Juden und Muslime: Was sagt uns die Torah dazu?

Die Araber sehen Ismael als ihren Stammvater, die Juden Yitzhak. Was können wir aus der Geschichte der beiden Halbbrüder für die Gegenwart ableiten?

Das Bild „Abraham vertreibt Hagar und Ismael” des österreichischen Malers Joseph Danhauser (1835-1836)

Von E. Derewjantschenko

„Der größte Torah-Gelehrte aller Zeiten, Gaon von Wilna, schrieb in seinem Kommentar zur kabbalistischen Schrift Sifra de Tzniuta, dass absolut alles, was auf der Welt geschieht – in der Vergangenheit, Gegenwart und der Zukunft, in Texten der Torah verschlüsselt ist“, bemerkt Rav Nathan Agres. Ich fürchte, die Polizeiberichte unserer Zeit finden in der Torah ebenfalls ihre Bestätigung.

Die wichtigste Frage im heutigen Europa ist möglicherweise diese: Wie sollen die Beziehungen zu zahlreichen Vertretern der islamischen Welt ausgestaltet werden? Wie soll man die Masseneinwanderung der Muslime nach Europa bewerten? Die Antworten auf diese Fragen finden wir in der Torah.

Wir wissen: Im Judentum gilt Ismael, Sohn von Avraham und der ägyptischen Sklavin Hagar, als der Stammvater der arabischen – faktisch also der islamischen – Welt. Er ist Halbbruder von Yitzhak (Isaak), dem Sohn von Avraham und Sarah. Yitzhaks Söhne sind Jakov und Esaw, wobei Jakov der Urvater der 12 Stämme Israels ist, und Esaw als Gründer der europäischen Zivilisation gilt, deren Hauptreligion das Christentum ist. Sarah ist also deren Großmutter. „Großeltern schauen auf ihre Enkelkinder in einer weiter angelegten Perspektive“, lesen wir in den Texten von Toldot Yeshurun (Toldot Yeshurun ist eine in 2000 entstandene gemeinnützige Organisation für russischsprachige Juden, die Lernprogramme über das Judentum anbietet, - Anm. d. Übers.). Warum aber hat die derart weitsichtige Großmutter Ismael und dessen Mutter so rigoros aus dem Haus verbannt und weit weggeschickt? Warum hat Erzvater Avraham, der Ismael von Herzen liebte, den Willen seiner Frau so ergeben erfüllt?

Meines Erachtens geht die Torah auf zwei Aspekte ein in der Beziehung zwischen Ismael und Yitzhak, also zwischen Muslimen auf der einen Seite und Juden und Christen auf der anderen Seite. Kennzeichnend für den ersten Aspekt sind Ismaels Feindseligkeit und Aggressivität Yitzhak gegenüber, wobei Yitzhak hier sowohl Juden als auch Christen verkörpert. Ein Zusammenleben unter dieser Voraussetzung ist problematisch und gar gefährlich. Der zweite Aspekt in der Beziehung zwischen Ismael und Yitzhak tritt wesentlich später erst in Erscheinung: Als betagter Stammvater der islamischen Welt ist Ismael ein rechtschaffener Mensch. Dort, wo von der Beisetzung Avrahams berichtet wird, lesen wir den Namen Yitzhaks als ersten unter denjenigen, die den Leichnam des Erzvaters zur Ruhestätte geleiten (Bereschit, 25:9). Die Kommentatoren sehen dies als ein Beweis dafür, dass Ismael Buße tat und den Primat an Yitzhak abgab, ihn also als den wichtigsten der geistigen Erben Avrahams betrachtete. Eine weitere Bestätigung dessen liefert die Torah an der Stelle, wo es um Ismaels Tod mit 137 Jahren geht (Bereschit, 25:17):

Sowohl was Avraham als auch was Ismael anbelangt, wird die gleiche Form und Art des Sterbens überliefert, und in der Torah wird dieses Wort nur dann verwendet, wenn es sich um Gerechte handelt.

Der Umstand, dass sich der reifere Ismael von seinem Wesen her erheblich von dem noch jungen Isaak unterscheidet, könnte auf die Wahrnehmung der Korantexte zurückzuführen sein. Ein junger Mensch kann den Text lediglich wortwörtlich erfassen. Als erwachsener reifer Mann strebt Ismael nach wahrer Rechtschaffenheit und ist imstande, die tiefere Bedeutung zu begreifen. „Der Gedanke ist das Leuchtfeuer des Herzens; verschwindet dieses Licht, bleibt das Herz in der Dunkelheit.“ (Sheikh Ibn Ata Allah al-Iskandari, „Buch der Weisheiten“).

Heutzutage beobachten wir eine feindselige, aggressive Einstellung vieler Angehöriger der islamischen Welt gegenüber Juden und Christen, eine Einstellung, die wir auch vom jungen Ismael kennen. Daher reden wir jetzt über diejenigen Muslime, die den „jungen“ Islam verkörpern und ihre Verachtung und ihren Hass gegen Juden und Christen offen zeigen. Meiner Meinung nach weist die Torah auf die Unmöglichkeit eines gemeinsamen Weges hin, und zwar an zwei Stellen.

 

Die Vertreibung Ismaels

Ismael, der Sohn einer Sklavin, ist 16 Jahre alt. Sind das bei ihm lediglich die Wutausbrüche und die Brutalität eines Teenagers, sind das nur Eifersucht und Neid – da sein jüngerer Bruder, der Sohn der Herrin, von Liebe umgeben aufwuchs? Warum verlangt Sarah, dass Ismael und Hagar aus dem Haus vertrieben werden? Avraham liebt seinen Sohn doch! Und dennoch sagt Er zu Avraham, er solle auf Sarahs Stimme hören (Bereschit, 21:12). Der Ewige lässt Avraham keine Wahl, die Vertreibung Ismaels weit weg vom Stammvater der jüdischen und europäischen Zivilisation muss erfolgen und ist unabwendbar.

Hier gibt es keine Kompromisse, die von europäischen Politikern ohne Aussicht auf Erfolg angestrebt werden. Erfolglos möglicherweise deshalb, weil dabei das biblische Leitbild nicht bedacht wird? Die Gründe der Inkompatibilität Ismaels mit Juden und Christen wurden bereits vor Ismaels Geburt offenkundig. Hagar lief weg von Sarah, „und der Engel des Herrn fand sie an der Wasserquelle in der Wüste. […] Und der Engel des Herrn sprach zu ihr: ‚Du wirst einen Sohn empfangen und gebären. Und gebe ihm den Namen Ismael. Und er wird ein wilder Mensch sein. Seine Hand wird gegen jeden sein, und die Hand aller gegen ihn“ [aus meiner Sicht wird hier auf eine harte Konfrontation hingewiesen, - E.D.] (Bereschit, 16:7, 11 - 12). Dies liest sich wie eine kurze metaphorische Beschreibung des Verhaltens von Nomaden, der „Kinder der Wüste“, die lediglich ihren Stammesältesten / den „Häuptling“ respektieren, das Leben nicht zu schätzen wissen, tückisch gegenüber Fremden und stets zum Krieg bereit sind [aus der Publikationen der „Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches e. V.“ (1924–1937)] (die 1924 in Berlin gegründete „Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches e. V.“ war die erste und einzige bibliophile Vereinigung von Juden in Deutschland. Bis zu ihrer Auflösung 1937 hat sie etwa 80 Bücher aus allen Wissensbereichen der jüdischen Geschichte und Kultur herausgegeben sowie etwa 20 Zeitschriftenhefte und Vereinsmitteilungen. – Anm. d. Übers.)

„…die lediglich ihren ‚Häuptling‘ respektieren“: Daher ist für diese Menschen die Anerkennung durch den „Häuptling“ das Wichtigste. Weder analysieren noch kümmern sie sich darum, wie sich ihr Leben entfaltet. Ist dies vielleicht der Grund, dass die Torah Ismael, einen 16-jährigen Burschen, „das Kind“ nennt? Ebenfalls könnte Folgendes einer der Gründe dafür sein: „seine Hand gegen jeden“ – hier geht es um seine Taten, im Falle des jungen Ismaels um seine spürbare, gelebte Aggressivität, erzeugt durch die Ablehnung „aller“, die anders leben. Die Aggressivität und die Grausamkeit des jungen Islams wird außerdem durch die mächtigen Vertreter der islamischen Welt unterstützt, von denen nicht wenige bereits in Europa leben.

Der Psychologe Dr. Igor Furmanov weist auf folgende Zusammenhänge hin:

„Es ist hinlänglich bekannt und nachgewiesen, dass ein Kind, das bei seinem aggressiven Verhalten unterstützt und dafür gar belohnt wird, künftig noch eine um ein Vielfaches gesteigerte Aggressivität in ähnlichen Situationen entwickeln wird. Stets unterstützte aggressive Verhaltensweisen lassen bei Kindern einen sehr hohen Grad an Aggressivität als Charakterzug entstehen, wobei sie sich dahingehend entwickeln, auf jegliche Reize aggressiv zu reagieren.“

Aber wozu braucht das „der Häuptling“, was verspricht er sich davon? Der Psychologe Prof. Dr. Nikolaj Kozlov schreibt: „Aggression wie auch Aggressivität können nicht selten eine bewusste Strategie und gewollte Politik zum Ausdruck bringen. Menschen nutzen die Aggression, um einen Einfluss auf andere auszuüben und eigene Ziele zu verfolgen.“ Rav Benzion Silber erzählt: „Das Ziel eines gläubigen Menschen besteht darin, herauszufinden, was der Ewige von ihm verlangt, und dann keine Mühe zu scheuen, um Seinem Willen zu entsprechen. Wir müssen unseren Willen dem Willen des Ewigen unterordnen.“ Der „wilde Mensch“ Ismael hingegen kann sich in keinen Rahmen fügen und handelt so, wie es ihm beliebt. Dabei beteuert er, dies sei der Wille Gottes. Warum tut er das? Ismael zweifelt nicht an seiner klaren Überlegenheit und an unbestreitbaren Vorzügen im Vergleich zu Yitzhak, der Juden und Christen verkörpert.

Unsere Gelehrten legen das so aus:

Als Ismael 13 Jahre alt war, ging Gott einen Bund mit Avraham ein und verkündete ihm das Gebot der Beschneidung. Avraham sah sich in der Pflicht, die Beschneidung bei sich selbst und bei seiner ganzen Sippe vorzunehmen. Ebenfalls waren alle seine männlichen Nachfahren zur Beschneidung verpflichtet. So äußerte Ismael als älterer Bruder einst vorwurfsvoll zu Yitzchak: „Ich bin größer darin, dem Schöpfer zu dienen als du, weil ich im Alter von dreizehn Jahren beschnitten wurde und bewusst Schmerzen ertrug, um den Willen Gottes und den Befehl meines Vaters zu erfüllen. Und du wurdest mit acht Tagen beschnitten, als du noch nichts verstanden hast“, – lesen wir in den Schriften von „Toldot Yeschurun“. „Ein Mensch, der davon überzeugt ist, zahlreiche gute Eigenschaften zu haben, kann zu dem Standpunkt kommen, dass sich die unwürdigen schlechteren Menschen um ihn herum ihm unterwerfen, seine Ansichten akzeptieren und seinen Rat befolgen müssen; mit anderen Worten: Er unterdrückt ihren Geist und zerstört ihre Individualität und vereinnahmt, verschluckt sie geradezu“, schrieb Menachem Mendel Schneerson in den Kommentaren zu Pirkei Avot. Ist das der Grund für „die Hand aller [wird] gegen ihn“?.. Ist daher eine harte Konfrontation mit dem „jungen“ Ismael unumgänglich? Aber warum können alle ihn nicht besiegen? Ist eine weitentwickelte Zivilisation machtlos angesichts seines wilden Verhaltens?

 

Europa hat sich selbst schwach gemacht

Das dürfte wohl kaum der wahre Grund sein. Vielmehr hat sich Europa durch seine eigene Toleranz entwaffnet und ohnmächtig gemacht. Was geschieht, wenn etwas Fremdes, Verwerfliches, Unzumutbares ausschließlich im Namen der Toleranz akzeptiert wird? Bei Rav Reuven Pjatigorskij lesen wir: „Pessach-Haggada erzählt, sobald König Schlomo [Salomon] seinen Frauen erlaubte, ihren Stammesgöttern Weihrauch zu verbrennen, dass im gleichen Augenblick der Engel einen Speer in das Flussbett des Tibers steckte. Mit der Zeit soll sich an dieser Stelle eine Insel gebildet haben, auf der Rom, der zukünftige Zerstörer des Tempels, entstand. [...] Wichtig dabei ist nicht, dass Schlomo es erlaubte (denn er tat es nicht!), sondern dass er es nicht verbot.“ Was lernen wir daraus? Dass weltfremde Toleranz zerstörerische Folgen hat...

Der zweite Beweis in der Torah für die Unvereinbarkeit, mit Angehörigen des „jungen“ Islam zusammenzuleben, ist der folgende: Nach Sarahs Tod, als Avraham 140 Jahre alt geworden war, heiratete er zum zweiten Mal. „Und […] nahm Avraham eine Frau namens Ketura“ („Bereshit“, 25: 1). „Ketura ist Hagar: Der Midrasch erklärt, dass Ketura der zweite Vorname von Hagar ist“ (Soncino). Sie gebar Avraham sechs Söhne. Avraham starb im Alter von 175 Jahren, was bedeutet, dass er 35 Jahre lang mit Hagar-Ketura lebte.

Bis heute gibt es keine eindeutige Meinung darüber, welche Völker von den jüngsten Söhnen Avrahams abstammten. Eine Reihe von Forschern meint, das seien die Araber. „Den Söhnen […] aber gab Abraham Geschenke und schickte sie zu seinen Lebzeiten weg von seinem Sohne Yitzhak gen Osten, in das Ostland.“ (Bereschit, 25:6). „Gen Osten“, also „in Richtung der Arabischen Halbinsel“, sagt uns Soncino. Womöglich ließen sie sich dort oder in den Nachbarländern nieder. Warum wählte Avraham für seine jüngsten Söhne die arabischen Territorien?

Einigen Quellen zufolge sind die Vorfahren der Araber Bewohner der Arabischen Halbinsel. Im 2. Jahrtausend v. Chr., also zu Lebzeiten Avrahams (1812-1637 v. Chr.), besetzten arabische Stämme das gesamte Gebiet der Halbinsel. Zudem ließ sich ihr eigener und deutlich älterer Bruder Ismael in der Nähe nieder. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass Avraham, ohne – wie bei Ismael – auf ernsthafte Probleme zu warten, seine jüngeren Söhne in die Richtung arabischer Länder schickte.

Wie wir sehen, betont die Torah bereits zum zweiten Mal die Unmöglichkeit des Zusammenlebens von (Juden und Christen) und den Angehörigen des „jungen“ Islam.

Betrachten wir doch noch einen Aspekt dieser Sichtweise. Als die jüngeren Halbbrüder verbannt wurden, war er selbst schon ein reifer Mann. Daher ist es nicht unerheblich, sich auch sein Verhalten ihnen gegenüber anzuschauen. Wie kam es zu den Konfrontationen zwischen ihnen? Rav David Palant schreibt:

„Die Kabbala erzählt, dass jeden der Erzväter unseres Volkes in seinem Wesen Besonderheiten auszeichneten, die seine Persönlichkeit ausmachten. Bei Avraham sind dies ‚Chesed‘ und ‚Netina‘: die Gnade, die Güte sowie das Geben, das Bestreben also, Gutes zu tun. Offensichtlich ist die Welt nicht bloß durch gutes Handeln geprägt, denn ohne Regeln, ohne einen vorgegebenen Rahmen werden alle nach Belieben handeln, ausschließlich ihren eigenen Wünschen und Leidenschaften folgend.“

So ist ein Zusammenleben mit den Angehörigen des „jungen“ Islam möglich, sofern man sich von realitätsfernen Ideen leiten lässt. Wenn wir hingegen den Standpunkt Yitzhaks einnehmen, also aus der Sicht von Rechtsetzung und Rechtsprechung her urteilen, stoßen wir auf die unzählige, kaum lösbare Probleme… Und was sagt uns die Torah über den Umgang speziell mit Verbrechern aus der Gruppe der Armen und Benachteiligten? „Richte faire Gerichte ein. […] Doch den Armen begünstige nicht in seinem Rechtstreite“.

Man muss anmerken, dass Avraham seinen Söhnen, die er wegschickt, große Geschenke mitgibt. Die Botschaft dabei ist: „Den muslimischen Brüdern müssen wir unbedingt helfen, jedoch nicht auf unserem Territorium.“

 

Warum helfen die Araber vom Golf nicht den arabischen Flüchtlingen?

„Die von den Söhnen Keturas geborenen Völker vermischten sich später miteinander und mit den Nachkommen Ismaels“, schreibt Rav Yitzhak Goldenberg. Ist Ismael imstande, ihnen vollauf zu helfen? Davon können wir ausgehen. In Bereschit, 17:20 lesen wir: „Siehe, ich segne ihn, mache ihn fruchtbar, mache ihn über alle Maßen zahlreich. Zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich will ihn zu einer großen Nation machen.“ Wie ist es möglich, dass die ungemein reichen Länder rund um den Persischen Golf ihren notleidenden Brüdern die Hilfe verweigern? Der Grund dafür können Sicherheitsbedenken sein, denn zusammen mit den Flüchtlingen könnten womöglich radikale islamistische Kräfte in diese Länder einsickern.

Das Resultat ist bereits wohlbekannt:

Muslime versuchen in Europa ihre Ordnung und ihre Sitten zu manifestieren, weil ihre eigenen wohlhabenden muslimischen Brüder in den stabilen und reichen Ländern aus Sicherheitsgründen nichts mit ihnen zu tun haben wollen und somit den eigenen Kodex brechen. Denn muslimische Quellen besagen: „Ein Muslim ist einem anderen Muslim ein Bruder. Er wird ihn nicht unterdrücken, wird ihn aus einer schwierigen Lage befreien und ihn nicht ohne Hilfe lassen.“ Diese Rolle übernahm jetzt das christliche Europa.

Und noch einen nicht unwesentlichen Aspekt müssen wir berücksichtigen. Laut Raschi ist mit der Wüste Paran (südlich von Beer Scheva, - Anm. d. Üners.), wo sich der Stammvater der Araber, Ismael, niedergelassen hat, der Begriff „Grab der Gelüste“ verbunden (Raschi – Akronym von Rabbi Schlomo ben Jizhak, 1040 – 1105, war der bedeutendste jüdische Gelehrte des Mittelalters, dessen Kommentare des Tanach und Talmuds bis heute maßgeblich sind, - Anm. d. Übers.). Somit gibt die Torah zu verstehen, dass Ismael in der Wüste Paran seine „Gelüste“, hier die Triebe, die Begierde, die törichten Wünsche – nach dem Unverdienten, ihm nicht Gebührenden und nicht Gehörenden – abgelegt, „begraben“ hatte. Mit anderen Worten alles, was sich im 10. Gebot findet: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut. Du wirst nicht das Haus deines Nächsten begehren. Du wirst nicht die Frau deines Nächsten, seinen Sklaven und seine Sklavin, sein Rind und seinen Esel und alles, was deinem Nächsten gehört, begehren.“

 

Das Begehren als Wurzel des Verbrechens

„Nicht begehren“. Das Ziel dieses Gebots ist es, die Wurzel allen Verbrechens zu zerstören (Soncino). Ist dies nicht der Grund, warum die Straftaten bei den Nachfahren des „jungen“ Ismaels, die das Fremde als ihr Eigenes betrachten, rasant zunehmen? Nachdem sie als Gäste nicht umfänglich das erhalten, was sie sich erhofft haben, beginnen sie, sich an den Einheimischen aus enttäuschter Hoffnung zu rächen. Das Begehren des fremden Gutes nährt Grausamkeit und Aggressivität.

„Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren.“ Dieses Gebot, wie auch zahlreiche andere Gesetze der Torah, sind nicht wortgetreu zu befolgen: Jeder der genannten Punkte dient als Chiffre für eine ganze Reihe von Deutungsinhalten (Soncino).

„Das Haus“ bedeutet nicht nur „die vier Wände“ und den Hausrat. Dieser Begriff beinhaltet genauso die dort lebenden Menschen sowie deren Regeln, Werte, Gebräuche, die Art der Kommunikation u.v.m. Derjenige, der sich als neuer Hausherr im fremden Haus versteht, will dort seine eigene Ordnung durchsetzen. Und hier, so scheint mir, gibt es lediglich zwei Möglichkeiten: entweder die alten Bewohner von Haus und Hof zu jagen oder sie mit allen Mitteln zu zwingen, nach den Regeln des neuen Hausherrn zu leben. Solche gegensätzlichen Lebensentwürfe wie die europäische Lebensweise und die Scharia sind gleichzeitig nicht umsetzbar.

Der für das christliche Europa normgebende Religionsstifter namens Jesu von Nazareth mahnte seinerzeit: „Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet; und jede Stadt oder jedes Haus, das mit sich selbst uneins ist, wird nicht bestehen.“ (Matthäus 12:25). Und dann würde es zu spät sein und sinnlos werden, auch die andere Wange hinzuhalten, denn dies würde nicht mehr genügen: es würden womöglich die Köpfe ganz abgetrennt werden.

 

Aus dem Russischen von Irina Korotkina

Sehr geehrte Leser!

Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:

alte Website der Zeitung.


Und hier können Sie:

unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen

in der Druck- oder Onlineform

Unterstützen Sie die einzige unabhängige jüdische Zeitung in Deutschland mit Ihrer Spende!

Werbung


Die Feier der Geheimnisse

Die Feier der Geheimnisse

Pessach Scheni: Die zweite Chance

Pessach Scheni: Die zweite Chance

Daf Yomi – Stellen aus dem Talmud

Daf Yomi – Stellen aus dem Talmud

Was am Pessach-Seder das Wichtigste ist und auf keinen Fall verpasst werden sollte

Was am Pessach-Seder das Wichtigste ist und auf keinen Fall verpasst werden sollte

Daf Yomi – Stellen aus dem Talmud

Daf Yomi – Stellen aus dem Talmud

Warum die Freude am Purim so besonders ist

Warum die Freude am Purim so besonders ist

Am jüdischen Freudenfest Purim feiern die Juden die Errettung durch Gott und die mutige jüdische Königin Esther in der babylonischen Gefangenschaft. Das Fest steht ganz im Zeichen der Lebensfreud. Deshalb wird Purim auch das „jüdische Fasching“ genannt.

Daf Yomi - Stellen aus dem Talmud

Daf Yomi - Stellen aus dem Talmud

In der Reihe des Studienprogramms „Daf Yomi“ werden auszugsweise Stellen aus dem Talmud dargelegt und erörtert.

Der Jüdische Kalender

Der Jüdische Kalender

Kam der jüdische Kalender direkt von G’tt? Viele Fakten deuten darauf hin.

Daf Yomi – Stellen aus dem Talmud

Daf Yomi – Stellen aus dem Talmud

1923 hat Rabbi Meir Shapira aus Lublin die Initiative „Daf Yomi“ angeregt. Heute befinden wir uns im 14. Zyklus. Als Teil davon können Juden überall auf der Welt dasselbe Blatt aus dem Talmud lesen und lernen.

Was ist „Daf Yomi“?

Was ist „Daf Yomi“?

Seit 1923 gibt es auf Anregung des Rabbi Meir Shapira aus Lublin die spirituelle Bewegung täglich zwei Seiten des Talmuds zu lernen. An dieser beachtlichen jüdischen Lern-Initiative beteiligen sich mittlerweile mit großem Erfolg zehntausende jüdische Gläubige auf der ganzen Welt.

Die Liebe zum Lernen: Das Herz des jüdischen Lebens

Die Liebe zum Lernen: Das Herz des jüdischen Lebens

Jüdisches Lernen beginnt mit Gott, denn ohne ihn zu kennen, kann man eigentlich nichts wissen.

Welches Licht hat gewonnen?

Welches Licht hat gewonnen?

Warum Chanukka tatsächlich ein Fest für alle Juden ist

Alle Artikel
Diese Webseite verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr dazu..
Verstanden