Eine der Lehren von Purim ist, dass unterwürfige Assimilation für die Juden noch niemals von Nutzen war.  

März 8, 2019 – 1 Adar II 5779
Lasst uns ein Beispiel an Mordechai nehmen!

Von Katia Novominski


Mishenichnas Adar Marbim B´simcha – mit dem Kommen von Adar nimmt die Freude zu. In diesem Jahr ist die Zeit der Vorfreude auf das wahrscheinlich beliebteste jüdische Fest (mit dem sich vielleicht nur Chanukka messen kann) doppelt so lang, da wir uns im Schaltjahr befinden.


Was wir an Purim machen, das wissen die meisten aus dem Effeff – ein berauschendes Fest, Verkleidung, Geschenke und Lesen der Megillat Esther-Rolle. Der Inhalt der Megillat Esther ist ebenfalls bekannt – auf den ersten Blick zusammenzufassen in dem seit Jahrzehnten (Jahrhunderten?) kursierenden Witz – man hat versucht uns umzubringen, wir haben gesiegt, lasst uns essen!

Damit könnten wir an sich die Betrachtung der Megillat Esther und des Purim-Festes schon beenden, wenn wir nur an der Oberfläche kratzen wollten. Dies soll aber nicht unser Anspruch sein. Die Juden sind das Volk des Buches bzw. das Volk der Rolle – also möchten wir doch einen Blick in die Megillat Esther werfen und uns zwei Fragen stellen: eine nach der Ursache und die andere nach der Folge, beziehungsweise Folgen und Lehren aus der Purim-Geschichte.

Es war einmal…in Persien

Zunächst die Story in Stichworten, wie in einem Kinder-Purimspiel:

Die Geschichte spielt sich in Persien/Shoshan ab. Dort lebt das jüdische Volk im Exil, König Achaschwerosch ist an der Macht. Bei einem von ihm veranstalteten Fest entledigt er sich seiner Frau Waschti, an ihrer statt holt er sich die schöne jüdische Königin Esther ins Haus. Parallel dazu erhebt er den bösen Haman zum Premierminister, dieser lässt alle vor sich auf die Knie fallen. Nur der Jude Mordechai, bei dem Esther aufgewachsen ist, verbeugt sich nicht. Daraufhin versucht Haman mit Zustimmung von Achaschwerosch alle Juden zu vernichten, zieht dabei ein Los (Pur, daher Purim) um das Datum zu bestimmen. Esther rettet auf die Bitte von Mordechai (der inzwischen einen Anschlag auf den König vereitelt hat) das jüdische Volk, indem sie ihrem Mann gesteht, dass sie jüdisch ist und dass Haman die Juden bedroht. Haman wird gehängt, Mordechai wird zum Minister, die Juden sind gerettet, LeChaim!

Mordechai hat die Party gesprengt

Wenn man so die Ereignisse vor sich passieren lässt, dann stellt sich die Frage nach der Ursache für den ganzen Zores. Und auf den ersten Blick ist der Schuldige schnell gefunden – Mordechai. Dieser konservative, anscheinend orthodoxe und nicht weltoffene Jude hat dem jüdischen Volk erst die ganzen Probleme gebracht. Die ganze progressive Gesellschaft und allen voran die Juden passten sich prima an. Das bisschen Verbeugen vor einem Haman hat doch keinem geschadet. Die Juden fühlen sich geschätzt – sie sind zu dem großen Fest von Achaschwerosch eingeladen, es gibt koscheres Essen eine Jüdin ist Königin geworden. Was will man mehr? Da kommt einer dahergelaufen und verdirbt den ganzen Spaß, ja sogar mehr noch – bedroht durch sein Verhalten die ganze Gemeinschaft. Wenn wir konsequent bleiben, dann wäre die Schlussfolgerung aus der oben genannten Logik der Ereignisse – Juden passt euch an! Ja nicht auffallen, am besten sich gut mit der Obrigkeit stellen und sich weitgehend in die Gesellschaft um einen herum einzufügen. So scheinen auch viele hierzulande zu denken und entsprechend zu handeln.

Will Gott die Assimilation der Juden?

Allerdings scheint bei dieser Denkweise etwas nicht zu stimmen. Mordechai ist doch auch für die Führung und schließlich auch die Rettung des Volkes zuständig. Nie spricht die Megillat Esther negativ über ihn und generell wird der Ewige das jüdische Volk nicht dazu ausgewählt haben, sich kurz oder lang unter die anderen Völker zu mischen und zu assimilieren. Wenn etwas faul im Staate – in unserem Fall Persien – ist, dann sollten wir nicht an der Oberfläche der Texte kratzen und uns auf die Gemeinde-Kinder-Purimspiele verlassen, sondern auf unsere Weisen. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben