menge Propaganda.

Gespielte moslemische Harmonie: Treffen in Kuala Lumpur im Dezember 2019© Azraf Affandi AZLAN / DEPARTMENT OF INFORMATION / AFP

Von Oliver M. Piecha

Die islamisch geprägten Teile der Welt sind in keinem besonders guten Zustand, was sich auch in den Treffen islamischer Staaten niederschlägt. Die haben den Ruf, vor allem die Uneinigkeit untereinander sichtbar werden zu lassen, nichts als bedeutungslose Propaganda zu fabrizieren, aber ganz sicher niemals eines zu tun: sich konstruktiv mit den gravierenden Problemlagen der eigenen Gesellschaften zu beschäftigen. Für diese Dauermisere hat das gerade zu Ende gegangene islamische Gipfeltreffen in Kuala Lumpur ein perfektes Beispiel geliefert. Vor allem, weil diesmal ja alles anders sein sollte.

 

„Modell menschlicher Zivilisation“

Mahathir Mohamad, der Gastgeber und malaysische Ministerpräsident, gab sich bei der Zielsetzung des Treffens sehr selbstkritisch: Die islamische Welt sei nicht länger „die Quelle menschlichen Wissens oder das Modell menschlicher Zivilisation“. Wenn es so weitergehe, werde „unsere große Religion als eine Religion des Scheiterns, der Unterdrückung und des Terrorismus verunglimpft“. Der desaströse Zustand der islamischen Gemeinschaft, der „Ummah“, sollte im Zentrum der Beratungen stehen:

„Heute ist die Ummah mit Unterdrückung, der Inhaftierung von Millionen Menschen, Internierungslagern, Bürgerkriegen, der völligen Zerstörung von Städten und Nationen, der Massenmigration von vertriebenen Muslimen in nichtmuslimische Länder, dem Aufkommen von Islamophobie und irrationalen Praktiken konfrontiert, die den Grundsätzen des Islam entgegenstehen, aber doch im Namen des Islam verkündet werden.“

In der Tat, eine Welt des Elends, der Perspektivlosigkeit und Verzweiflung. Sich die gegenwärtige islamische Staatenwelt auch nur irgendwie als Grundlage für ein vielversprechendes „Modell menschlicher Zivilisation“ vorzustellen, ist wahrlich schwer. Bezeichnend ist der Anspruch aber allemal – darunter will man es nicht machen. Dabei wurde bereits mit Eröffnung des Treffens auch schon das Schisma offenbar, dass das ständige hübsche Gerede von der islamischen Gemeinschaft, der Ummah, sofort selbst ad absurdum führte. Die Saudis sagten ab oder waren erst gar nicht eingeladen, wären aber ohnehin nicht gekommen, weil auch die Iraner eingeladen waren.

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