Über jeden Verdacht erhaben? Antisemitismus in Kunst und Kultur

Die nationalsozialistische Vergangenheit vieler Kulturinstitutionen blieb nach 1945 weitgehend verdrängt. Dasselbe gilt für personelle und ideologische Kontinuitäten in der Kunst. In der DDR „legitimierte“ die Selbstsicht als „antifaschistischer“ Staat aggressiven Antizionismus. Wie aber steht es um den bis heute bestehenden Antisemitismus in gegenwärtigen künstlerischen und kulturellen Kontexten?

Von Dr. Nikoline Hansen

Antisemitismus in Kunst und Kultur wird gerne ignoriert und nur dann wahrgenommen, wenn eine Grenze überschritten wurde, die Betroffene zum Protestieren veranlasst – man denke insbesondere an die wiederholten Entgleisungen der „Süddeutschen“. Antisemitismus ist, zumindest in der deutschen Mehrheitsgesellschaft, ein nicht wegzudenkendes Phänomen, nicht nur am Rand der Gesellschaft, sondern auch in Kunst und Kultur. Umso wichtiger ist es, sich zu diesem Thema differenziert Gedanken zu machen. Dem vorliegenden Band, der eine Vielzahl von Autoren versammelt hat, ist das in sehr vielfältiger Weise und mit sehr unterschiedlichen Ansätzen gelungen. Er verstört. Und das nicht nur, weil er dem Leser vor Augen führt, wie durchgängig Antisemitismus die Kulturlandschaft in Deutschland prägt, sondern weil viele der Autoren deutlich machen, mit welcher Verwundbarkeit die Betroffenen selbst zu kämpfen haben. Auf den Punkt bringt es das Gedicht von Ramona Ambs: „Doch am Ende bist Du immer nur Jude … Nie ein Künstler“.

Das Buch ist hervorgegangen aus der Arbeit des Vereins „Institut für Neue Soziale Plastik e.V.“, der kulturelle und politische Bildungsarbeit zusammenbringt. Er versteht seine Arbeit als Beitrag zur Entwicklung einer demokratischen Kultur und engagiert sich gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus. Die im Buch veröffentlichten Beiträge reichen von literarischen Beiträgen bis zu wissenschaftlichen Essays, die Themen sind vielfältig, aber Antisemitismus ist in jedem Fall der Bezugspunkt, auf den alle Beiträge referieren: ob im Alltag, in der künstlerischen Auseinandersetzung oder in der Erinnerungskultur. Das Buch lebt von dieser Vielfalt und besonders auch von den persönlichen Erfahrungen einiger Autoren. So bleibt der Band bis zum Ende kurzweilig und bietet dem, der sich darauf einlässt, viele tiefer gehenden Einsichten. Denn: Antisemitismus ist nicht über jeden Verdacht erhaben – Antisemitismus trifft Juden und verletzt sie, auch wenn sie oftmals nicht einmal gemeint sind. Verblüffend und zugleich erschreckend ist dabei die Tatsache, dass eine derart systematische Auseinandersetzung mit dem Thema wie sie die Autoren hier unternehmen, in Deutschland bislang noch nicht stattgefunden hat. Die Autoren betreten somit Neuland und zeigen auf, wie es um die Aufarbeitung von Antisemitismus in der Kultur in Deutschland bestellt ist. Dabei widmen sie sich auch den unterschiedlichen Perspektiven der beiden deutschen Staaten und dem Umgang mit dem Antifaschismus in der DDR, der über antisemitische Ressentiments keineswegs erhaben war. Im Gegenteil, die Politik der DDR war aggressiv antizionistisch und unterstützte die „Palästinenser“ sogar militärisch.

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