Der moslemische Gesprächspartner von Papst Franziskus, Scheich Ahmed al-Tayeb, steht für alles andere als eine friedliche Koexistenz der Religionen  

März 8, 2019 – 1 Adar II 5779
Päpstliche Aufwertung eines Heuchel-Imams

Von Raymond Ibrahim

Die zwei höchsten Vertreter der Christenheit und des Islams, Papst Franziskus und Scheich Ahmed al-Tayeb, der Großimam der Al-Azhar, – der einmal der „einflussreichste Moslem der Welt“ genannt wurde, haben vor kurzem ein „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnet. Dieses Dokument „lehnt nachdrücklich jedwede Rechtfertigung von Gewalt im Namen Gottes ab“, wie „Vatican News“ berichtet und bestätigt „Respekt für Gläubige verschiedener Glaubensrichtungen, die Verurteilung aller Diskriminierung und die Notwendigkeit alle Gebetsorte zu beschützen, sowie Religionsfreiheit und die Rechte der Frau anzuerkennen“.

Obgleich das gemeinsam unterschriebene Dokument von Medien-Fanfaren begleitet und als „historischer Meilenstein der Brüderlichkeit“ und „Durchbruch“ bezeichnet wurde, ist kaum anzunehmen, dass dies wenig mehr als eine oberflächliche Show ist. Warum dieser Zynismus? Weil einer der beiden Männer, Dr. Ahmed al-Tayeb wiederholt allen diesen hochtrabenden, im Dokument genannten Idealen widersprochen hat – natürlich nur, wenn er Arabisch spricht und in arabischen Medien auftritt.

Beispielsweise diese Aussage:

Freiheit ist ein Recht eines jeden Menschen: Jeder Mensch hat die Freiheit des Glaubens, des Denkens, des Ausdrucks und des Handelns… Die Tatsache, dass Menschen gezwungen sind, sich an eine bestimmte Religion oder Kultur zu halten, muss ebenso zurückgewiesen werden wie die Auferlegung einer kulturellen Lebensweise, die andere nicht akzeptieren.“

Todesstrafe für diejenigen, die den Islam verlassen wollen

Im Widerspruch dazu wurde eine seiner Aussagen protokolliert, dass nämlich Apostaten – also jene, die einem muslimischen Vater geboren wurden und nun wünschen, den Islam zu verlassen – bestraft werden sollten. Bezüglich der „angemessenen“ Strafe erklärte er im Juli 2016 im Fernsehen, „all jene, die islamisches Recht kennen [al-fuqaha], und die Imame der vier Schulen der Jurisprudenz verstehen Apostasie als Straftat, und sind der Meinung, dass der Apostat entweder seiner Apostasie abschwören muss, oder den Tod verdient.“ Um diese Aussage hervorzuheben, zitierte er einen Hadith des Propheten Muhammed, der besagt: „Wer seine islamische Religion wechselt, den tötet“ (Sahih Al-Bukhari, Bd. 9, Nr. 57).

Soweit also die Religionsfreiheit.

Wie sieht es mit al-Tayebs Ansichten über den „Anderen“, den geborenen Nicht-Moslem aus? Das Dokument, das er mit Franziskus unterzeichnet hat, fordert „Respekt vor Gläubigen verschiedener Glaubensrichtungen, die Verurteilung aller Diskriminierung, die Notwendigkeit, alle Kultstätten zu schützen, und das Recht auf Religionsfreiheit“.

Viele liberale und muslimische Reformer in Ägypten bestehen jedoch darauf, dass die „beispiellose Verfolgung“, die die ägyptische christliche Minderheit der Kopten erleben muss, direkt auf die Einrichtung zurückzuführen ist, die al-Tayeb leitet: die Al-Azhar.

Beispielsweise wurden am Palmsonntag 2017 Bombenanschläge auf zwei Kirchen verübt, bei denen 50 Christen ums Leben kamen. Dr. Islam al-Behery – ein bekannter muslimischer Theologe, dessen unnachgiebige Reformrufe Al-Azhar so lästig wurden, dass er der „Blasphemie“ gegen den Islam angeklagt wurde und 2015 verhaftet wurde – wurde in der ägyptischen Fernsehsendung („Kul youm“ oder „Jeden Tag“) interviewt. Nachdem er Details der Radikalisierung des Lehrplans der Al-Azhar aufzählte, kam er zu der Einschätzung, dass „70-80 Prozent aller Terroranschläge der letzten fünf Jahre [in Ägypten] Produkt der Al-Azhar sind“.

Die Universität des Großimams als Terrorbrutstätte

Um seine Aussage zu untermauern, zitierte er einen Standardtext der Al-Azhar, indem geschrieben steht: „Wer einen Ungläubigen tötet, dessen Blut ist geschützt, denn das Blut eines Ungläubigen und eines Gläubigen [Moslems] sind nicht gleichwertig.“

Während der Vorgänger von al-Tayeb, der frühere Großimam Ägyptens, Scheich Muhammad Sayyid Tantawi (gestorben 2010), „ohne gebeten worden zu sein, alle alten Bücher entfernt und nur ein einziges Einführungsbuch zusammengestellt hatte“, erklärte al-Behery, dass „als al-Tayeb kam, er dieses Buch verworfen und alle alten Bücher wieder eingeführt hat, die voll vom Schlachten und Blutvergießen sind.“

Ähnliche Verwunderung zeigte auch der ägyptische politische Kommentator Dr. Khalid Montaser: „In dieser sensiblen Zeit – in der sich mörderische Terroristen auf islamische Texte und Takfir (Moslems erklären andere Moslems zu „Ungläubigen“) berufen und morden, schlachten und enthaupten, bietet das Al-Azhar-Magazine kostenlos ein Buch an, dessen letzte Hälfte auf praktisch jeder Seite mit: ‚Wer ungläubig [Nicht-Muslime] ist, schlagt ihm den Kopf ab‘ endet?“

So viel also zum „historischen Dokument“, das al-Tayeb mit Papst Franziskus unterzeichnete, in dem steht: „Wir erklären entschieden, dass die Religionen niemals Krieg, hasserfüllte Verhaltensweisen, Feindseligkeit und Extremismus anstacheln und auch nicht zu Gewalt oder Blutvergießen aufrufen dürfen.“

Andere politische Kommentatoren in Ägypten haben bereits kommentiert, dass al-Tayeb, trotz der drakonischen Einstellung der Al-Ahzar zu „Ungläubigen“ und „Apostaten“ sich weigerte, den IS als „unislamisch“ zu kritisieren. „Es ist erstaunlich“, erklärte der ägyptische Talkmaster Ibrahim Eissa: „Al-Azhar besteht darauf, das IS Muslime sind und weigert sich, diese zu verurteilen. Dennoch hört die Al-Azhar nie auf, Autoren, Poeten und Denker der Apostasie zu beschuldigen, wenn sie ihrer Denkweise etwas Kritisches entgegensetzen. Solche Vorwürfe kommen aber nicht, wenn es um den IS geht!“

Während eines anderen Fernsehinterviews erklärte Dr. Muhammad Abdullah Nasr, ein Gelehrter des islamischen Rechts und Alumnus der Al-Azhar, bezüglich seiner Alma Mater:

Sie [Al-Azhar] kann den islamischen Staat nicht als unislamisch verurteilen. Der islamische Staat ist ein Nebenprodukt der Programme der Al-Azhar. Kann sich Al-Azhar selbst als unislamisch bezeichnen? Die Al-Azhar sagt, dass es ein Kalifat geben muss und dass es für die muslimische Welt verpflichtend ist, dies zu etablieren. Die Al-Azhar lehrt das Gesetz des Apostasie und das Töten des Abtrünnigen. Die Al-Azhar ist religiösen Minderheiten feindlich gesinnt und lehrt Dinge wie das Verbot von Kirchen usw. Die Al-Azhar hält die Jizya (Die Erpressung von „Schutzgeld“, das von Nicht-Muslimen gefordert wird) immer noch hoch. Die Al-Azhar lehrt die Steinigung von Menschen. Kann sich Al-Azhar sich selbst also als unislamisch verurteilen?“

Ähnlich war es 2015, als die Welt durch ein Video des Islamischen Staats schockiert wurde, in dem ein jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Der ägyptische Journalist Yusuf al-Husayni kommentierte: „Der Islamische Staat setzt nur das um, was die Al-Azhar lehrt.“ Auch er zitierte Stellen eines Textbuches der Al-Azhar, die das Verbrennen von Menschen erlaubt.

Großimam gegen Israel

Al-Tayebs Antwort auf all diese Kritiker war die Beschuldigung Israels: Während eines Fernsehinterviews im März 2018 erklärte er: „Mir ist aufgefallen, dass immer gesagt wird, der Terrorismus sei islamisch. Alle diese Sprachrohre, die – entweder aus Ignoranz oder weil ihnen dies aufgetragen wurde – quaken und dem Al-Azhar-Lehrplan die Schuld geben die Ursache von Terrorismus zu sein, sprechen nie über Israel, über Israels Gefängnisse, über die Genozide des Zionistischen Staates…oder die Missstände der Region, die durch den Zionistischen Staat verbrochen wurde; damit haben sie nie ein Problem.“

Offenbar ist dies das wahre Gesicht von Scheich Ahmed al-Tayeb – zumindest in seiner ägyptischen Heimat, wo er frei und ungehemmt auf Arabisch sprechen kann ist. Dies steht im Gegensatz zu einem „Dialog“ mit naiven westlichen Führungspersönlichkeiten, die allzu eifrig glauben, was sie hören wollen. Das „Cairo Institute for Human Rights“ machte einmal diese Erklärung:

Im März 2016 machte Scheich al-Tayeb vor dem deutschen Parlament unmissverständlich klar, dass die Religionsfreiheit vom Koran garantiert wird, während er in Kairo genau die gegenteiligen Behauptungen aufstellt…. Die Bekämpfung des Terrorismus und radikaler religiöser Ideologien wird nicht dadurch erreicht, dass man mit dem Westen einen offenen Religionsdialog führt, intern aber durch Medien, Lehrpläne der Al-Ahzar, und die Moscheen Ideologien fördert, die gewalttätigem Extremismus verbreiten.“

Aus all diesen Gründen ist die Unterschrift von al-Tayeb auf dem „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben ist.

Und wenn Scheich al-Tayeb ein Wolf im Schafspelz ist, dann ist Papst Franziskus anscheinend ein Schaf mit Sternenaugen, der seine Herde zum Schlachten führt oder dies zumindest geschehen lässt.

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