Torah, Mizwot und Verantwortung

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Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden – Philosophen, Herrscher und Ideologien haben darauf unterschiedlichste Antworten gegeben. Die jüdische Tradition hingegen versteht den Menschen seit jeher als verantwortliches Wesen, das dazu berufen ist, die Welt mitzugestalten, moralisch zu handeln und der Schöpfung Sinn, Ordnung und Menschlichkeit zu verleihen. Der folgende Beitrag zeigt eindrucksvoll, wie Torah, Mizwot und ethisches Handeln nicht nur das Individuum formen, sondern auch das Zusammenleben der Menschen prägen sollen. Dabei wird deutlich: Nicht Macht, Besitz oder Vergnügen stehen im Zentrum des menschlichen Lebens, sondern Verantwortung – gegenüber den Mitmenschen, der Welt und den moralischen Maßstäben, die das Judentum seit Jahrtausenden vermittelt. (JR)
Wir alle möchten ein sinnvolles Leben führen. Deshalb müssen wir uns zuerst die Frage stellen: Warum leben wir? Warum sind wir auf dieser Welt?
Eine Antwort auf diese Frage finden wir im Buch des Lebens, der Tora. Die Tora wird Torat Chaim (lebendige Tora) genannt. Das Wort „Tora“ bedeutet „Anleitung“ oder „Führung“ und macht die Tora zu unserer Lebenshilfe. Indem sie unsere Pflichten benennt, definiert die Tora den Sinn unseres Lebens und zeigt Wege zu dessen Erfüllung.
Die Erschaffung des Menschen
Die Tora beginnt mit der Genesis. Als Adam erschaffen wurde, unterrichtete der Schöpfer ihn direkt über seine zukünftigen Aufgaben. G-tt sprach zu ihm, dass sein Lebenssinn im Folgenden bestehe: „Erfülle die Welt und erobere sie. Herrsche über die Fische des Meeres, die Vögel der Luft und über jedes lebendige Ding, das sich auf der Erde bewegt.“ (Genesis 1:18).
Dem Menschen wurde viel Kraft gegeben, um die ganze Welt zu erobern und sie auf dem Land, im Meer und in der Luft zu beherrschen. Dies zu tun, sollte fortan Adams Aufgabe und Pflicht sein.
Wie sollte diese „Welteroberung“ erfolgen, und worin liegen ihr Sinn und ihre Bedeutung?
Unsere Weisen sagen, dass Adams ganzes Wesen bei seiner Erschaffung von der g-ttlichen Seele durchdrungen war. Damit erhob ihn G-tt zum Herrscher über die gesamte Schöpfung. Nun kamen alle Geschöpfe zusammen, um Adam als ihrem Schöpfer zu dienen. Aber Adam sagte: “Last uns alle zusammenkommen, um nicht mich, sondern G-tt, unseren Schöpfer, anzubeten“.
Die „Welteroberung“, die dem Menschen als Aufgabe und Auftrag gegeben wurde, umfasste die ganze Natur, einschließlich der Tiere, die es nun zum Dienste der Menschheit zu erhöhen und zu verfeinern galt. Diese Menschheit sollte vom g-ttlichen Ebenbild, d.h. der Seele, die tatsächlich ein Teil G-ttes ist, durchdrungen und erleuchtet sein, damit die ganze Schöpfung erkennen sollte, dass G-tt unser Schöpfer ist.
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