Die Nazi-Bewegung war auch in Großbritannien präsent – ihre adligen Anhänger wurden nach Kriegsende kaum geächtet. 

  • März 8, 2019 – 1 Adar II 5779
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März 8, 2019 – 1 Adar II 5779
Hitlers britische Verräter

Von Karl Pfeifer

Viele Bücher und Filme befassen sich mit der Zeit, als Großbritannien allein gegen das Dritte Reich kämpfte. Filme über Dünkirchen und Churchill sind Bestseller. Doch gab es damals auch Briten, die bereit waren, ihre Heimat zu verraten und mit einer herbeigewünschten Invasion zusammenzuarbeiten. Während der letzten Jahre wurden viele Dokumente für die Forschung zugänglich und erst heute kann die Dimension des Verrats richtig eingeschätzt werden.

Ein gemeinsamer Nenner der Verräter war ihr Antisemitismus und ihr Wunsch nach einem starken Führer.

Der Antisemitismus war auch in Großbritannien verbreitet

Antisemitismus war während der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts weit verbreitet. Die „Protokolle der Weisen von Zion“ über die „jüdische Weltverschwörung“ wurden zwar von der konservativen „Times“ bereits im Sommer 1921 als antisemitische Fälschung entlarvt, aber viele durch die Wirtschaftskrise unsicher gewordene Briten glaubten daran.

Bereits Anfang März 1933 forderte der konservative Abgeordnete Edward Doran im Parlament vom Home Secretary (Innenminister), „Maßnahmen zu ergreifen, um die Einreise ausländischer Juden aus Deutschland zu verhindern.“

In Bristol betonte 1936 Reverend Henry Dymock, der Vikar der St. Bede-Kirche regelmäßig, dass die Juden schuldig seien, einen „abscheulichen Wucher“ zu betreiben und dass sie durch ihre Kontrolle der Presse die Welt in „ein Blutbad“ stürzen wollen. Die Church of England hat weder gegen ihn noch gegen andere seiner Kollegen, die damals von den Kanzeln antisemitische Predigten losließen, irgendetwas unternommen.

1938, nachdem schon zehntausende Juden aus Deutschland geflohen waren und die grausame Behandlung der Insassen in den KZ bekannt war, hielt Reverend James Black, der soeben gewählte Vorsitzende der Kirche von Schottland eine Rede über das „Rätsel des Juden“. Der „Glasgow Herald“ berichtete: „Dr. Black sagte, dass politisch die Judenfrage das größte Problem Europas ist. Es gibt nur zwei Wege, entweder gegen sie zu kämpfen oder sie zu konvertieren…Das Problem der Juden ist, dass sie unter anderen Nationalitäten präsent sind als eine Rasse von Menschen ohne ein eigenes Land, die jedoch ihre rassische Identität bewahren und nicht assimiliert unter den Menschen, wo sie wohnen, bleiben möchten.“ Ein paar Monate danach wurde er von der Generalversammlung der Kirche im Amt bestätigt.

Wenige Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs berichtete Herbert von Dirksen, deutscher Botschafter in London über die Bereitschaft der Briten zu kämpfen, um der Ungewissheit ein Ende zu machen, doch er fand es tröstlich, dass viele glaubten „die Juden“ möchten das Land in einen Krieg mit Deutschland verwickeln. Tatsächlich ergab eine im November 1939 durchgeführte Meinungsforschung, dass 17 Prozent der Befragten sagten, der Krieg werde „für die Juden geführt“. Während des Krieges wurden diejenigen, die das mit post its verbreiteten, von den Gerichten bestraft.

Das Aufkommen britischer Faschisten

Wie in anderen europäischen Ländern, fanden die italienischen Faschisten, später auch die deutschen Nationalsozialisten, auch in Großbritannien eifrige Nachahmer.

Bereits 1928 gründete der pensionierte Veterinär Arnold Leese die Imperial Fascist League (IFL). Leese hetzte wie die meisten britischen Faschisten gegen Juden, die er des Ritualmords an Christen beschuldigte.

Aus ganz anderem Holz war Sir Oswald Mosley geschnitzt, der aus einer reichen und angesehenen Familie kam, zuerst Parlamentsabgeordneter der Konservativen, dann von Labour war, um 1932 die British Union of Faschists (BUF) zu gründen, eine immer antisemitischer werdende Partei, die 40.000 Anhänger hatte. Die Partei erhielt regelmäßige Unterstützung vom faschistischen Italien, in einem Jahr 60.000 Pfund – was heute 3 Millionen entspricht. Erst im Frühjahr 1934 begann die Beobachtung der BUF durch den britischen Geheimdienst MI5.

Gewalttätigkeit bei einer Kundgebung von Mosley in London gegen Antifaschisten veranlasste den Zeitungsherausgeber Lord Rothermere seine Unterstützung für die Partei einzustellen und bis Oktober 1935 sank die Anzahl der Mitglieder auf 5.000.

Mosley, an dessen Hochzeit mit der Tochter des britischen Außenministers Curzon der König und die Königin teilgenommen hatten, wollte auch von Juden Unterstützung. So auch von Israel Sieff (Marks & Spencer), bei dem er zum Abendessen eingeladen war. Mosley betonte, „eine neue Bewegung brauche jemand zum Hassen, in diesem Fall die Juden“. Er fügte hinzu, „das gilt natürlich nicht für Juden wie Dich, Israel“. Sieff schmiss ihn sofort hinaus.

Die zweite Ehe mit Diana Mitford, einer Cousine von Churchill, ging Mosley in Anwesenheit von Hitler und Goebbels in Berlin ein.

Internierung während des Krieges

Während des Krieges wurde das Ehepaar Mosley interniert. Doch vielen anderen Verrätern, die zur Elite gehörten, wurde kein Haar gekrümmt. Zum Beispiel Generalmajor John Fuller, dessen Bücher und Schriften über die Panzerwaffe ihn berühmt machten. Fuller publizierte bereits 1935 in einer Londoner faschistischen Zeitschrift seine antisemitische Streitschrift „Das Krebsgeschwür Europas“, in der er auch Hitler lobpreiste. Hitler lud diesen hochdekorierten Offizier zu seinem 50. Geburtstag nach Berlin ein. Am 27. März 1939 sprach Fuller an einer von der „Nordic League“ veranstalteten Naziversammlung in London und beglückte die Zuhörer mit seinen Gedanken über „die hebräischen Mysterien“. Zuvor hatte Admiral Barry Domville von der Geheimgesellschaft „The Link“ – deren Slogan Perish Judah! (Judah krepiere!) war – gefordert, die Juden zu erschießen.

Dem MI5 wurde gerade in diesen Jahren vor dem Krieg das Budget gekürzt. Die Berichte über diese und andere Versammlungen stammen vom ehemaligen Inspektor der Special Branch, Pavey, der vom „Board of Deputies of British Jews“ bezahlt wurde.

Im Januar 1940 erhielt MI5 den Bericht eines ihrer Informanten in der BUF über eine aufwiegelnde Rede Fullers: „Wir wissen, dass unser Regierungssystem bis in den Kern verrottet ist. Was wir wollen ist eine blutige Revolution und ich bin bereit sofort eine zu starten.“ Obwohl das und andere geplante Verschwörungen den Behörden bekannt waren, wurden keinerlei Maßnahmen gegen die Verschwörer ergriffen, die zur Elite gehörten. Allerdings wurde Fullers Protektor Generalstabschef Ironside im Juli 1940 abgelöst. Fuller selbst wurde nie behelligt.

Die jüdischen Gemeinden hatten einen Privatdetektiv engagiert

Der Fall von Captain Archibald Henry Maule Ramsay war ein Musterbeispiel dafür, dass die Privilegien auch in Kriegszeiten mehr galten als Gleichheit vor dem Gesetz. Ramsay stammte aus einer bekannten schottischen Familie und wurde während des Ersten Weltkrieges schwer verwundet. Er ging eine vorteilhafte Ehe ein, lebte auf einem Schloss in Schottland und hatte ein Haus in London South Kensington. Er ging in die Politik und wurde 1931 konservativer Abgeordneter. Beide Eheleute waren begeisterte Antisemiten, die an die „Protokolle der Weisen von Zion“ glaubten. Der von den jüdischen Gemeinden beauftragte ehemalige Polizeioffizier Pavey notierte am 13. Februar 1939 als Ramsay in der Nordischen Liga „über den gemeinsamen Feind – nicht die Deutschen oder Italiener sowie Japaner, sondern das Weltjudentum“ sprach. „Es mag für manche von Euch eine Offenbarung sein, aber es ist eine bewiesene Tatsache, dass die Irische Republikanische Armee von Moskau kontrolliert wird und mit jüdischem Gold finanziert ist… Nachdem sie Deutschland, Italien, Ungarn, die Tschechoslowakei und nun Spanien verloren haben, konzentriert sich das jüdische hohe Kommando auf Großbritannien und Frankreich. Ein Weltkrieg und das sehr bald ist der einzige Weg, um die zionistischen Ambitionen zu erfüllen.“ (…)

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