Nachmanides: Einer der größten Rabbiner aller Zeiten

Der Todestag von Rabbi Moshe Ben Nachman, besser bekannt als Nachmanides, jährt sich in diesem April zum 750. Mal.

Die Ramban-Synagogue in der Altstadt von Jerusalem geht auf eine Gründung von Nachmanides im Jahr 1267 zurück und ist immer einen Besuch wert.
© WIKIPEDIA

Von Patrick Casiano

Am elften Tag des Monats Nissan, der dieses Jahr auf den 4./5. April fällt, jährt sich zum 750. Mal der Todestag eines der größten Rabbiner, den das jüdische Volk in der nachtalmudischen Zeit hervorgebracht hat. Einem häufigen Fehler muss von Anfang an vorweggegriffen werden: Rabbi Moshe Ben Nachman, dessen Name abgekürzt Ramban lautet und in latinisierter Form Nachmanides, wird aufgrund der Ähnlichkeit des Namens häufig mit dem noch bekannteren Rabbi Moshe Ben Maimon/Rambam/Mainonides verwechselt. Jedenfalls wurde Nachmanides im Jahr 1194 in Girona (Spanien) geboren. Dort genoss er eine vorzügliche jüdische Bildung und stieg zu wichtigen Posten innerhalb der jüdischen Gemeinde Spaniens auf. Auch in weltlichen Gebieten war er gebildet und hat seinen Lebensunterhalt als Arzt bestritten. Die erhalten gebliebenen Werke belaufen sich auf ca. fünfzig und teilen sich auf verschiedene Kategorien auf. Darunter Kommentare zu Bibel und Talmud und ein kritischer Kommentar zu einem Buch von Maimonides. Außerdem ist er Verfasser von religionsgesetzlichen Schriften, Responsen, Poesie, und anderen Schriften, für die sich keine Kategorie finden lässt.

In seinem Bibelkommentar hat Nachmanides als einer der Ersten Themen der jüdischen Mystik einer breiteren Leserschaft zugänglich gemacht zu haben, während derartiges Wissen zuvor nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten vorbehalten war. (Dieses Thema ist heute von einer großen Relevanz – leider. Denn dem großen Interesse an Kabbala steht ein ebenso großes Angebot an unseriösen Informationsquellen gegenüber: Internetseiten mit entstellten Inhalten, irreführende Bücher und verschiedenartige Weltverbesserungs-Seminare, die jedoch mit eigentlicher Kabbala nichts zu tun haben. Eine Anleitung zum korrekten Einstieg in die Thematik der jüdischen Mystik kann an dieser kurzen Stelle nicht gegeben werden. Nur das Mindestkriterium zur Unterscheidung authentischer Kabbala von falschen Imitaten soll an dieser Stelle erwähnt sein. Die Kabbala kann nicht vom „restlichen“ Judentum getrennt werden, sondern ist ein integraler Bestandteil dessen. Man kann sich nicht nur das herauspicken, was einem gerade gefällt. Somit müssen alle Vermittler der Kabbala, sei dies in Form eines Buches oder eines Seminars, religiös gebildete Rabbiner sein, die in ihrem alltäglichen Leben das jüdische Religionsgesetz einhalten.)

Nachmanides‘ Wirken und seine Werke sind heute noch so relevant wie sie es damals waren. Als eines von vielen Beispielen kann folgendes gelten: Nach der Zusammenführung der in verschiedenen Ländern des Exils zerstreuten Juden in einem gemeinsamen Staat, kamen Diskussionen über den Charakter des Judentums in Israel und über das Verhältnis von sephardischen und aschkenasischen Juden auf. Der nordspanische Geburtsort Nachmanides‘ und der Ort seines Wirkens liegt unweit der heutigen Grenze zu Frankreich und war auch schon damals ein Ort an dem zwei Welten aufeinandertrafen, die von Nachmanides harmonisch verbunden wurden. Einerseits war dies die Lehrtradition der iberischen Halbinsel, deren Judentum damals eine Blüte durchlief, und andererseits war dies die Lehrtradition der Talmudkommentatoren (Tosafot) aus Frankreich – einige davon Enkel von Rashi. Nachmanides war in beiden Systemen bewandert. Die Unterschiede bestanden unter anderem darin, dass sich jüdische Gelehrte auf der iberischen Halbinsel auch mit altgriechischer und arabischer Philosophie auseinandersetzten, während die jüdischen Gelehrten in Frankreich eher für eine einfachere Frömmigkeit plädierten und einer solchen Beschäftigung skeptisch gegenüberstanden. In diesem Konflikt zwischen den Philosophierenden und den Traditionalisten versuchte Nachmanides zu schlichten.

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