Wie prominente US-Demokraten Antisemitismus in den eigenen Reihen entschuldigen 

April 5, 2019 – 29 Adar II 5779
Butterweiche Distanzierung

Von Tina Adcock (Mena Watch)

Ilhan Omar, die demokratische Kongressabgeordnete, die mittlerweile für ihre antisemitischen und antizionistischen Aussagen schon regelrecht bekannt ist, sorgt einmal mehr für Schlagzeilen. Bereits im Januar wurden einige ihrer Twitter-Beiträge, die den jüdischen Staat dämonisieren, öffentlich kritisiert, was sie jedoch nicht davon abhielt, im Februar über die pro-israelische Gruppe AIPAC („Amerikanisch-israelischer Ausschuss für öffentliche Angelegenheiten“) zu twittern – und der Organisation vorzuwerfen, sich politischen Einfluss zu erkaufen. Damit bediente sie den alten antisemitischen Vorwurf des finanzkräftigen Judentums, das sein Geld dafür einsetzt, Regierungen auf seine Seite zu ziehen, um seine Interessen durchzusetzen.

Sie selbst, sieht diese Tatsache natürlich ganz anders und versucht, den Spieß umzudrehen, um so das Opfer zum Sündenbock zu machen, wenn sie sagt:

Viele unserer jüdischen Kollegen … denken, dass alles, was wir über Israel sagen, antisemitisch ist, weil wir Muslime sind.“

In ihr „Wir“ bezog sie dabei ihre Kongresskollegin Rashida Tlaib ein, die ebenfalls für antisemitische Äußerungen in der Kritik stand.

Der neueste Fehltritt Omars ist nun ihre Antwort auf eine Aussage ihrer Kongresskollegin Nita Lowey (ebenfalls Demokratin), die auf Twitter eine Kritik an Omars Israelkritik veröffentlichte:

Der Gesetzgeber muss in der Lage sein, ohne Vorurteile oder Bigotterie zu debattieren. Ich bin traurig darüber, dass die Abgeordnete Omar die Unterstützung für Israel weiterhin als falsch bezeichnet. Ich fordere sie auf, diese Aussage zurückzuziehen und mit der jüdischen Gemeinde einen weiteren Dialog darüber zu führen, warum diese Kommentare so verletzend sind.“

Ilhan Omar antwortete:

Kongressabgeordnete, unsere Demokratie stützt sich auf Debatten! Es sollte nicht erwartet werden, dass ich einem fremden Land meine Treue/Unterstützung schulde, um meinem eigenen Land im Kongress oder im Ausschuss zu dienen. Die Menschen des Fünften [Kongressbezirk von Minnesota] wählten mich, um ihren Interessen zu vertreten. Da sind wir uns doch sicher einig!“

Doch Lowey ließ die Unterstellung Omars nicht einfach so stehen, wie diese es mit ihrer Verpflichtung auf Einigkeit wohl gern gehabt hätte, sondern antwortete nun ihrerseits:

Kein Mitglied des Kongresses wird gebeten, einem anderen Land die Treue zu schwören. (…) Im Laufe der Geschichte wurde Juden stets der Vorwurf der doppelten Loyalität gemacht, was zu Diskriminierung und Gewalt führte. Deshalb sind diese Anschuldigungen so schmerzhaft.“

Und Lowey stand nicht alleine da mit ihrer Kritik, selbst US-Präsident Donald Trump meldete sich zu Wort und verurteilte Omars Aussagen:

Die Abgeordnete Ilhan Omar steht wegen ihrer schrecklichen Kommentare bezüglich Israel erneut unter Beschuss. Jüdische Gruppen haben soeben eine Petition an [die] Sprecherin [des Repräsentantenhauses Nancy] Pelosi gerichtet, in der sie gebeten wird, Omar aus dem Ausschuss für Auswärtige Beziehungen zu entfernen. Ein schwarzer Tag für Israel!“

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im US-Repräsentantenhaus erklärte jedoch, dass er Ilhan Omar, wegen ihrer jüngsten antisemitischen Äußerungen, nicht aus dem Ausschuss ausschließen werde.

Verwässert bis zur Nichts-Aussage

Als Antwort auf die Protestwelle gegen Omar verabschiedeten die Demokraten eine Resolution, die unter anderem den Antisemitismus verurteilt, ohne dabei jedoch Omars Namen zu nennen. Daneben finden sich in der Erklärung noch zusätzliche Passagen, die sich gegen die Diskriminierung von anderen Minderheiten richten. Die Resolution, die eigentlich den Antisemitismus verurteilen sollte, nimmt so die Gestalt einer Erklärung gegen den Hass auf Minderheiten an und verfehlt damit ihre ursprüngliche Idee. Das Stichwort „Opferkonkurrenz“ lässt grüßen: Ilhan Omar nehme als farbige, muslimische Immigrantin einen so hohen Opferrang ein, dass sie gegenüber den weißen und reichen Juden in Amerika und Israel gar nicht schuldhaft handeln könne. (…)

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