Pessach „BeMotzej Menucha“

Warum im Zeichen von Corona das Pessach-Fest eine besondere Herausforderung für traditionstreue Familien darstellt

Zum Pessach-Fest unbedingt dazu gehört die Matze, das ungesäuerte Brot.
© AFP

Von Rabbiner Elischa Portnoy

Es gibt einen Brauch unter aschkenasischen Juden die Selichot (Buß- und Reuegebete) mindestens eine Woche vor Rosch Haschana zu beginnen. Während die meisten Selichot beim Schacharit (Morgengebet) gesagt werden, werden die ersten Selichot bereits in der Nacht nach Schabbat-Ausgang gesagt. Der Grund dafür ist der 1. Vers in einem Pijut „Bemotzej Menucha Kidamnucha Tchila“ – „Beim Ausgang des Ruhetages, empfangen wir Dich mit dem Gebet“. Und da man mit solchen Gebeten erst ab der halachischen Mitternacht beginnen darf, beginnen diese ersten Selichot in unseren Gegenden normalerweise gegen 1 Uhr nachts. Klingt abenteuerlich und mühevoll, doch ist das noch gar nichts, wenn man erst an Pessach denkt, das uns dieses Jahr bevorsteht.

Denn dieses Jahr haben wir beim Pessach-Fest eine sehr seltene und besondere Konstellation: der erste Feiertag von Pessach fällt auf einen Sonntag. Und da alle jüdischen Feiertage schon am Abend des Vortages beginnen, beginnt auch unser Pessach gleich nach Schabbat-Ausgang. Der jüdische Kalender wurde vor 3000 Jahren ausgerechnet und hat einen festen Zyklus. Manche Ereignisse des Jahres kommen öfter vor, manche seltener. So eine Konstellation zu Pessach wie in diesem Jahr ist extrem selten, sie kommt nur elfmal pro Jahrhundert vor, zum letzten Mal vor 13 Jahren. Deshalb werden alle Kinder unter Bar-Mitzwa-Alter so ein Pessach zum ersten Mal erleben. Und es wird tatsächlich einiges auf uns zukommen, was man beim gewöhnlichen Pessach-Feiern sonst nicht hat.

 

Die aufwendige Vorbereitung

Pessach ist ein wunderbares Fest, das Inspiration und die richtige Sicht auf unseren spirituellen Weg für das ganze Jahr gibt. Doch Pessach ist gleichzeitig auch der aufwendigste Feiertag im Jahr. Vor allem die Vorbereitung zu Pessach kosten diejenigen, die sich an die Tradition unserer Vorväter halten, viel Zeit und Mühe, nicht nur dank des berühmt-berüchtigten Pessach-Putzens. Es gibt so Vieles, womit man sich schon Wochen vor dem Fest-Anfang beschäftigt. Geschirr soll gekaschert werden, Lebensmittel, die streng „koscher lePessach“ sind, sollen eingekauft werden und es soll auch genug Essen gekocht werden. Und wenn man bedenkt, dass man an einem Feiertag nicht für den anderen Feiertag kochen darf, sollten außerdem ausreichend leckere Pessach-Gerichte entsprechend im Voraus gekocht werden. Allein dieses Kochen ist für jede Familie eine ziemliche Herausforderung, denn alle Gerichte sollen ja in Chametz-freier Umgebung gekocht werden und gleichzeitig soll die Familie noch bis Pessach etwas zu essen bekommen. Während in Israel nur der erste und der letzte Tag der Pessach-Woche Feiertage sind, so werden die Feiertage in der Diaspora verdoppelt. Deshalb sind außerhalb Israels die ersten zwei und die letzten zwei Tage (der siebte und der achte Tag) der Pessach-Woche Feiertage. Das Essen kann theoretisch auch am Jom Tow (Feiertag) selbst gekocht werden, doch ist das nicht so einfach, wenn man alle Vorschriften einhalten möchte. Deshalb kochen viele Familien die festlichen Gerichte im Voraus, was bedeutet, dass in einem normalen Jahr in der Diaspora gleich für zwei Tage im Voraus gekocht werden muss.

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