Jüdisches Weltkulturerbe ohne Zukunft?

Rheinland-Pfalz freut sich über die Anerkennung der alten jüdischen Stätten in Worms, Mainz und Speyer als Weltkulturerbe. Von diesem Glanz ist heute leider nicht mehr viel übriggeblieben. Die Gegenwart für die jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz sieht nicht zuletzt aus demographischen Gründen eher düster aus (JR).

Außenwand des alten Judenhofes in Speyer

Von Victor Sanovec

Unter dem Titel „1700 Jahre Judentum in Deutschland“ wird derzeit über die Juden öffentlich gesprochen, und das mit wirklich viel Aufwand. In zahlreichen Artikeln, Sendungen und Veranstaltungen wurde viel über die Bedeutung des Judentums in der Vergangenheit gesagt, und um das Jubiläum zu feiern wurde sogar eine Briefmarke herausgebracht. Das praktische Stück des täglichen Lebensbedarfs ist versehen mit einem kurzen Satz in Hebräisch, der offensichtlich mit Mühe und Vorsicht ausgesucht worden ist: „Le chaim“, steht da, es bedeutet „auf‘s Leben!“. Ein oft verwendeter Trinkspruch, der auch gut zu den Weinbergen an Rhein und Mosel und zu einer fröhlichen Trinkrunde passt. Aber was genau hat es mit den Juden in Deutschland zu tun? Auf was sollten sie anlässlich des 1700-jährigen Jubiläums anstoßen?

Im Laufe der vergangenen 1700 Jahre hat die in Europa unter problematischen Umständen lebende jüdische Minderheit nicht nur einzelne herausragende Persönlichkeiten vorzuweisen. Im Mittelalter waren auch einige Städte am Rhein bekannt für ihr blühendes jüdisches Leben, dessen Bedeutung ihnen europaweit Ansehen verschaffte. In den Städten Speyer, Worms und Mainz, zusammen SchUM-Städte genannt, wurde um das Jahr 1000 der Begriff Aschkenasisches Judentum geprägt. So bezeichnet wurden die im jetzigen Deutschland und in Frankreich lebenden Juden, dem damaligen Zentrum Europas. Im Unterschied dazu nannten sich die Juden Spaniens Sefardim. In den SchUM-Städten Mainz, Speyer und Worms lebten und lehrten große Gelehrte. Herausragend war hier Rabbiner Gerschom ben Jehuda, genannt Leuchte des Exils, geboren in Metz. Er reformierte um das Jahr 1000 unter anderem das jüdische Eherecht. Auch Rabbiner Schlomo ben Jitzchak, besser als Raschi bekannter Kommentator des Talmudes, der aus Troyes stammte, lehrte hier neben vielen anderen.

Unter dem Titel SchUM-Städte haben sich die Stadt Mainz und die Landesregierung vor einigen Jahren um den UNESCO-Status als Weltkulturerbe beworben. Mit Erfolg, denn seit Ende Juli 2021 gehören die SchUM-Städte zu eben jenem UNESCO-Welterbe, ein Titel, der leider etwas an Glanz eingebüßt hat, gibt es doch alleine in Deutschland inzwischen über 50 solche Welterbestätten.

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