Der persischstämmige Bundestagsabgeordnete Bijan Djir-Sarai engagiert sich nachdrücklich für Israel und gegen das Teheraner Mullah-Regime. 

März 8, 2019 – 1 Adar II 5779
Das JÜDISCHE RUNDSCHAU-Interview

 

Von Anastasia Iosseliani

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Herr Abgeordneter, Sie sind iranisch-persischer Herkunft. Wie erklären Sie sich und unseren Lesern Ihr Engagement für Israel?

Djir-Sarai: Ich bin ein deutscher Politiker und komme aus dem Rhein-Kreis Neuss (NRW). Ich bin Realpolitiker und interessiere mich für Sachfragen und Fakten. Nicht mehr und nicht weniger.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Was läuft Ihrer Ansicht nach falsch im Umgang Deutschlands mit Israel?

Djir-Sarai: Die Sicherheit des Staates Israel ist ein Grundpfeiler deutscher Außenpolitik. Israel ist die einzige Demokratie in einer schwierigen Region. Darüber muss sich die deutsche Außenpolitik im Klaren sein.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Was läuft Ihrer Ansicht nach falsch im Umgang Deutschlands mit dem Regime der Islamischen Republik?

Djir-Sarai: Die Islamische Republik betreibt eine aggressive Politik in der Region. Die deutsche Politik darf nicht naiv in der Bewertung sein. Wir müssen Menschenrechtsverletzungen deutlich verurteilen.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Sind Sie der Meinung, dass es im Umgang mit dem Regime mehr Sanktionen und weniger Dialog braucht?

Djir-Sarai: Mehr Sanktionen bringen nichts. Dialog ist grundsätzlich gut, darf aber nicht naiv und einseitig sein.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Brauchen Deutschland im Besonderen und Europa im Allgemeinen eine andere Politik gegenüber Islamisten – nicht nur gegenüber dem Regime der Islamischen Republik, sondern auch gegenüber Organisationen wie beispielsweise der Hisbollah und der Hamas?

Djir-Sarai: Organisationen wie Hamas oder Hisbollah sind an einem Dialog nicht interessiert. Das sind Terrororganisationen und keine Gesprächspartner.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Wieso blieb die iranische, anti-klerikale Opposition während der vierzigjährigen Herrschaft der Religionsgelehrten bis heute so erfolglos?

Djir-Sarai: Der Iran hat heute eine aktive Zivilgesellschaft. Eine echte politische Opposition gibt es im Iran aber nicht, da das Regime mit Gewalt gegen Andersdenkende vorgeht.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Welche Form der Unterstützung bräuchte die iranische, anti-klerikale Opposition?

Djir-Sarai: Diese Frage müssen die Iraner selbst beantworten. Wir als Deutsche und Europäer dürfen aber nicht aufhören, die eklatanten Menschenrechtsverletzungen im Iran zu verurteilen.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Was würden Sie gerne ganz allgemein in der deutschen Außenpolitik ändern wollen?

Djir-Sarai: Wir brauchen eine werteorientierte und eine interessengeleitete Außenpolitik. Das setzt voraus, dass wir glaubwürdig sind und unsere Interessen kennen.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Was sollte in Ihren Augen in der deutschen Innenpolitik anders laufen – insbesondere in Bezug auf die Integration?

Djir-Sarai: Integration ist keine Einbahnstraße. Wir müssen Menschen, die zu uns kommen, mit offenen Armen begegnen, aber glasklar deutlich machen, welche Regeln und Werte hier existieren und dass sie sich daran zu halten haben.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Zu guter Letzt – welche Veränderungen wünschen Sie sich für dieses Jahr?

Djir-Sarai: Ich wünsche mir, dass die Welt insgesamt friedlich wird und mehr regelbasierte Politik gelebt wird. Für das Europawahljahr wünsche ich mir, dass pro-europäische Kräfte als Sieger aus den Wahlen hervorgehen.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Abgeordneter!

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