Gedanken zu Purim vom Herausgeber der JÜDISCHEN RUNDSCHAU 

März 8, 2019 – 1 Adar II 5779
By the waters of Babylon , we sat and wept…

 

 

Mit diesen Worten beginnt der Psalm 137, als Ausdruck für die Unterdrückung und die Not des aus Zion verschleppten jüdischen Volkes im babylonischen (persischen) Exil und die Zerstörung seiner heiligen Hauptstadt Jerusalem durch König Nebukadnezar II. im 6. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung.

Das Purim-Fest, das der Freude über die Rettung der Juden vor seiner physischen Vernichtung im persischen Exil zur Zeit von König Xerxes (Ahashveros) im ausklingenden 6. Jahrhundert B.C. Ausdruck verleiht, ist eng mit dieser Leidenszeit des jüdischen Volkes verbunden.

In Folge der durch die Purim-Geschichte symbolisierten Rettung erfolgte nach einem etwa 70 Jahre währenden Exil in der Zeit des persischen Königs Cyrus die Repatriierung der Juden und der Wiederaufbau Jerusalems.

Alle Feinde des jüdischen Volkes, die heute mit zunehmender Intensität und immer neuen abstrusen Geschichtsverdrehungen den zwischenzeitlich auch auf Europa und andere Teile der westlichen Welt und keinesfalls nur auf die Juden übergeschlagenen Eroberungskurs des seit seiner Entstehung vor ca. 1.400 Jahren gewalttätig expansiven Islam unterstützen und den jüdischen Ursprung sowie die jüdische Identität der jüdischen Hauptstadt Jerusalem leugnen, strafen die Jerusalem-bezogenen Worte des im Bild dieses Postings zitierten Psalms Lügen.

Das belegt in eindrucksvoller Weise das Entstehungsdatum der 150 Psalmen, die weitestgehend in nach-exilischer Zeit, jedenfalls nachweislich noch mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung enstanden sind und bereits dort die jüdische Identität Jerusalems zum Ausdruck bringen.

Jerusalem zu Aelia Capitolina

Zwischenzeitlich – nach einem Aufstand gegen die römische Besatzung und nur 70 Jahre nach der neuen Zeitrechnung – sind die Juden wieder, diesmal durch die Römer und für die Dauer von nahezu zwei Jahrtausenden exiliert worden. Die Vertreibung sollte endgültig sein und die Erinnerung an das jüdische Königreich möglichst vollständig getilgt werden. Das Land der Juden bekam von den Römern die Bezeichnung Palästina, sogar der Name Jerusalems wurde getilgt und die heilige Stadt der Juden in Aelia Capitolina umbenannt.

Trotzdem konnten die Juden mit der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 und trotz der erlittenen unbeschreiblichen Gräuel der Schoah mit der Rettung vor der vollständigen physischen Vernichtung ein weiteres Mal ein Wunder erleben, das den Ereignissen von Purim vor über 2.500 Jahren nicht nachsteht.

Ungeachtet des unendlichen Leids und der grausamen Schicksalsschläge, die das jüdische Volk nach der Verstreuung durch die Römer in den zwei Jahrtausenden der Diaspora , besonders in den schrecklichen 12 Jahren des deutschen Nazireichs im letzten Jahrhundert ertragen musste, konnten weder die jüdische Identität noch die Zugehörigkeit zu dem jüdischen Stammland Judäa, Samaria und Galiläa zerstört werden. Im Gegensatz zu der Bezeichnung Aelia Capitolina, die heute kaum noch jemand kennt oder mit der jüdischen Hauptstadt Jerusalem in Verbindung bringt, blieb der Name Palästina trotz der diversesten Besatzungszeiten erhalten und galt noch bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts als Synonym für das Land der Juden.

Es sind letztlich die im Geiste gleichen Antisemiten, die noch vor nicht allzu langer Zeit auch hier gefordert haben „Juden nach Palästina“, und jetzt die Forderung in „Juden raus aus Palästina“ umfirmieren.

Dass es dem expansiven Islam und den Arabern mit einer historisch nicht zu begründenden territorialen Forderung auf angestammtes, nur zeitweilig und stets widerrechtlich erobertes jüdisches Gebiet und einer vollständig erfundenen „palästinensischen“ Identität zu gelingen scheint, bei unserer suizidalen, die freiheitlichen Errungenschaften unserer Lebenswelt mit Füßen tretenden westlichen Islam-Appeasement-Politik und den linksdurchseuchten Mainstream-Medien gegen besseres Wissen global Zustimmung zu einer Delegitimierung des Staates Israel zu finden, ist bei Betrachtung der geschichtlichen Bezüge rational nicht vermittelbar. Jedenfalls sind der offenkundige, wenn auch stets durch Alibi-Gedenkveranstaltung für tote Juden negierte Antisemitismus und Israelhass unseres politischen Pseudo-Gutmensch-Establishments auf die Dauer kein Mittel zur Verteidigung unserer, vor allem auch dem jüdischen Erbe geschuldeten abendländischen Grundwerte vor dem immer mehr und immer selbstverständlicher geforderten Raumanspruch des Islam.

Der Schutz seiner Bürger vor islamischem Terror ist, trotz der perfiden und menschenverachtenden Mordlust seiner arabischen Nachbarn, in Israel inzwischen besser gewährleistet als bei unseren politischen Einzelfall-Kleinrednern, Schuld-Umdeutern und Sanktions-Minimierern aus Politik und Justiz.

In diesem Sinne wünsche ich ein Stück Purim-Wunder für uns alle – wir könnten es in nicht allzu ferner Zukunft mehr brauchen als uns unsere Politik und ihre Gesinnungsmedien glauben machen wollen.

Den jüdischen Freunden einen wundervollen Chag Purim Sameach.

Am Israel Chai!

Dr. Rafael Korenzecher

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